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Theodor Herzl zu FokusIsrael.ch: «Ich sagte immer, der Staat solle weltlich sein.»

Herr Herzl, zwischen 1941 und 1945 hat die damalige nationalsozialistische Regierung Deutschlands im Rahmen ihrer «Endlösung der Judenfrage» sechs Millionen Juden ermordet. Hat ein solcher Albtraum Sie veranlasst, die Juden zum Verlassen von Europa und Bildung eines eigenen Staates aufzurufen?

Theodor Herzl: Ich sah die Gefahr, doch nicht ihr volles Ausmass. Ich war überzeugt, man werde uns nicht in Ruhe lassen. Doch die planmässige Vernichtung unseres ganzen Volkes – in solcher Form, mit solcher Kälte –, das überstieg, was ich mir vorzustellen vermochte.

In Europa herrscht auch heute wieder ein sehr lautstarker Antisemitismus. Überrascht Sie das?

Herzl: Leider nicht. Ich habe bereits in meiner Zeit erkannt, dass der Antisemitismus ein hartnäckiges, sich wandelndes Phänomen ist. Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Der Antisemitismus ist ein Zivilisationsproblem. Er wandelt seine Formen, aber nicht sein Wesen.

Er verschwindet nicht durch Assimilation oder Fortschritt allein. Er passt sich an neue Zeiten an – und gerade darin liegt seine Gefahr.

Wie sollen die europäischen Juden diesem heutigen Antisemitismus begegnen?

Herzl: Ich war stets überzeugt davon, dass die Judenfrage eine politische ist und daher eine politische Lösung verlangt. Die Judenfrage ist weder eine soziale noch eine religiöse, sondern eine nationale Frage. Wir sind ein Volk – ein Volk! Dies bedeutete für mich: Es braucht die Schaffung eines eigenen Staates. Diese Notwendigkeit von Selbstbestimmung ist geblieben.

Sind Sie überrascht, dass es seit 1948 einen jüdischen Staat gibt?

Herzl: Weniger überrascht als erfreut. Schon 1897, kurz nach dem Ersten Zionistenkongress schrieb ich in mein Tagebuch: «In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagen würde, würde mir ein allgemeines Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig, wird es jeder einsehen.» Was zu meiner Zeit wie ein kühner Traum schien, war doch in meinen Augen ein realistisches politisches Projekt. Ich sagte schon damals: „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.“

Was sagen Sie dazu, dass dieser jüdische Staat Israel heisst?

Herzl: Der Name „Israel“ trägt eine tiefe historische und kulturelle Bedeutung. In meinen Schriften habe ich verschiedene Bezeichnungen erwogen, doch entscheidend war stets der Inhalt: ein Staat für das jüdische Volk. Dass man einen so traditionsreichen Namen wählte, erscheint mir durchaus passend.

Über welche anderen Namen dachten Sie denn noch nach?

Herzl: «Juda» zum Beispiel, aber das war mir dann doch zu eng, denn es erinnert nur an einen Teil unseres Volkes. Dann «Zion», aber das ist ein poetischer, beinahe religiöser Begriff. Doch ein Staat braucht mehr als Poesie, er braucht Klarheit und weltliche Verständlichkeit. 

Was sagen Sie dazu, dass Israel, wie am ersten Zionistenkongress gefordert, im Gebiet Palästina liegt? 

Herzl: Palästina ist unsere unvergessliche historische Heimat. Palästina war für viele Juden das historische Ziel, doch ich war in meinen Überlegungen pragmatisch. Ich habe auch Alternativen in Betracht gezogen, etwa Argentinien. Denn Argentinien ist eines der fruchtbarsten Länder der Erde. Doch nicht der Boden allein entscheidet, sondern die Sicherheit des Volkes.

Israel ist eine Demokratie. Entspricht dies Ihren Vorstellungen?

Herzl: Wir wollten ein Musterland schaffen. Ordnung, Recht und Fortschritt sind entscheidend – die Form ist Mittel, nicht Zweck. Eine demokratische Ordnung entspricht diesem Ideal sehr wohl – solange sie von Vernunft, Bildung und Verantwortung getragen wird.

In ihrer Schrift Der Judenstaat standen Sie der Demokratie aber kritisch gegenüber und bevorzugten eine aristokratische Republik oder sogar Monarchie.

Herzl: Ich misstraute der Unordnung in der Demokratie, nicht der Mitwirkung. Demagogie, Kurzsichtigkeit, Leidenschaft – das waren meine Bedenken. Ich dachte deshalb an eine Ordnung, die von gebildeten, verantwortungsbewussten Persönlichkeiten getragen würde – eine Art „aristokratische Republik“, nicht im Sinne von Geburt, sondern von Befähigung.

Doch meine Überlegungen waren stets pragmatisch, nicht dogmatisch. Das Ziel war ein Staat der Vernunft, der Bildung, der Verantwortung. Erreicht die Demokratie dies, so erfüllt sie den Zweck. 

In Israel haben religiöse Führer grossen politischen Einfluss. Ist dies in Ihrem Sinne?

Herzl: Ich sagte immer: Wir werden die Theokratie nicht zulassen. Der Staat soll weltlich sein, die Religion frei.

Zwischen dem säkularen und ultraorthodoxen Teil der Bevölkerung Israels besteht heute ein starkes Schisma. Wie würden Sie diesem Problem begegnen?

Herzl: Jeder soll nach seiner Façon selig werden. Doch vor dem Gesetz darf es keine Sonderstellung geben. Pflichten und Rechte müssen gemeinsam getragen werden. Ein Gemeinwesen zerfällt, wenn Teile sich ihm entziehen. Es besteht, wenn alle dazu beitragen.

Dann bedeutet dies für Sie: Wenn die säkularen Juden Militärdienst leisten, dann müssen dies auch die Ultraorthodoxen tun?

Herzl: Ja. Wer den Schutz des Gemeinwesens geniesst, muss auch zu seiner Erhaltung beitragen.

In Israel leben Christen und Muslime gleichberechtigt mit Juden zusammen. Entspricht dies Ihrer zionistischen Idee?

Herzl: In meinem Roman «Altneuland» hielt ich klar fest: «Es macht keinen Unterschied, welcher Religion oder Nationalität jemand angehört.» Es darf keine Diskriminierung von Christen und Muslimen geben, sie sollen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben wie die Juden, politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. 

Israel hat ein angespanntes Verhältnis zu vielen arabischen Nachbarstaaten. Was kann Israel tun?

Herzl: Ich war immer überzeugt: Wir werden dem Lande Wohlstand bringen. Gemeinsamer Nutzen schafft eher Frieden als blosse Worte. Doch ich war mir auch bewusst, dass nationale Bewegungen Spannungen erzeugen. Diplomatie und Fairness sind daher unerlässlich.

Das Wappen Israels ist ein blauer Davidstern auf weissem Grund. Gefällt Ihnen das?

Herzl: Das Zeichen ist alt. Doch ein Volk lebt nicht von Zeichen, sondern von seiner Ordnung, seiner Arbeit, seiner Zukunft.Hinweis: Dieses Interview ist fiktiv. Es entstand mit Hilfe von ChatGPT auf der Basis von Theodor Herzls Äusserungen, Schriften und Ideen. In den kommenden Wochen werden wir mit einer Anzahl verstorbener Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur -, die für das Judentum und Israel wichtig waren, fiktive Gespräche führen, um ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen.

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