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Maimonides zu FokusIsrael.ch: «Viele suchen heute in der Religion Ekstase statt Erkenntnis»

Zusammenfassung:

Rabbi Mosche ben Maimon, weshalb sind Sie aus Spanien nach Jerusalem und dann nach Kairo gezogen?

Maimonides: Die fanatischen Almohaden (eine Berberdynastie aus Nordafrika, Red.) eroberten 1148 Córdoba und zwangen die Juden zu konvertieren, zum Exil oder zum Tod. Meine Familie floh, um das jüdische Leben und den Glauben zu bewahren. Wir zogen über Fez nach Akko und Jerusalem, um das Heilige Land zu sehen, doch die unsicheren Verhältnisse unter den Kreuzfahrern machten ein Bleiben unmöglich. In Kairo (Fustat) fanden wir eine stabile jüdische Gemeinde, Schutz und ich die Möglichkeit, als Arzt und Lehrer zu wirken. 

In einem Satz gesagt, wie unterscheidet sich Ihre Religionslehre von jener früherer Rabbis?

Maimonides: Ich verbinde die Halacha (die rechtliche Grundlage des Judentums, Red.) mit der Vernunft und der aristotelischen Philosophie: Die Torah ist nicht nur zu befolgen, sondern intellektuell zu verstehen. Der Mensch muss Gott durch Wissen näherkommen, um Vorurteile wie die Vermenschlichung von Gott zu überwinden.

Ihre Überzeugungen haben Ihnen im Judentum auch eine grosse Gegnerschaft eingetragen. Weshalb?

Maimonides: Viele fürchteten, die Systematisierung in meinem Gesetzeswerk «Mishneh Torah» mache das Talmud-Studium überflüssig, und die Erklärungen in meinem philosophischen Werk «Führer der Unschlüssigen» – z. B. zu Wundern, Prophetie oder Engeln – würden den einfachen Glauben untergraben. Sie sahen in der Vernunft eine Gefahr für die Tradition. Doch die Wahrheit erträgt Prüfungen. 

Worum genau geht es in «Mishneh Torah» und im «Führer der Unschlüssigen»?

Maimonides: In meiner «Mishneh Torah» habe ich die gesamte Halacha, also die rechtlichen Aspekte des Judentums, klar, logisch und vollständig geordnet. Wer die schriftliche Torah kennt und dieses Werk studiert, braucht keine weiteren Bücher mehr, um alle Gebote richtig zu verstehen und zu leben. Sie bilden das praktische Fundament eines ganzen jüdischen Lebens.

In meinem «Führer der Unschlüssigen» zeige ich, dass wahre Philosophie und Torah sich nicht widersprechen. Gott ist absolut unkörperlich und einzig. Die Gebote haben tiefe rationale Gründe. Durch Vernunft und allegorische Auslegung führt die Torah den Suchenden zur höchsten Erkenntnis Gottes.

Sie haben die «Mishneh Torah» vor beinahe 1000 Jahren geschrieben. Würden Sie sie heute gleich oder anders verfassen?

Maimonides: Ich würde sie an die neuen Erkenntnisse in Wissenschaft und Gesellschaft anpassen, doch die Grundprinzipien der Halacha blieben die gleichen. Ich würde noch stärker die rationale Begründung der Gebote betonen, damit die Torah für alle Zeiten als lebendig erscheint.

Religion ist für Sie etwas sehr Rationales, Intellektuelles. Doch heute wird Religion oft sehr emotional gelebt. Ist das ein Problem?

Maimonides: Ja, leider. Viele suchen in der Religion Ekstase statt Erkenntnis. Die wahre Gottesliebe entsteht jedoch durch intellektuelles Verstehen der Schöpfung und der Gebote. Emotion ohne Verstand führt zu Aberglauben; Verstand ohne Herz bleibt kalt. Beides muss sich verbinden.

Wir begegnen heute in allen Religionen, auch im Judentum, vielen Fanatikern. Was können wir dagegen tun?

Maimonides: Fanatismus in jeder Religion, auch im Judentum, ist eine schwere Verirrung. Er entspringt aus Unwissenheit, blinder Buchstabenfrömmigkeit und dem Fehlen wahrer Erkenntnis Gottes. Dagegen hilft nur eines: gründliches Studium – sowohl der Torah als auch der Philosophie. Bildung, die Herz und Verstand erleuchtet, vertreibt den Fanatismus. Wer Gott durch Vernunft sucht, wird weder Extremist noch gleichgültig. Wahre Frömmigkeit ist massvoll, vernünftig und dient der moralischen Vervollkommnung.

Darf oder muss man als Religionsgelehrter dem Glauben und Gott gegenüber kritisch sein?

Maimonides: Man muss kritisch gegenüber falschen Vorstellungen von Gott sein – gegenüber der Vermenschlichung Gottes, gegenüber Aberglauben und naiver Wundergläubigkeit. Kritik dient der Reinigung des Glaubens durch Vernunft, nicht dem Zweifel an Gottes Existenz. 

Analytisches Denken ist für Sie zentral. Wie sehen Sie dessen ultimatives Ergebnis: die Künstliche Intelligenz?

Maimonides: Künstliche Intelligenz ist ein potenzielles Werkzeug und eine Erweiterung der Vernunft, wenn sie dem Wissen und dem Guten dient. Doch Künstliche Intelligenz ist und bleibt ein menschliches Werk: Sie hat keine Seele! Gefahr von ihr droht, wenn sie den Menschen von moralischer Verantwortung entfremdet. Der Verstand muss die Künstliche Intelligenz beherrschen, nicht umgekehrt.

Ist die Menschheit in den letzten Jahrhunderten weiser geworden? Oder weiss sie nur mehr?“

Maimonides: Sie weiss dank der Wissenschaft unendlich viel mehr als früher. Doch die wahre Weisheit – die Verbindung von Wissen mit moralischem Handeln und Gottesfurcht – hat nicht zugenommen. Oft dient das Mehr an Wissen sogar der Zerstörung.

Sie als Arzt gefragt: Was ist heute die grösste geistige Krankheit?

Maimonides: Die grösste geistige Krankheit heute ist die Ignoranz gegenüber der Vernunft. Fanatismus, Materialismus und die Unfähigkeit, über die Schöpfung Staunen zu können – das das führt zu seelischer Leere. Die Heilung liegt in Bildung und Ethik.

Sprechen wir über Politik: Verstehen Sie den Staat Israel als Beginn der Erlösung?

Maimonides: Der Staat Irael ist ein bedeutendes politisches Phänomen und wichtig, weil Juden, die von anderen Orten wegwollen, in Israel eine neue Heimat finden. Doch die volle Erlösung im religiösen Sinne hängt von moralischem Handeln ab, nicht allein von Politik. Ein jüdischer Staat kann den Weg dazu bereiten, er ist aber kein Garant dafür. 

Das muslimische Umfeld von Israel ist sehr judenfeindlich. Sie waren Arzt von Sultan Saladin. Wie wurden Sie bei Hof behandelt? 

Maimonides: Saladin und seine Umgebung behandelten mich trotz meines Judentums mit Respekt und Vertrauen. Ich durfte meinen Glauben offen praktizieren und als «Nagid», als Leiter, der jüdischen Gemeinde wirken. 

Was ist für Sie wichtiger: Arzt oder Rabbiner zu sein?

Maimonides: Beides ist für mich untrennbar miteinander verbunden. Der Körper ist das Gefäss der Seele. Wer den Leib heilt, dient der Torah. Die Medizin ist in gewissem Sinne auch Gottesdienst, denn sie schafft eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Menschen, Gott durch einen gesunden Verstand zu erkennen vermag. 

Sie arbeiten als Arzt. Die strenggläubigen Juden in Israel sagen aber, sie könnten nicht arbeiten, weil sonst ihr Torah-Studium darunter leide.

Maimonides: Das widerspricht der Tradition! Es heisst: «Schön ist Torah-Studium mit weltlicher Beschäftigung.» Wer sich allein von Almosen ernährt und nicht arbeitet, entweiht den Namen Gottes. Auch grosse Weisen arbeiteten als Holzfäller oder Wasserträger. Teile deine Zeit ein: Arbeite für den Lebensunterhalt, studiere für die Seele. 

Anmerkung: Dieses Interview wurde mit Hilfe des KI-Assistenten Grok geführt. Es basiert auf Maimonides’ historischen Schriften, Biografie und Philosophie, sinngemäss in modernem Deutsch wiedergegeben. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur –, die für das Judentum und Israel bedeutsam waren, KI-gestützte Gespräche führen, um sie und ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Das erste solche Interview fand mit Theodor Herzl statt, dem Begründer des modernen Zionismus, das zweite mit Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten, das dritte mit David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels, das vierte mit Israels bisher einziger Ministerpräsidentin, Golda Meir, das fünfte mit Anwar Sadat, dem ägyptischen Präsidenten, der 1977 nach Jerusalem reiste, um mit Israel Frieden zu schliessen, und das sechste mit Moses, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit führte.

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