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Gespräche mit LegendenKönig David zu FokusIsrael.ch: «Manchmal habe ich Gott angeschrien, manchmal gelobt»

Zur Person:

König David lebte um 1040 bis 970 v. Chr. Er stammte aus Bethlehem in Juda und war der jüngste Sohn von Isai. David arbeitete als Hirtenjunge, bevor der Prophet Samuel ihn zum künftigen König salbte – noch während König Saul regierte. Als junger Mann tötete David den Philister Goliath mit einer Schleuder und wurde damit zum Helden. Nach Jahren der Flucht vor dem eifersüchtigen Saul wurde er König über Juda und später über ganz Israel. Er eroberte Jerusalem, machte es zur Hauptstadt und schuf dank vieler militärischer Erfolge ein starkes, geeintes Reich. Gleichzeitig war David Musiker und Dichter: Viele Psalmen werden ihm zugeschrieben. Seine Persönlichkeit war vielschichtig: mutig, leidenschaftlich, sehr gläubig und charismatisch, aber auch fehleranfällig und manchmal rücksichtslos. Seine schwerste Missetat war der Ehebruch mit Batseba und der Befehl zur Tötung ihres Mannes Urija. Trotz dieser Schuld blieb David «der Mann nach dem Herzen Gottes». Sein Erbe sind die von ihm gegründete Dynastie, die Vorbereitungen zum Bau des ersten Tempels (der später von seinem Sohn König Salomon errichtet wurde), Jerusalem als religiöses Zentrum des Judentums und eine Fülle von Psalmen, die bis heute gelesen werden. Im Judentum und im Christentum gilt er als zentraler Vorfahre und Vorbild – mit allen seinen Licht- und Schattenseiten. Mit Hilfe von KI hat sich FokusIsrael.ch mit König David über sein Leben, seine Erfolge, seine Verfehlungen und seine Überzeugungen unterhalten.

Mein Herr König, Sie wurden als armer Hirtenjunge geboren und wurden König – eine Tellerwäscher-Karriere. Hätten Sie sich das je gedacht?

König David: Nein, überhaupt nicht. Ich habe Schafe gehütet und dachte, das bleibt so. Dann kam Samuel mit dem Öl und plötzlich war alles anders. Es hat sich nie so angefühlt, als hätte ich das geplant. Eher, als hätte jemand anderes die Weichen gestellt und ich bin einfach mitgefahren.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie als kleiner Hirtenjunge dem Riesen Goliath gegenüberstanden?

König David: Ehrlich gesagt war ich total nervös, aber ich habe mir gedacht: Wenn Gott mir schon die Löwen und Bären vom Leib gehalten hat, dann schafft er auch den Typen da vorne. Ich hatte nur eine Schleuder und fünf Steine, aber das hat gereicht. Es war kein Heldentrip, sondern einfach Vertrauen, dass Gott grösser ist als jede Angst.

Was hat Ihnen Ihr Sieg über Goliath gezeigt? Was haben Sie Ihrem Volk dazu gesagt?

König David: Der Sieg über Goliath hat mir gezeigt, dass Grösse und Waffen nicht alles sind. Dem Volk habe ich gesagt: Das war nicht mein Sieg, sondern Gottes Sieg. Wir sollen nicht auf unsere eigene Stärke vertrauen, sondern auf ihn – auch wenn der Gegner riesig aussieht.

Worum ging es eigentlich im Krieg gegen die Philister?

König David: Es ging um Lebensraum und Überleben. Die Philister wollten unser Land und unsere Freiheit. Für uns war es der Kampf, als Volk bestehen zu können und nicht ständig bedroht zu werden. Gleichzeitig war es für mich immer auch eine Frage, ob wir als Gemeinschaft zusammenhalten und Gott nicht aus den Augen verlieren.

Zum Zusammenhalt in der Gemeinschaft: Im heutigen Israel weigern sich die meisten sehr strenggläubigen Juden, Militärdienst zu leisten. War das zu Ihren Zeiten auch so? 

König David: Nein, so war das nicht. Wer kämpfen konnte, hat mitgekämpft – das war selbstverständlich, weil unser Überleben davon abhing. Es gab Ausnahmen für Neugeheiratete oder Ängstliche, aber keine pauschale Freistellung für besonders Fromme. Wer das Land und das Volk schützen kann, sollte das auch tun. Glaube und Verantwortung schliessen sich nicht aus.

Sie sind vom Schäfer zum König geworden. Wie empfanden Sie das?

König David: Plötzlich hatte ich Verantwortung für ein ganzes Volk statt nur für ein paar Schafe. Die Leute haben auf mich geschaut, und ich musste ständig Entscheidungen treffen, die weitreichend waren. Manchmal habe ich mich zurück nach den stillen Stunden auf dem Feld gesehnt. Aber gleichzeitig wusste ich: Das ist der Job, den Gott mir gegeben hat – und den mache ich so gut ich kann.

Was war neben dem Sieg gegen Goliath das wichtigste Element Ihres Lebens?

König David: Die Freundschaft mit Jonathan (König Sauls Sohn und Davids engster Freund, der ihn vor seinem eigenen Vater beschützte, Red.). Später die Jahre auf der Flucht vor König Saul, der aus Eifersucht versuchte, mich zu töten. Da habe ich gelernt, was Treue wirklich bedeutet – und wie schnell Macht Menschen verändern kann. Ausserdem die Psalmen: Sie haben mir geholfen, alles zu verarbeiten, was mir passiert ist.

Sie haben viele Psalmen geschrieben. Wie kamen Sie dazu?

König David: Ich habe einfach aufgeschrieben, was mir durch den Kopf ging: Freude, Angst, Wut, Dankbarkeit. Manchmal habe ich Gott angeschrien, manchmal gelobt. Es war wie ein Tagebuch, bloss dass ich wusste, dass Gott mitliest. Dadurch wurde es für mich klarer, was wirklich zählt.

Worauf kommt es beim Herrschen an?

König David: Es ist wichtig, nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht um Verantwortung für die Menschen, die einem anvertraut sind. Es geht darum, gerecht zu bleiben – auch wenn es unbequem ist. Wer nur an Macht und eigene Vorteile denkt, verliert irgendwann den Boden unter den Füssen. Ich wollte, dass Recht gesprochen wird und nicht nur die Mächtigen gewinnen. 

Bei Ihrem Ehebruch mit Batseba und der veranlassten Tötung ihres Mannes Urija, um sie zur Frau nehmen zu können, haben Sie aber genau das Gegenteil gemacht.

König David: Das war einer der grössten Fehler meines Lebens. Ich habe meine Macht missbraucht und anderen schwer geschadet. Es hat mich kaputt gemacht, bis ich es endlich eingesehen und gebetet habe. Gott hat mir vergeben, aber die Konsequenzen sind geblieben. 

Was haben Sie daraus gelernt?

König David: Dass Macht gefährlich ist und einen blind machen kann. Es hat mich gelehrt, dass selbst der, der ganz oben steht, Fehler macht und Verantwortung tragen muss. Ehrlichkeit und das Eingeständnis vor Gott waren der einzige Weg für mich, damit umzugehen.

Was sagen Sie den heutigen Herrschern?

König David: Ich sagen Ihnen: Vergesst nicht, dass ihr Diener der Menschen seid und nicht umgekehrt. Hört auf die Stimmen der Schwachen und bleibt ehrlich zu euch selbst. Macht verleitet schnell zu Fehlentscheidungen. Wer bereit ist, Fehler zuzugeben und Verantwortung zu übernehmen, regiert am Ende besser als jemand, der unfehlbar wirken will.

Und was raten Sie jemandem, der vor einer grossen Herausforderung steht – so wie Sie seinerzeit bei Goliath?

König David: Schau nicht nur auf die Grösse des Problems, sondern auf denjenigen, der grösser ist. Fang klein an, sei ehrlich zu dir selbst und gib nicht auf, wenn es mal schiefgeht. Gott sucht keine Perfekten, sondern Leute, die bereit sind, wieder aufzustehen. Das hat bei mir auch funktioniert.

Anmerkung: Dieses Gespräch mit König David beruht auf der Bibel. In unserer Serie «Gespräche mit Legenden» unterhalten wir uns mit verstorbenen Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Wissenschaft und Kultur, die für das Judentum und Israel bedeutsam waren. Damit wollen wir mit Hilfe von KI sie und ihre Ideen dem heutigen Publikum näherbringen. Bisher erschienen sind Interviews mit:

Theodor Herzl, dem Begründer des modernen Zionismus 

Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten 

David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels

Golda Meir, Israels bisher einziger Ministerpräsidentin

Anwar Sadat, dem ägyptischen Präsidenten, der 1977 nach Jerusalem reiste, um mit Israel Frieden zu schliessen

Moses, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit führte

Maimonides, dem im 12. und 13. Jahrhundert lebenden grossen jüdischen Gelehrten

Lord Jonathan Saks, dem früheren britischen Oberrabbiner

Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse

Albert Einstein, dem Begründer der Relativitätstheorie

Robert Oppenheimer, dem «Vater der Atombombe»

Hedy Lamarr, der Hollywood-Ikone und Erfinderin

Estée Lauder, der Unternehmerin und Begründerin eines Weltkonzerns

Milton Friedman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften

Levi Strauss, dem Erfinder der Jeans-Hose

Elie Wiesel, Schriftsteller und Friedensnobelpreis-Träger

Primo Levi, dem italienischen Chemiker und Schriftsteller

Theodor Adorno, dem deutschen Philosophen und Soziologen

Martin Buber, Philosoph, Religionswissenschaftler und Schriftsteller.

Hannah Arendt, Journalistin und streitbarer Denkerin

Carl Lutz, dem Schweizer Diplomaten, der Zehntausende von Juden rettete

Paul Grüninger, der St. Galler Polizeikommandant, der wegen seiner Hilfe für jüdische Verfolgte entlassen und verurteilt wurde

Raoul Wallenberg, der junge schwedische Diplomat, der in Budapest Zehntausende Juden rettete und dann von den Russen entführt und umgebracht wurde

Oskar Schindler, der als Leiter einer Fabrik in Polen über 1’000 Juden das Leben rettete und durch den Film «Schindlers Liste» bekannt wurde

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