10. April 2026
Ein Frieden mit Libanon ist möglich – aber nur ohne Hisbollah
Zusammenfassung
- Die israelische und die libanesische Regierung wollen am Montag in Washington direkte Friedensverhandlungen aufnehmen.
- Dies ist für beide Länder eine einmalige Chance.
- Aber ein Erfolg kann nur erreicht werden, wenn die schiitische Terrororganisation Hisbollah militärisch ausgeschaltet wird.
- Die libanesische Regierung weiss, dass nur die israelische Armee IDF dazu willens und imstande ist.
- Es ist deshalb in ihrem Interesse, dass Israel den Kampf gegen die Hisbollah ungeachtet der Friedensverhandlungen fortsetzt.
- Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bei diesem Krieg gegen die Terrororganisation auch die ganze eigene Bevölkerung und die politische Opposition hinter sich.
Von Sacha Wigdorovits
Ob das Mullah-Regime im Iran gestürzt werden kann, ist auch nach mehr als sechs Wochen Krieg ungewiss. Zumal die jetzige 14-tägige Waffenpause, zu der sich US-Präsident Donald Trump aus innenpolitischen Gründen und volkswirtschaftlichen Überlegungen Hand geboten hat, ein Fehler ist. Sie nützt nur der Regierung in Teheran. Für die iranische Bevölkerung, die den Krieg als Chance sieht, sich des verhassten mörderischen Regimes zu entledigen, ist der Waffenstillstand hingegen eine herbe Enttäuschung.
Auch für den Westen insgesamt, nicht bloss für Israel, bedeutet er einen Rückschritt. Im Moment verfügt der Iran immer noch über Langstreckenraketen und bleibt damit eine Gefahr für uns alle. Daran wird sich nichts ändern, solange die Mullahs an der Macht sind. Denn mit einer Regierung von religiösen Fanatikern und Kriegsverbrechern lassen sich keine Verträge vereinbaren. Sie werden immer gebrochen werden. Dies lehren die Geschichte und der gesunde Menschenverstand.
Und dies zeigt auch die derzeitige Lage: Denn trotz des angeblichen Waffenstillstands greift der Iran immer noch seine arabischen Nachbarn am Golf mit Drohnen und Raketen an. Auch die für den Erdöltransport nach Europa und Asien wichtige Strasse von Hormus ist immer noch gesperrt. Es ist deshalb zu hoffen, dass Präsident Trump doch noch einsieht, wie nutzlos Verhandlungen mit dem iranischen Regime sind, und dass er gemeinsam mit Israel erneut versucht, das Regime in Teheran mit militärischen Mitteln zu besiegen.
Im Libanon scheint ein Frieden mit Israel möglich …
Anders als im Iran schaut es im Libanon aus. Dort setzt die israelische Armee ihren Kampf gegen die Hisbollah fort. Einen Kampf, den die schiitische Terrororganisation Anfang März vom Zaun gebrochen hatte, als sie auf Geheiss der Mullahs in Teheran ihren Waffenstillstand mit Israel brach. Seither beschiesst sie erneut den nördlichen Teil des jüdischen Staates mit den Städten Haifa und Naharyia mit Raketen.
Dieser Beschuss führt dazu, dass über eine halbe Million von Israelis im Norden des Landes seit Wochen einen Grossteil ihrer Zeit in den Schutzräumen verbringen muss oder sogar gezwungen war, ihre Siedlungen zu verlassen und sich weiter südlich in Sicherheit zu bringen. Die Vorwarnzeit vor einem Raketeneinschlag, die bis zur Flucht in den Schutzraum bleibt, beträgt dabei je nach Ort zwischen 15 und 60 Sekunden. Es ist nichts Neues, dass dies in den westlichen Medien «vergessen» geht.
Der Hisbollah konnte Israel angreifen, weil die libanesische Regierung nicht imstande ist, das versprochene «Gewaltmonopol» im eigenen Land durchzusetzen. Ein solches «Gewaltmonopol» würde auf eine Entwaffnung der Terrororganisation hinauslaufen. Die Regierung in Beirut hatte dieses Versprechen im November 2024 abgegeben, als Israel sich auf amerikanischen Druck hin zu einem Waffenstillstand mit der Hisbollah bereit erklärte.
Es war allerdings auch damals schon klar, dass die libanesische Regierung der Hisbollah nicht Herr werden konnte. Die Armee des Libanon ist der Terrortruppe kräftemässig unterlegen. Zudem dienen in ihr zahlreiche Schiiten, die ihren Glaubensbrüdern in der Hisbollah näherstehen als der eigenen Regierung. Deshalb unterstützen sie die Terrororganisation teilweise auch mit Armeewaffen.
Nichts zu befürchten hat die Hisbollah auch von der im Libanon stationierten angeblichen «UNO-Friedenstruppe» UNIFIL. Diese hütet sich seit jeher davor, den Terroristen in die Quere zu kommen und lässt sie mindestens stillschweigend gewähren. Ein Augenschein an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon zeigt, wie die Hisbollah wenige Meter von UNIFIL-Stützpunkten entfernt ungehindert ihre Waffenlager anlegen durfte.
Unterstützt durch den Iran, und früher auch durch Syrien, hält die schiitische Terrororganisation somit den Libanon und die libanesische Regierung immer noch in Geiselhaft.
«Die Hisbollah arbeitet daran, den libanesischen Staat abzuschaffen», schreibt Peter Germanos, der frühere Vorsitzende des libanesischen Militärgerichts, der heute als Professor an der katholischen Saint Joseph University in Philadelphia lehrt, auf «X» (früher: «Twitter»). «Sie möchte den Libanon in eine Raketenplattform umwandeln, die von den iranischen Revolutionsgarden verwaltet wird.»
… aber zuerst muss Israel die Hisbollah unschädlich machen
Dass Israel den Kampf gegen die Hisbollah fortsetzt, bis diese militärisch ausgeschaltet ist, liegt deshalb auch im Interesse des Libanon – selbst wenn die dortige Regierung dies öffentlich nicht zugibt. Denn einzig Israel ist in der Lage, die schiitische Terrororganisation unschädlich zu machen. Deshalb ist die libanesische Regierung jetzt zu Friedensgesprächen mit Israel bereit, ohne dass Israel im Kampf gegen die Hisbollah zuerst die Waffen ruhen lässt.
Es sind die allerersten direkten Friedensverhandlungen des Libanon mit dem von ihm bis heute offiziell noch nicht anerkannten jüdischen Staat. Ein Frieden böte dem Libanon nach mehr als vier Jahrzehnten interner und externer militärischer und politischer Machtkämpfe die Chance zu Stabilität und Wiederaufbau. Israel seinerseits könnte damit seiner Bevölkerung im Norden des Landes endlich Ruhe und Schutz vor Raketenangriffen bieten.
Beim Kampf gegen die Hisbollah hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu deshalb die ganze israelische Bevölkerung und politische Opposition hinter sich. Er wird kaum den Fehler von 2024 wiederholen und den Kampf gegen die Hisbollah einstellen, bevor diese als militärischer Faktor ausgeschaltet ist. Dies ist mindestens im Interesse Israels und des Libanon zu hoffen.
Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten.
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