Zum Inhalt

Gespräche mit LegendenRobert Oppenheimer, haben Sie Israel geholfen, die Atombombe zu bauen?

Zusammenfassung

Von Sacha Wigdorovits

Robert Oppenheimer, Sie leiteten die Entwicklung und den Bau der ersten Atombombe: Haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Robert Oppenheimer: Die Physiker haben in einem rohen Sinne die Sünde kennengelernt, und dieses Wissen können sie nicht verlieren. Ich fühle die Last. Es ist «das Blut an meinen Händen», wie ich einmal zu Präsident Truman sagte. Doch wir handelten in einem gerechten Krieg gegen eine barbarische Bedrohung. Es war keine leichte Entscheidung, und die Grausamkeit bleibt. 

Sie werden oft als „Vater der Atombombe“ bezeichnet. Welche Gefühle weckt das in Ihnen?

Robert Oppenheimer: Es ist eine schwere Bürde, die mir zugeschrieben wird. Ich war Leiter des Labors, doch viele brillante Köpfe arbeiteten daran. Es ehrt die Wissenschaft, doch erinnert es mich stets an die Zerstörungskraft, die wir entfesselten. Ich bin weder stolz noch gleichgültig – es ist ein komplexes Vermächtnis.

Glauben Sie, dass die Atombombe die Welt durch die nukleare Abschreckung sicherer gemacht hat?

Robert Oppenheimer: Die Bombe hat die Kriegsführung verändert. Sie schuf eine schreckliche Balance der Abschreckung, die einen grossen Krieg verhindern half. Doch sie birgt die Gefahr der Vernichtung. Es braucht deshalb internationale Kontrolle und Transparenz.

Wo sind für Sie in der Wissenschaft die Grenzen der Ethik?

Robert Oppenheimer: Die Neugier des Wissenschaftlers kennt keine Grenzen – wir müssen entdecken, was die Natur verbirgt. Aber die Anwendung dieses Wissens ist etwas anderes. Die Grenze liegt dort, wo wir etwas schaffen, das die Menschheit als Ganzes bedroht, ohne dass die Gesellschaft darüber entschieden hat. Die Ethik in der Wissenschaft ist vor allem dann wichtig, wenn die technische Verlockung einer Entdeckung grösser ist als die Weisheit, mit ihr umzugehen.

War der Bau der Atombombe für Sie ethisch vertretbar?

Robert Oppenheimer: Wir haben die Bombe gebaut, weil der Feind uns sonst vernichtet hätte. Doch danach habe ich gelernt: Der Forscher darf nicht allein entscheiden, welche Kräfte er der Welt übergibt. 

Weshalb weigerten Sie sich, beim Bau der Wasserstoffbombe mitzumachen?

Robert Oppenheimer: Die H-Bombe ist eine Waffe, die ganze Zivilisationen auslöschen kann. Ich war überzeugt, sie würde den Rüstungswettlauf eskalieren und die Menschheit in grössere Gefahr bringen. Nach Hiroshima sahen wir die Notwendigkeit von Kontrolle, nicht von noch zerstörerischeren Waffen.

Die United States Atomic Energy Commission (AEC) führte gegen Sie einen Schauprozess durch. Spielte dabei auch Ihre jüdische Abstammung eine Rolle?

Robert Oppenheimer: Die Untersuchung war eine Farce. Meine früheren Verbindungen und meine Opposition gegen die H-Bombe wurden missbraucht. Antisemitismus spielte sicher eine Rolle – viele Intellektuelle wurden damals verdächtigt, bloss wie sie jüdisch waren. Ich war wütend und fühlte mich isoliert, doch ich blieb der Wahrheit treu.

Haben Sie Antisemitismus auch konret erlebt?

Robert Oppenheimer: Ja, in subtiler Form. Als junger Mann spürte ich Vorurteile in akademischen Kreisen. Ich hörte dies aus Bemerkungen wie «er ist Jude, aber ohne die üblichen Eigenschaften» heraus. Antisemitismus war bei uns damals nie offen wie in Europa, doch er durchzog die amerikanische Elite. 

Wie haben Sie darauf reagiert?

Robert Oppenheimer: Ich reagierte, indem ich mich stärker als Amerikaner und Wissenschaftler definierte. Antisemitismus zu erfahren, schärfte mein Bewusstsein für Ungerechtigkeit, ohne mich zum Zionisten zu machen.

Sie waren säkular und völlig assimiliert: Wie erklären Sie sich, dass Sie trotzdem ein Opfer antisemitischer Angriffe wurden?

Robert Oppenheimer: Antisemitismus fragt nicht nach Assimilation oder Glauben. Für viele blieb ich der «Jude Oppenheimer», auch wenn ich nie eine Synagoge betrat und mich als kosmopolitischen Intellektuellen sah. In den 1930er Jahren und besonders bei den Sicherheitsanhörungen 1954 (der McCarthy-Kommission, Red.) zeigte sich: Herkunft zählte mehr als Selbstdefinition.

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Robert Oppenheimer: Es war für mich der bittere Beweis, dass Vorurteile tiefer sitzen als kulturelle Anpassung. Ich lernte, dass man die eigene Identität nicht vollständig ablegen kann – und dass sie in Krisenzeiten gegen einen verwendet wird.

Wie würden Sie Ihre Beziehung zum Judentum und zu Israel bezeichnen?

Robert Oppenheimer: Ich stamme aus einer säkularen jüdischen Familie und identifizierte mich wenig mit dem Glauben oder Ritual. Zum Judentum habe ich eine kulturelle Verbundenheit, besonders angesichts der Verfolgung in den 1930er Jahren. Israel respektiere ich als Zuflucht und intellektuelles Zentrum des jüdischen Volkes, nicht aus zionistischen Gründen.

Sie sehen Israel als intellektuelles Zentrum. Unterstützen Sie deshalb das Weizmann Institut für Wissenschaften in Rehovot?

Robert Oppenheimer: Das Weizmann Institut steht für Grundlagenforschung und Fortschritt in einem jungen Land. Es zu unterstützen ist eine Ehre. Das Weizmann Institut verkörpert den menschlichen Geist der Entdeckung, den ich schätze, unabhängig von Politik. Wissenschaft kennt keine Grenzen.

Albert Einstein war Zionist. Haben Sie sich mit ihm über den Zionismus und Israel unterhalten?

Robert Oppenheimer: Einstein und ich sprachen oft über Physik und Ethik, weniger detailliert über Zionismus. Er hatte eine tiefere emotionale Bindung dazu als ich. Wir teilten die Sorge um die Menschheit, doch unsere Ansichten zur jüdischen Heimstatt unterschieden sich etwas. 

Haben Sie Israel geholfen, die Atombombe zu bauen?

Robert Oppenheimer: Nein. Meine Beratungen in Israel waren rein wissenschaftlicher Natur – etwa beim Weizmann Institut – nicht bei militärischen Programmen. Meine Rolle war die Förderung friedlicher Forschung und internationaler Zusammenarbeit. 

Aber glauben Sie, dass Israel die Atombombe besitzt? 

Robert Oppenheimer: Ich spekuliere nicht über geheime Regierungsprogramme. Aber in einer feindlichen Region wie dem Nahen Osten könnte eine solche Fähigkeit zur Abschreckung dienen, ähnlich wie anderswo. Doch letztlich muss die Welt zu nuklearer Abrüstung finden – für alle Nationen. Existenzbedrohung rechtfertigt Verteidigung, birgt aber immense Risiken. 

Wenn Sie zurückblicken: Was würden Sie heute anders machen?

Robert Oppenheimer: Ich würde stärker für internationale Kontrolle der Atomenergie kämpfen, um den Rüstungswettlauf zu verhindern. Persönlich wäre ich demütiger und in politischen Dingen weniger naiv. Die Wissenschaft voranzutreiben ist richtig – aber sie richtig anzuwenden, das bleibt eine ewige Herausforderung. 

Anmerkung: Dieses Interview wurde mit Hilfe des KI-Assistenten Grok geführt. Es basiert auf den Schriften und weiteren Aussagen von J. Robert Oppenheimer. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur –, die für das Judentum und Israel bedeutsam waren, KI-gestützte Gespräche führen, um sie und ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Das erste solche Interview fand mit Theodor Herzl statt, dem Begründer des modernen Zionismus, das zweite mit Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten, das dritte mit David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels, das vierte mit Israels bisher einziger Ministerpräsidentin, Golda Meir, das fünfte mit Anwar Sadat, dem ägyptischen Präsidenten, der 1977 nach Jerusalem reiste, um mit Israel Frieden zu schliessen, das sechste mit Moses, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit führte, das siebte mit dem im 12. und 13. Jahrhundert lebenden grossen jüdischen Gelehrten Maimonides, das achte Interview führten wir mit dem früheren britischen Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks, das neunte mit Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalysedas zehnte mit Albert Einstein, dem Begründer der Relativitätstheorie.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?

Fehler melden

0/2000 Zeichen

Aktuelle Nachrichten