24. April 2026
David Ben-Gurion zu FokusIsrael.ch: «Wir hatten einen Vorteil: Wir kämpften um unsere Existenz!»
Zusammenfassung:
- David Ben-Gurion war zwar bloss 1,52 Meter klein, aber er gilt als einer der grössten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts.
- Am 14. Mai 1948 rief der 1886 in Polen als David Josef Grün geborene Ben-Gurion den Staat Israel aus und wurde dessen erster Ministerpräsident.
- Er tat dies trotz Warnungen, dass er damit auch gleich die Vernichtung des jüdischen Staates heraufbeschwören würde.
- Auch Ben-Gurion selbst wurde von Zweifeln geplagt. Im KI-Gespräch mit FokusIsrael.ch erklärt er, weshalb er trotzdem so handelte.
- Und er nimmt Stellung zu jenen zwei seiner Entscheiden, die den Staat Israel bis heute stark belasten: das Fehlen einer Verfassung und die Befreiung der ultraorthodoxen Juden von der Dienstpflicht.
- David Ben-Gurion starb 1973. Er ist im Kibbuz Sde Boker im Süden Israels begraben.
Herr Ben-Gurion, weshalb wurden Sie Zionist?
David Ben-Gurion: Zionismus war für mich keine romantische Idee, sondern eine historische Notwendigkeit. Das jüdische Volk konnte nicht dauerhaft vom Schutz anderer abhängig bleiben. Ein Volk muss Herr seines eigenen Schicksals sein. Der Zionismus war die politische Form dieser Einsicht.
Sie vertraten einen radikal linken Zionismus. Weshalb?
Ben-Gurion: Ich war kein Ideologe des Sozialismus, sondern ein Praktiker des Aufbaus. Ohne jüdische Arbeit, ohne eine organisierte Arbeiterschaft, hätte es keinen jüdischen Staat gegeben. Der Sozialismus war für mich ein Mittel, kein Selbstzweck – ein Instrument, um eine Nation zu schaffen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten Sie Lager für heimatlose Juden in Deutschland. Im Nachhinein kritisierten gewisse Historiker, Sie hätten dabei keinerlei Mitleid gezeigt.
Ben-Gurion: Mitleid allein hätte nichts verändert. Was ich sah, bestätigte mir: Die jüdische Frage lässt sich nicht durch Wohltätigkeit lösen. Diese Menschen brauchten nicht nur Hilfe, sondern eine Heimat und politische Selbstbestimmung. Die Lager waren für mich ein Beweis, dass der Zionismus keine Theorie war, sondern eine Notwendigkeit.
Was war Ihre Strategie im Hinblick auf die Staatsgründung?
Ben-Gurion: Meine Strategie war nicht ein einzelner Plan, sondern eine Abfolge von Notwendigkeiten. Zuerst musste das jüdische Volk wieder im Land verankert werden – durch Einwanderung und Arbeit. Ohne Menschen, ohne Landwirtschaft, ohne Städte gibt es keinen Staat.
Dann musste eine eigene Kraft entstehen – wirtschaftlich, politisch und schließlich auch militärisch. Ich habe immer gesagt: Ohne jüdische Arbeit gibt es keine jüdische Wirtschaft, und ohne Verteidigung keine Zukunft.
Ferner mussten wir internationale Legitimität gewinnen. Deshalb war die Entscheidung der UNO (die Zwei-Staaten-Lösung, Red.) wichtig, auch wenn sie nicht ausreichte.
Und dann war entscheidend, dass wir handelten, als sich die Gelegenheit dazu bot. Denn ein Staat entsteht nicht durch Beschlüsse allein, sondern durch Entschlossenheit im richtigen Moment. Wir mussten bereit sein, den Staat Israel auszurufen, auch wenn wir nicht wussten, ob wir ihn würden verteidigen können.
Dann hatten Sie also auch Zweifel?
Ben-Gurion: Ich zweifelte an den Umständen, nicht am Ziel. Ich wusste nicht, ob wir gewinnen würden, aber dass der Staat entstehen musste. Ich wusste auch, dass er sofort bedroht würde und der Krieg lang und schwer werden würde. Aber wir hatten keine Alternative. Der Staat Israel war eine Notwendigkeit. Mir war immer klar: Nicht alles, was wir wollten, war erreichbar – aber das, was erreichbar war, musste verwirklicht werden.
Wie wichtig war der Holocaust als Begründung für einen jüdischen Staat?
Ben-Gurion: Unser Recht auf einen Staat ist älter als jede Katastrophe. Aber nach der Vernichtung wurde für alle sichtbar, was wir längst wussten: Ohne Souveränität bleibt das jüdische Volk schutzlos. Der Holocaust war nicht der Ursprung unseres Anspruchs, aber sein furchtbarster Beweis.
Sie führten vor der Staatsgründung harte Konflikte mit anderen jüdischen Gruppierungen wie der militanten Irgun. Worum ging es?
Ben-Gurion: Es ging um die Grundlage von Staatlichkeit. Ein Staat kann nicht entstehen, wenn es mehrere bewaffnete Autoritäten gibt. Es durfte nicht zwei Armeen geben. Wer die Gewalt nicht zentralisiert, zerstört den Staat, bevor er existiert.
Weshalb liessen Sie im Juni 1948 das Schiff «Altalena» beschiessen, das Waffen transportierte, die dringend gebraucht wurden? Auch wenn sie teilweise für die Irgun bestimmt waren.
Ben-Gurion: Die Waffen waren wichtig – aber der Staat war wichtiger. Ich stand vor der Entscheidung: Soll es eine Armee geben oder mehrere? Soll es eine Autorität geben oder konkurrierende Befehlsgewalten? Die Waffen auf der «Altalena» waren nicht nur für die der Regierungsarmee bestimmt; ein Teil sollte an die Kämpfer der Irgun gehen. Wenn ich das zugelassen hätte, hätten wir den Staat im Augenblick seiner Geburt untergraben. Vielleicht wären mehr Waffen vorhanden gewesen – aber kein Staat, der sie kontrolliert. In einem Staat dürfen nicht zwei Armeen existieren.
Hätten Sie diese Problematik nicht anders lösen können?
Ben-Gurion: Ich habe versucht, dies anders zu lösen. Es gab Verhandlungen. Aber am Ende ging es nicht mehr um die Waffen, sondern um Autorität. Ein Staat entsteht auch durch Ordnung im Innern. Wenn verschiedene Gruppen ihre eigenen Waffen behalten, dann entsteht kein Staat, sondern Anarchie.
Wie standen Sie Menachem Begin gegenüber?
Ben-Gurion: Politisch war mein Verhältnis zu Menachem Begin geprägt von einem tiefen Misstrauen. Ich sah in ihm einen Rivalen, der andere Prinzipien vertrat. Doch ich erkenne an: Im entscheidenden Moment liess er keinen Bürgerkrieg zu und bewahrte Israel so vor einer inneren Katastrophe.
Was waren denn diese unterschiedlichen Prinzipien?
Ben-Gurion: Es ging um die Frage, was einen Staat ausmacht. Ich war überzeugt, ein Staat könne nur existieren, wenn es eine Autorität, eine Regierung, und eine Armee gibt. Die Irgun unter Begin stellte dieses Prinzip in Frage.
Die Irgun wurde berüchtigt durch ihren Anschlag 1946 auf das Hauptquartier der britischen Armee im King David Hotel in Jerusalem. Sie sollen an der Planung des Anschlags beteiligt gewesen sein, diesen dann aber abgelehnt haben.
Ben-Gurion: Ich war nicht an der Planung dieses Anschlags beteiligt. Aber ich trug damals die Verantwortung für die politische Linie des Widerstands gegen die britische Herrschaft. Nach dem Anschlag war für mich klar: So dürfen wir unseren Kampf nicht führen. Unser Kampf gegen die Briten war notwendig, aber er durfte nicht die moralische und politische Grundlage des zukünftigen Staates zerstören.
Die Sowjetunion unterstützte Israels Staatsgründung in der UNO. Hat Sie das überrascht?
Ben-Gurion: Es war überraschend, aber ich machte mir keine Illusionen, weshalb. Wir konnten diese Unterstützung annehmen, aber ohne uns abhängig zu machen. Israel musste seinen eigenen Weg gehen – und nicht den eines fremden politischen Blocks.
Warum riefen Sie am 14. Mai 1948 den Staat Israel aus, obwohl die USA davor warnten?
Ben-Gurion: Weil es Momente gibt, die man nicht vertagen darf. Das britische Mandat für Palästina endete, und die Gelegenheit war da. Hätten wir gezögert, hätten wir vielleicht alles verloren. Die Geschichte wartet nicht.
Ich wusste, wir sind zahlenmässig unterlegen und schlecht ausgerüstet. Aber wir hatten einen Vorteil: Wir kämpften um unsere Existenz.
Entgegen den ursprünglichen Zusicherungen verzichteten Sie nach der Ausrufung des Staates Israel auf die Erarbeitung einer Verfassung. Weshalb?
Ben-Gurion: Weil sie damals nicht durchsetzbar war, ohne den jungen Staat zu spalten. Der Konflikt zwischen religiösen und säkularen Kräften war zu tief. Zudem wollte ich keine starre Ordnung in einer Zeit, die Beweglichkeit verlangte. Ein funktionierender Staat war wichtiger als eine perfekte Verfassung.
War das im Rückblick ein Fehler? Mit einer Verfassung wären Israel in den vergangenen Jahrzehnten viele interne Konflikte erspart geblieben.
Ben-Gurion: Vielleicht hätten wir zu Beginn manches klarer regeln können. Aber die Alternative – das Erarbeiten einer Verfassung – hätte einen Grundsatzkonflikt zur Folge gehabt, der den Staat von Anfang an gelähmt hätte. Ich entschied mich für Handlungsfähigkeit statt Vollkommenheit.
Sie befreiten damals rund 400 ultraorthodoxe Juden vom Militärdienst. War das ein Fehler?
Ben-Gurion: Damals war es eine begrenzte, pragmatische Entscheidung. Die Welt der Tora war zerstört, und man musste sie bewahren. Dass daraus eine viel grössere und dauerhafte Ausnahme von der Dienstpflicht würde, war nicht absehbar.
Was meinen Sie mit «Die Welt der Tora war zerstört, man musste sie bewahren»?
Ben-Gurion: Vor 1939 existierte vor allem in Osteuropa eine dichte jüdische Kultur. Diese Welt wurde im Holocaust fast vollständig ausgelöscht. Diese Tradition musste neu wieder aufgebaut werden, bevor sie vollständig verloren ging. Sonst wäre auch ein zentraler Teil unserer jüdischen Identität verloren gegangen.
Würden Sie in der Frage der Dienstpflicht-Befreiung der Haredim (ultraorthodoxen Juden) heute gleich entscheiden?
Ben-Gurion: Nein, unter heutigen Umständen nicht. Wenn aus einer kleinen Ausnahme eine breite Ungleichheit wird, stellt sich die Frage der Gerechtigkeit neu. Entscheidungen müssen an die Realität angepasst werden.
Welche Bedeutung hat die jüdische Religion für Sie persönlich?
Ben-Gurion: Ich bin kein religiöser Mensch im traditionellen Sinn. Aber die Bibel ist für mich zentral – nicht nur als religiöses, sondern als nationales Dokument. Meine Bindung an das Judentum ist kulturell und historisch, nicht orthodox.
Hinweis: Dieses Interview ist fiktiv. Es entstand mit Hilfe von ChatGPT auf der Basis von David Ben-Gurions seinerzeitigen Äusserungen und Schriften sowie historisch überlieferten Berichten über ihn. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur -, die für das Judentum und Israel wichtig waren, fiktive Gespräche führen, um ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Das erste Interview fand mit Theodor Herzl statt, dem Begründer des modernen Zionismus, das zweite Interview mit Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten.
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