8. Juli 2026
Gespräche mit LegendenMilton Friedman zu FokusIsrael.ch: «Ich wünsche mir, dass Israel immer eine freie und demokratische Gesellschaft bleibt»
Zur Person
Milton Friedman wurde am 31. Juli 1912 in Brooklyn, New York, als Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa geboren. Seine Eltern verfügten nur über bescheidene Mittel und führten ein kleines Geschäft. Diese Erfahrungen prägten sein Verständnis für Unternehmertum, Fleiss und die Bedeutung wirtschaftlicher Chancen. Milton Friedman gilt als einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit seiner Frau Rose Friedman, selbst eine renommierte Ökonomin und Co-Autorin zahlreicher Werke, setzte er sich für eine Gesellschaft ein, in der individuelle Freiheit, Eigenverantwortung und Wettbewerb im Mittelpunkt stehen. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften lehrte Friedman viele Jahre an der University of Chicago, wo er zu einer der prägenden Persönlichkeiten der sogenannten «Chicago School» wurde. Seine Forschungen zur Geldpolitik, Inflation und Konsumtheorie veränderten die Volkswirtschaftslehre nachhaltig. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt er 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Zu Milton Friedmans bekanntesten Verdiensten zählt auch sein Einsatz für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten. Milton Friedman starb am 16. November 2006 im Alter von 94 Jahren in San Francisco. Mit Hilfe von KI hat FokusIsrael.ch Milton Friedman interviewt und ihn dabei zu seinen wissenschaftlichen Überzeugungen, seiner jüdischen Herkunft, Antisemitismus und Israel befragt.
Von Isabelle Arnau
Herr Friedman, Sie wurden als Sohn jüdischer Einwanderer in Brooklyn geboren. Was empfinden Sie, wenn Sie den wachsenden Antisemitismus an amerikanischen Universitäten und auf den Strassen sehen?
Milton Friedman: Es macht mich traurig, aber leider nicht sprachlos. Geschichte wiederholt sich selten exakt, doch Vorurteile finden immer neue Formen. Meine Eltern kamen nach Amerika, weil sie glaubten, dass Menschen hier nach ihrer Leistung beurteilt werden. Das war das grosse Versprechen Amerikas. Antisemitismus zerstört genau dieses Versprechen. Eine freie Gesellschaft lebt davon, dass jeder dieselben Rechte besitzt – unabhängig von Religion oder Herkunft. Wenn Juden wieder überlegen müssen, ob sie eine Kippa oder einen Davidstern sichtbar tragen können, ist das kein jüdisches Problem. Es ist ein Problem der Freiheit.
Viele jüdische Familien verlassen New York oder denken zumindest darüber nach. Sie sagen, das politische Klima habe sich verändert und sie fühlten sich unter der neuen Stadtführung nicht mehr ausreichend geschützt. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?
Milton Friedman: Das erschüttert mich. New York war über Generationen ein Ort der Hoffnung für jüdische Einwanderer – auch für meine Familie. Wer eine Stadt verlässt, weil er sich wirtschaftlich verbessern möchte, trifft eine freie Entscheidung. Wer sie verlässt, weil er sich als Jude nicht mehr sicher fühlt oder den Eindruck hat, die politische Führung nehme seine Sorgen nicht ernst, ist das etwas völlig anderes. Eine Regierung muss unmissverständlich klarstellen, dass Antisemitismus keinen Platz hat und jüdische Bürger denselben Schutz und dieselbe Sicherheit verdienen wie alle anderen. Wenn dieses Vertrauen verloren geht, verliert eine Stadt weit mehr als Einwohner. Sie verliert ihren moralischen Kompass. Vertrauen ist leicht zu verspielen, aber ausserordentlich schwer zurückzugewinnen.
Welche Bedeutung hat Israel für Sie?
Milton Friedman: Israel ist weit mehr als ein Staat. Für viele Juden ist es die Gewissheit, dass es einen Ort gibt, an dem sie nicht um ihre Existenz bitten müssen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Israel immer eine freie und demokratische Gesellschaft bleibt. Stärke zeigt sich nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in unabhängigen Gerichten, freien Medien und einer lebendigen Wirtschaft.
Was würden Sie der israelischen Regierung heute raten?
Milton Friedman: Sicherheit hat Vorrang. Ohne Sicherheit gibt es weder Investitionen noch Wohlstand. Gleichzeitig darf man nie vergessen, dass Freiheit ein strategischer Vorteil ist. Demokratien wirken manchmal langsam und unordentlich. Genau darin liegt ihre Stärke. Menschen, die frei denken und frei handeln können, entwickeln Ideen, auf die keine Regierung jemals gekommen wäre.
Viele Menschen sehen Milliardäre heute kritisch. Teilen Sie diese Sicht?
Milton Friedman: Nein. Mich interessiert weniger, wie reich jemand ist, sondern wie er reich geworden ist. Hat er Menschen überzeugt, seine Produkte freiwillig zu kaufen? Oder verdankt er seinen Erfolg politischen Privilegien? Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wettbewerb ist der beste Kontrolleur wirtschaftlicher Macht. Politik ist oft ein wesentlich schlechterer.
Hat der Kapitalismus seine besten Jahre hinter sich?
Milton Friedman: Diese Frage höre ich seit über fünfzig Jahren. Der Kapitalismus ist nicht erfolgreich, weil er perfekt ist. Er ist erfolgreich, weil er Menschen erlaubt, aus Fehlern zu lernen. Kein Wirtschaftsminister ist so klug wie Millionen Menschen, die jeden Tag eigene Entscheidungen treffen. Deshalb habe ich so oft den einfachen Bleistift als Beispiel verwendet: Niemand plant seine Herstellung – und trotzdem funktioniert sie.
Welchen Rat würden Sie jungen Unternehmern geben?
Milton Friedman: Warten Sie nicht auf perfekte Bedingungen. Meine Eltern hätten ewig warten können. Arbeiten Sie hart, lösen Sie echte Probleme und behandeln Sie Ihre Kunden fair. Gewinn ist kein Makel. Er zeigt, dass Sie für andere Menschen einen Wert geschaffen haben.
Was war für Sie der bewegendste Moment Ihrer Laufbahn, worauf sind Sie besonders stolz?
Milton Friedman: Der Nobelpreis war selbstverständlich eine grosse Ehre. Noch mehr bewegte mich jedoch die Abschaffung der Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten. Ich hatte jahrelang dafür argumentiert, dass eine freie Gesellschaft ihre Bürger nicht zum Militärdienst zwingen sollte, wenn eine Freiwilligenarmee möglich ist. Zu erleben, dass Ideen tatsächlich Politik verändern können, bedeutete mir mehr als jede Auszeichnung.
Würden Sie sich auch in Israel für den freiwilligen Wehrdienst einsetzen?
Milton Friedman: Ja, im Prinzip würde ich mich auch in Israel für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht einsetzen – aus denselben Gründen, die ich in den Vereinigten Staaten vorgebracht habe. Die Zwangsrekrutierung junger Menschen ist eine Form der unfreiwilligen Arbeit, die gegen grundlegende Freiheitsrechte verstösst. Allerdings erkenne ich die besondere Lage Israels an. Ein kleines Land mit einer verhältnismässig geringen Bevölkerung, das sich in einer Region mit existentiellen Bedrohungen befindet, steht nicht in derselben Situation wie die USA in Friedenszeiten oder während begrenzten Konflikten. Wenn die Sicherheit des Staates unmittelbar auf dem Spiel steht und eine sehr grosse Zahl an verfügbaren Kräften benötigt wird, kann eine allgemeine Wehrpflicht ein notwendiges Übel sein – so wie ich es auch für die USA im Zweiten Weltkrieg akzeptiert habe.
Dennoch würde ich Israel dringend raten, in Richtung eines professionelleren, freiwilligen Modells zu gehen, wo immer es machbar ist. Eine Armee, die auf Freiwilligkeit und Leistung beruht, stärkt letztlich auch die gesellschaftliche Unterstützung und die wirtschaftliche Dynamik – etwas, das Israel als innovatives Land besonders gut nutzen könnte.
Was halten Sie davon, dass die ultraorthodoxen Juden in Israel keinen Wehrdienst leisten müssen?
Milton Friedman: Ich halte diese Ausnahmeregelung für falsch und ungerecht. Es widerspricht dem Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz, wenn eine grosse Gruppe von Bürgern aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit von einer Last befreit wird, die alle anderen tragen müssen. Das schafft Ressentiments, untergräbt die gesellschaftliche Kohäsion und verzerrt die Anreize massiv. Aus ökonomischer Sicht ist die Befreiung der Ultraorthodoxen vom Militärdienst doppelt problematisch: Erstens belastet sie die arbeitende und dienstleistende Bevölkerung überproportional, führt zu längeren Reservistendiensten und schwächt damit die Wirtschaftskraft. Ausserdem bleiben viele in der ultraorthodoxen Gemeinschaft durch die Ausnahmeregelung ausserhalb des regulären Arbeitsmarktes.
Eine Gesellschaft, in der ein wachsender Anteil der Bevölkerung weder dient noch voll am Wirtschaftsleben teilnimmt, schwächt langfristig ihre eigene Überlebensfähigkeit. Religiöse Überzeugungen verdienen Respekt, solange sie die Rechte anderer nicht verletzen. Aber das Recht auf Gewissensfreiheit bedeutet nicht das Recht, anderen die Rechnung für die eigene Sicherheit zu überlassen. Wer in Israel lebt und von dessen Schutz profitiert, sollte – in welcher Form auch immer – einen fairen Beitrag leisten.
Stimmt es, dass ein einfacher Bleistift zu Ihren liebsten Lehrmitteln gehört?
Milton Friedman: Ja, und viele Studierende fanden das zunächst seltsam. Ich hielt einen gewöhnlichen Bleistift hoch und fragte: «Wer von Ihnen könnte diesen Bleistift allein herstellen?» Niemand konnte es. Das Holz, der Graphit, das Metall und der Lack stammen aus verschiedenen Teilen der Welt. Millionen Menschen arbeiten zusammen, ohne sich je begegnet zu haben. Genau das ist die Stärke einer freien Marktwirtschaft. Ein Bleistift erklärt den Kapitalismus oft besser als ein dickes Lehrbuch.
Sie gelten als leidenschaftlicher Lehrer. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Milton Friedman: Weil gute Ideen nur dann etwas bewirken, wenn Menschen sie verstehen. Ich habe nie nur für Professoren geschrieben. Deshalb verfasste ich Bücher für ein breites Publikum und produzierte später sogar eine Fernsehserie. Manche Wissenschaftler suchten vor allem die Anerkennung ihrer Kollegen. Ich wollte, dass ein Taxifahrer, eine Verkäuferin oder ein Unternehmer meine Gedanken genauso verstehen konnten wie ein Ökonom.
Ihre Ehefrau Rose ist auch Ihre engste wissenschaftliche Weggefährtin. Gemeinsam nannten Sie Ihre Autobiografie «Two Lucky People (Zwei glückliche Menschen)». Weshalb?
Milton Friedman: Weil wir beide tatsächlich grosses Glück hatten. Nicht, weil uns alles zufiel – ganz im Gegenteil. Unsere Eltern waren Einwanderer, wir kannten schwierige Zeiten und mussten hart arbeiten. Glück bedeutete für uns etwas anderes: Wir durften in einer freien Gesellschaft leben, unseren Interessen folgen und unser Leben selbst gestalten. Rose war dabei weit mehr als meine Frau. Sie war meine schärfste Kritikerin, meine beste Gesprächspartnerin und oft die Erste, die einen Denkfehler entdeckte. Viele Ideen, die später mit meinem Namen verbunden wurden, entstanden aus unseren langen Gesprächen am Esstisch oder auf Spaziergängen. In «Two Lucky People» schreiben wir sinngemäss, dass das grösste Glück nicht im Erfolg lag, sondern in der Freiheit, den eigenen Überzeugungen folgen zu dürfen. Ich hätte mir keine bessere Partnerin wünschen können.
Sie haben den Ruf, komplizierte Zusammenhänge einfach erklären zu können. Ist das Absicht?
Milton Friedman: Unbedingt. Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es meist selbst noch nicht vollständig verstanden. Wirtschaft ist keine Geheimwissenschaft. Sie handelt von Menschen, ihren Entscheidungen und den Folgen dieser Entscheidungen. Deshalb verwende ich lieber Beispiele aus dem Alltag als komplizierte Formeln. Jeder versteht einen Bleistift, einen Laib Brot oder ein kleines Familiengeschäft.
Einer Ihrer bekanntesten Sätze lautet: «There is no such thing as a free lunch», was sinngemäss heisst: «Es gibt nichts umsonst». Warum begleitet Sie dieser Satz bis heute?
Milton Friedman: Weil er eine einfache Wahrheit ausdrückt. Menschen lieben das Wort ‹gratis›. Ökonomen wissen, dass es dieses Wort in Wirklichkeit kaum gibt. Jede Entscheidung hat ihren Preis, auch wenn ihn jemand anderes bezahlt. Vielleicht wurde ich deshalb Ökonom. Als Sohn eines kleinen Ladenbesitzers wusste ich schon früh, dass am Ende des Tages die Bücher stimmen mussten. Man kann Rechnungen verschieben, aber nicht verschwinden lassen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Welche Botschaft möchten Sie den Menschen hinterlassen?
Milton Friedman: Freiheit ist nie selbstverständlich. Jede Generation muss sie neu verteidigen – nicht nur gegen Diktaturen, sondern auch gegen die gut gemeinte Versuchung, immer mehr Entscheidungen dem Staat zu überlassen. Vertrauen Sie den Menschen etwas mehr und der Politik etwas weniger. Das war meine Überzeugung vor fünfzig Jahren. Und sie wäre es auch heute noch.
Anmerkung: Dieses Interview wurde mit Hilfe von KI geführt. Es basiert auf Aussagen von Milton Friedman und Dokumentationen über ihn. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur –, die für das Judentum und Israel bedeutsam waren, KI-gestützte Gespräche führen, um sie und ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Die bisherigen solchen Interviews führten wir mit dem Begründer des modernen Zionismus, Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten, David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels, Israels bisher einziger Ministerpräsidentin, Golda Meir,Anwar Sadat, dem ägyptischen Präsidenten, der 1977 nach Jerusalem reiste, um mit Israel Frieden zu schliessen, Moses, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit führte, mit dem im 12. und 13. Jahrhundert lebenden grossen jüdischen Gelehrten Maimonides, mit dem früheren britischen Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks, Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse, Albert Einstein, dem Begründer der Relativitätstheorie,Robert Oppenheimer, dem «Vater der Atombombe», der Hollywood-Ikone und Erfinderin Hedy Lamarr und der Unternehmerin Estée Lauder.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?





