16. April 2026
Chaim Weizmann zu FokusIsrael.ch: «Die Zukunft kann nur auf Zusammenarbeit mit den Arabern beruhen»
Zusammenfassung:
- Chaim Weizmann, geboren 1874 im heutigen Weissrussland, damals Teil des Russischen Kaiserreichs, war der erste Staatspräsident von Israel.
- Bereits mehr als 20 Jahre zuvor hatte er als führender Zionist massgeblichen Einfluss auf die Entstehung der «Balfour-Deklaration».
- Darin sagte der damalige britische Aussenminister Arthur Balfour seine Unterstützung für die Errichtung einer «Heimstätte für das jüdische Volk» in Palästina zu.
- Unter arabischem Druck widerrief die britische Regierung später de facto diese Zusicherung und erschwerte die Staatsgründung Israels erheblich.
- Chaim Weizmann starb 1952. Er ist in Rehovot auf dem Areal des von ihm gegründeten Weizmann Institute of Science beigesetzt. Dieses ist heute ein weltweit führendes Institut für Grundlagenforschung.
- Weizmann war selbst ein anerkannter Chemiker und Biochemiker.
- Mit Hilfe künstlicher Intelligenz hat FokusIsrael.ch Chaim Weizmann zur Entstehung Israels sowie zu den Hindernissen und zu seinen Fehlern auf dem Weg dorthin befragt.
Herr Weizmann, Sie haben mitten im Ersten Weltkrieg den damaligen britischen Aussenminister Arthur Balfour überzeugen können, die sogenannte Balfour-Deklaration zu veröffentlichen. Worum geht es darin?
Chaim Weizmann: Die Erklärung war die erstmalige öffentliche Zusage einer Grossmacht, in Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu fördern. Wörtlich hiess es, die britische Regierung betrachte die «Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk» mit Wohlwollen und werde sich «bestmöglich darum bemühen», um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern. Zugleich wurde in der Deklaration auch festgehalten, dass diese Heimstätte die zivilen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina nicht beeinträchtigt dürfe.
Für mich war das ein gewaltiger politischer Durchbruch – aber noch kein fertiger Staat. Denn, wie ich später sagte: «Ein Staat kann nicht allein durch ein Dekret geschaffen werden … dies wäre nur ein Geschenk von Worten.»
Welches waren Ihre entscheidenden Argumente, die Lord Balfour veranlassten, seine Deklaration zu machen?
Weizmann: Ich habe immer versucht, zwei Ebenen zu verbinden: die moralisch-historische und die politische. Vor der UNO sagte ich später, die Gründe für die Balfour-Deklaration seien «ideell» und zugleich «nützlich» gewesen. «Ideell» bedeutete: Das jüdische Volk war historisch mit Palästina verbunden. Mit «nützlich» meinte ich: Im Ersten Weltkrieg glaubte London, mit einer pro-zionistischen Erklärung auch strategisch klug zu handeln. Mein Kernargument gegenüber Balfour war aber: Wenn das jüdische Volk überhaupt wieder ein Heim finden sollte, dann nicht irgendwo, sondern in Palästina. «Die Geschichte kann nicht ignoriert werden.»
Gab es Widerstand gegen die Deklaration?
Weizmann: Ja, erheblichen. Im britischen Kabinett opponierte Edwin Montagu, selbst ein Jude und Indienminister, dagegen. Er nannte den Zionismus ein «bösartiges politisches Glaubensbekenntnis» und warnte, eine solche Politik werde Juden in anderen Ländern zu Fremden machen.
Auch viele Araber in Palästina lehnten die Erklärung von Anfang an ab, weil sie darin eine Bedrohung für ihre eigene Stellung im Land sahen. Der Widerstand kam also sowohl von antizionistischen Juden als auch von den arabischen Bewohnern Palästinas.
Wie wichtig war die Balfour-Deklaration für die spätere Gründung des Staates Israel, insbesondere für den UN-Teilungsplan von 1947?
Weizmann: Sie war grundlegend, aber nicht allein entscheidend. Zunächst war die Deklaration nur ein britisches Regierungsversprechen. Ihr wirkliches Gewicht erhielt sie erst, als sie 1922 in das Mandat des Völkerbundes für Palästina aufgenommen wurde. Damit wurde aus einer Erklärung ein international verankerter Rahmen. Der UNO-Teilungsplan von 1947 fusste deshalb nicht direkt auf der Balfour-Deklaration. Aber ohne die Deklaration und das darauf aufbauende Mandat des Völkerbundes wäre der internationale Weg zur Teilung und zur Staatsgründung Israels kaum derselbe gewesen.
Entsprachen Ihre Vorstellungen damals, als Lord Balfour die Deklaration machte, den Ideen von Theodor Herzl über einen jüdischen Staat?
Weizmann: Von der Zielsetzung her: ja. Herzl wollte die politisch gesicherte Heimstätte des jüdischen Volkes. Aber in der Methode gab es Unterschiede. Ich war kritisch gegenüber Herzls ausschliesslichem Vertrauen auf grosse Diplomatie und habe dies auch öffentlich kritisiert. Ich glaubte an eine Verbindung von Diplomatie und Aufbauarbeit im Land. Deshalb sagte ich ja auch: «Ein Staat kann nicht allein per Dekret geschaffen werden.» In Bezug auf die Zielsetzung stand ich Herzl nahe, doch bezüglich des Wegs dorthin war ich anderer Meinung.
Wer hatte von jüdischer Seite neben Ihnen auch noch entscheidenden Einfluss auf Lord Balfour?
Weizmann: An erster Stelle würde ich Nahum Sokolow nennen: Er war mein engster Mitarbeiter und sicherte uns 1917 wichtige Unterstützung in Frankreich und Italien. Dann auch Lord Lionel Walter Rothschild: Er war in die Entwürfe eingebunden und an ihn war Balfours Brief ja direkt gerichtet. Auch britisch-jüdische Politiker wie Herbert Samuel spielten in der Vorgeschichte und späteren Auslegung der Erklärung eine wichtige Rolle. In den britischen Akten wurden Balfour, Sykes, Sokolow und ich als wichtigste Autoren und Verhandler bezeichnet – mit Lord Rothschild im Hintergrund.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als es um die Gründung von Israel ging, legten die Briten den Juden viele Steine in den Weg – zum Beispiel bei der Einwanderung nach Palästina und dem Aufbau einer eigenen Verteidigungsarmee. Stand das im Einklang mit der Balfour-Deklaration?
Weizmann: Nein, jedenfalls nicht in meinem Verständnis. Besonders der Weissbuch-Kurs von 1939, der die jüdische Einwanderung stark begrenzte, stand im scharfen Widerspruch zu dem Geist der Balfour-Deklaration. Denn das Weissbuch empfahl eine Begrenzung der jüdischen Einwanderung nach Palästina auf 75’000 und danach weitere Einwanderer nur mit arabischer Zustimmung. Für mich war das eine Abkehr von der früheren Zusage, die nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu fördern.
Weshalb verhielten sich die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg so restriktiv gegenüber jüdischer Einwanderung und Bewaffnung?
Weizmann: Die britische Politik war nicht mehr dieselbe wie 1917. Man fürchtete um die Stabilität im Nahen Osten und um die strategischen und politischen Beziehungen zur arabischen Welt.
Ich empfand das als einen Bruch mit dem Geist der Balfour-Deklaration. Denn während Europa in Flammen stand und später Millionen von Juden heimatlos waren, wurde uns gesagt: Palästina kann sie nicht aufnehmen. Das war für uns nicht hinnehmbar.
Die Briten handelten, wie sie meinten, im Interesse ihres Empires: Sie wollten die arabische Opposition beruhigen, ihre Position im Gebiet des Suezkanals sichern und einen offenen Aufstand vermeiden. Aber für uns Juden bedeutete es, dass ein uns abgegebenes Versprechen eingeschränkt wurde, gerade als wir es am dringendsten brauchten.
Wer half Ihnen dann, sich trotzdem zu bewaffnen und im Krieg von 1948/49 zu bestehen?
Weizmann: In vieler Hinsicht waren wir auf uns selbst gestellt – aber wir waren nicht völlig allein. An materieller Hilfe war vor allem die Unterstützung aus Osteuropa wichtig. Die Tschechoslowakei lieferte uns 1947/48 Waffen und Flugzeuge. Ohne diese Lieferungen hätten wir uns kaum behaupten können.
Hinzu kam die Hilfe von Freiwilligen aus dem Ausland, vor allem aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus anderen Ländern. Diese sogenannten Machal-Freiwilligen brachten Erfahrung mit, besonders in der Fliegerei.
Entscheidend war jedoch, dass wir bereits vor der Staatsgründung Strukturen aufgebaut hatten, aus denen später die israelische Armee hervorging. Dies war insbesondere die Haganah.
Ich würde sagen: Insgesamt war es eine Kombination aus Vorbereitung, Entschlossenheit und begrenzter, aber entscheidender externer Hilfe. Ich fasste dies damals im Satz zusammen «Wunder geschehen – aber man muss sehr hart für sie arbeiten.»
Sie wurden erster israelischer Präsident. Ministerpräsident war David Ben-Gurion. Wie war Ihr Verhältnis zu ihm?
Weizmann: Unser Verhältnis war eine Mischung von Nähe und Spannung. Unsere Wege waren lange miteinander verflochten: Das Präsidentenamt und das Amt des Ministerpräsidenten entstanden gewissermassen nebeneinander. Aber politisch standen wir oft für verschiedene Temperamente: Ich eher für vorsichtige Diplomatie und internationale Rücksichtnahme, Ben-Gurion eher für entschlosseneres, machtpolitisches Handeln.
Was war das grösste Problem auf dem Weg zum Staat Israel und in den ersten zehn Jahren nach der Staatsgründung?
Weizmann: Auf dem Weg zum Staat war das grösste Problem die Verbindung von internationaler Anerkennung, jüdischer Einwanderung und arabischem Widerstand. Nach der Staatsgründung war das Kernproblem die Sicherheit des Staates in einer feindlichen Umgebung. Und zugleich die Frage, wie dieser Staat sich gegenüber seiner arabischen Bevölkerung und seinen Nachbarn verhalten werde. Ich sagte damals, die Welt werde den jüdischen Staat danach beurteilen, wie er die Araber (in Palästina, Red.) behandelt.
Wie soll Israel denn die Araber behandeln?
Weizmann: Wir sind nicht nach Palästina gekommen, um ein anderes Volk zu verdrängen, sondern um unser eigenes nationales Heim aufzubauen, ohne den bestehenden Bewohnern Unrecht zu tun. Die Araber sind keine Fremden dort – sie sind Teil des Landes, wie wir es werden wollen. Die Zukunft kann deshalb nur auf Zusammenarbeit beruhen. Wir müssen ihre Rechte anerkennen, ihre Würde achten und ihnen die gleichen bürgerlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten gewähren wie uns selbst. Nur so kann unser Werk moralisch bestehen.
Wenn wir dabei versagen, wird die Welt mit Recht über uns urteilen – und unser Anspruch wird geschwächt. Wenn wir aber zeigen, dass Juden und Araber gemeinsam leben und gedeihen können, dann wird unser Unternehmen nicht nur politisch, sondern auch menschlich gerechtfertigt sein.
Was war im Rückblick Ihr grösster Fehler, wo haben Sie sich verschätzt?
Weizmann: Ich habe zu lange geglaubt, dass grosse Politik vor allem durch Überzeugung und Vernunft zu lenken sei. Ich setzte zu viel Vertrauen in England – in jenes England der «Balfour-Deklaration». Ich glaubte, England meine, was es sagt. Rückblickend war das zu optimistisch. Die Interessen von Staaten ändern sich, und damit auch ihre Politik.
Ich gehörte zu denen, die stark auf Diplomatie setzten. David Ben-Gurion sah früher, dass politische Realität oft durch Machtverhältnisse entschieden wird. Das heisst nicht, dass Diplomatie ein Fehler ist. Aber ich habe gelernt, dass Worte allein – selbst wohlwollende – nicht genügen. Ein Volk muss seine Zukunft letztlich auch selbst in die Hand nehmen.
Falsch eingeschätzt habe ich auch, wie gross der arabische Widerstand gegen unser Projekt sein würde. Ich hoffte lange, dass sich ein Ausgleich finden liesse – dass zwei Völker im selben Land einen Weg zueinander finden könnten. Diese Hoffnung war nicht unbegründet, aber ich habe verkannt, wie schwer sie zu verwirklichen sein würde.
Und worauf sind Sie am meisten stolz? Worüber sind Sie am glücklichsten?
Weizmann: Am stolzesten bin ich darauf, dass aus einer Idee politische Wirklichkeit wurde. Am glücklichsten, dass das jüdische Volk wieder ein politisches Zuhause besitzt und dass ich dazu beitragen durfte.
Hinweis: Dieses Interview ist fiktiv. Es entstand mit Hilfe von ChatGPT auf der Basis von Chaim Weizmanns seinerzeitigen Äusserungen und Schriften sowie historisch überlieferten Berichten über ihn. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur -, die für das Judentum und Israel wichtig waren, fiktive Gespräche führen, um ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Das erste Interview fand mit Theodor Herzl statt, dem Begründer des modernen Zionismus.
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