29. April 2026
Golda Meir zu FokusIsrael.ch: «Die Regierung müsste den 7. Oktober unabhängig untersuchen lassen»
Zusammenfassung
- Am 17. März 1969 wählte das israelische Parlament die damals 71-jährige Vorsitzende der Arbeiterpartei, Golda Meir, zur ersten Ministerpräsidentin des Landes. Sie war weltweit die erst dritte Frau an der Spitze einer Regierung.
- Die in Kiew geborene charismatische «Eiserne Lady» war eine überzeugte Zionistin und wurde zu einer Ikone des jüdischen Volkes. Sie führte das Amt als Premierministerin fünf Jahre lang. Zuvor war sie Aussenministerin gewesen.
- In die Amtszeit Meirs fallen der Terroranschlag auf den Swissair-Flug SR 330 und das Münchner Olympia-Attentat vom 5. September 1972, bei dem palästinensische Terroristen 11 israelische Olympiateilnehmer ermordeten.
- Vor allem aber war die Amtszeit von Golda Meir geprägt durch den Jom-Kippur-Krieg von 1973, bei dem Israel von Ägypten überrascht wurde und an den Rand einer Niederlage kam.
- Nach einer unabhängigen Untersuchung über den Krieg trat Golda Meir 1974 aufgrund massiven öffentlichen Drucks zurück.
- Am 8. Dezember 1978 starb die Kettenraucherin im Alter von 80 Jahren in Jerusalem an den Folgen von Lymphdrüsenkrebs.
- FokusIsrael.ch hat sich mit Golda Meir mit Hilfe von KI über ihr Leben, ihre Zeit als Regierungschefin und ihre politischen Überzeugungen unterhalten.
Golda Meir, wie beurteilen Sie die heutige Situation im Nahen Osten?
Golda Meir: Die Grundprobleme haben sich nicht verändert: Sicherheit, Anerkennung und Misstrauen. Frieden entsteht nicht durch Wunschdenken, sondern durch harte Entscheidungen und verlässliche Partner. Solange Israels Existenz infrage gestellt wird, bleibt Sicherheit unsere erste Pflicht.
Sie vertreten die These, dass es beim Konflikt nicht um Grenzen geht, sondern um die Existenz Israels.
Golda Meir: Selbstverständlich. Wenn die Araber unsere Existenz hier in Israel akzeptiert hätten, wäre das Thema Grenze gar nicht mehr so wichtig. Das Problem ist, dass sie uns nicht akzeptieren. Die Araber wollen uns tot sehen. Wir wollen leben. Da gibt es keinen Kompromiss.
Sie sprechen beharrlich von den Arabern und nicht von Palästinensern.
Golda Meir: Ich hinterfrage den Begriff. Schauen Sie: Jeder, der vor 1948 in Israel gelebt hat, war Palästinenser. Das ist ein Fakt. Ich selbst habe noch immer einen britischen-palästinensischen Pass. Ich war also von 1921 bis 1948 eine Palästinenserin (lächelt). Wir alle waren Palästinenser. Wir waren damals nicht Juden oder Araber.
Was wollen Sie damit sagen?
Golda Meir: Der Begriff Palästinenser war kein Ausdruck einer eigenständigen nationalen Identität, wie er heute verwendet wird. Er war eine geographische Bezeichnung unter dem britischen Mandat. Juden wie Araber wurden so genannt. Wenn ich von Arabern spreche, dann meine ich die arabische Bevölkerung dieser Region, die kulturell, sprachlich und historisch Teil der grösseren arabischen Welt ist. Das ist keine Geringschätzung, sondern eine Beschreibung der Realität.
Und heute?
Golda Meir: Das Problem entsteht, wenn man rückblickend Begriffe mit einer Bedeutung versieht, die sie zu jener Zeit nicht hatten. Für uns ging es nicht um Terminologie, sondern um die praktische Frage: Wie können zwei Bevölkerungsgruppen im gleichen Land leben – und warum wurde jeder Versuch einer Teilung oder Koexistenz von arabischer Seite abgelehnt?
Haben Sie, als Sie 1921 ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina immigrierten, damit gerechnet, dass das Umsetzen Ihres zionistischen Traums bei der arabischen Seite auf so viel Widerstand treffen würde?
Golda Meir: Nein, wenn ich ehrlich bin, nicht. Ich wusste damals nur sehr wenig über die Region.
Und wenn Sie es gewusst hätten, dass es für den Judenstaat so schwierig werden würde?
Golda Meir: Das hätte an meiner Entscheidung, von den USA nach Israel zu übersiedeln, nichts geändert. Gleichzeitig tut es mir leid, dass so viel Unglück über uns und die Araber gekommen ist. Aber mein Gewissen ist rein. Wissen Sie weshalb?
Sagen Sie es uns!
Golda Meir: Die Araber in dieser Welt haben eine Wahl, wo sie leben möchten. Wir Juden haben diese Wahl nicht. Schauen Sie sich Europa an! Es verändert sich wirtschaftlich, politisch und moralisch. Was mich oft erstaunt, ist die europäische Neigung, Konflikte von aussen moralisch zu beurteilen, ohne die Realität vor Ort wirklich zu verstehen. Israel wurde aus einer Notwendigkeit gegründet. Wer uns kritisiert, sollte sich fragen, welche Entscheidungen er selbst unter denselben Umständen treffen würde.
Wie beurteilen Sie die weltweite Kritik an Israel?
Golda Meir: Kritik ist legitim. Aber sie wird bedeutungslos, wenn sie die Realität ignoriert, in der wir leben. Kein Staat würde anders handeln, wenn seine Existenz täglich bedroht wäre.
Wie wichtig ist Ihnen die Religion?
Golda Meir: Ich bin keine besonders religiöse Frau im traditionellen Sinn. Ich habe nie so getan, als würde ich jeden religiösen Brauch strikt befolgen. Aber ich bin Jüdin – nicht nur im Glauben, sondern im Schicksal, in der Geschichte und in der Verantwortung. Der Staat Israel ist vor allem ein Zuhause für ein Volk, das zu oft keines hatte. Religion spielt darin eine Rolle. Aber wichtiger ist für mich, dass Juden überall auf der Welt wissen, dass sie in Israel nicht mehr schutzlos sind.
Glauben Sie noch an eine Zwei-Staaten-Lösung?
Golda Meir: Ich habe immer an pragmatische Lösungen geglaubt. Aber eine Lösung funktioniert nur, wenn beide Seiten sie wirklich wollen. Frieden kann man nicht einseitig schaffen. Ich mache mir Hoffnungen. Wir haben keine einzige Möglichkeit ausgelassen, den Arabern zu sagen, dass wir wirklich Frieden wollen.
Wäre es für Sie schmerzlich, Judäa und Samaria (das Westjordanland, Anmerkung der Redaktion) für den Frieden zu opfern?
Golda Meir: Ja, natürlich ist es schmerzlich, über Land zu sprechen, das für unser Volk eine historische Bedeutung hat. Aber noch schmerzlicher wäre es, wenn wir Entscheidungen treffen, die das Leben unserer Bürger gefährden. Geben Sie mir eine Zigarette, bitte! (zündet sich während des Interviews eine Zigarette an) Für mich stand nie die Frage im Raum, was wir emotional aufgeben, sondern was wir verantworten können. Ich glaube nicht so recht daran, dass man durch Zugeständnisse allein Frieden erkaufen kann, denn du kannst nicht mit jemandem über Frieden verhandeln, der gekommen ist, um dich zu töten.
Was wollen Sie damit sagen?
Golda Meir: Ich bin nicht gegen Kompromisse. Jeder Frieden erfordert sie. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Kompromiss und einer Selbstaufgabe. Wenn dein Gegenüber dein Existenzrecht nicht anerkennt, dann verhandelst du nicht über Grenzen oder Politik – dann verhandelst du über dein Überleben. Und als Regierungschefin war es meine Pflicht, genau das zu verhindern.
Drehen wir das Rad der Zeit zurück: Sie sind in Kiew, der Hauptstadt der heutigen Ukraine, geboren und in den USA aufgewachsen. Was ist Ihre Erinnerung an Ihre Kindheit?
Golda Meir: Ich kann mich an kein einziges schönes Erlebnis erinnern. Ich erinnere mich viel mehr an eine schwierige Familiensituation. Wir hatten zu wenig zu essen und die ständige Furcht vor Pogromen. Mein Vater, ein jüdischer Tischler, vernagelte die Türen, weil er sich davor fürchtete. Dann entschied er sich 1906 für eine Einreise nach Milwaukee in den USA, um unsere zehnköpfige Familie ernähren zu können.
Haben die Ereignisse im damaligen russischen Kaiserreich Sie zur überzeugten Zionistin gemacht?
Golda Meir: Die Geschichten über Gewalt, die Angst in den Gesichtern der Erwachsenen – das alles gehörte zu meiner frühen Kindheit in Kiew. Der Zionismus war für mich deshalb keine abstrakte Idee, sondern eine Notwendigkeit. Ich habe früh verstanden, dass wir Juden einen Ort brauchen, an dem wir unser Schicksal selbst bestimmen können. 1921 überredete ich meinen Mann Morris Myerson nach Palästina auszuwandern. Die ersten drei Jahre im Kibbuz Merchawia gehörten zu meiner schönsten Zeit. Danach zogen wir mit unseren beiden Kindern nach Tel Aviv.
Was würden Sie jungen politischen Führungskräften heute raten?
Golda Meir: Hören Sie weniger auf Schlagzeilen und mehr auf Verantwortung! Führung bedeutet, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn sie notwendig sind. Beliebt zu sein, ist kein politisches Ziel.
Sie traten im März 1969 als erste Premierministerin Israels Ihr Amt an und zählten weltweit zu den ersten Frauen an der Spitze einer Regierung. Wie sehen Sie heute die Rolle von Frauen in der Politik?
Golda Meir: Ich habe nie Politik als Frau gemacht, sondern als Politikerin. Aber ich sehe, dass Frauen heute mehr Möglichkeiten haben. Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern ob man bereit ist, die Last der Entscheidungen zu tragen.
Was war Ihre grösste politische Lektion?
Golda Meir: Dass Entscheidungen Konsequenzen haben, die man selbst tragen muss. Und dass Zögern manchmal gefährlicher ist als ein Fehler. In meinen fünf Jahren als Regierungschefin konnte ich keinen einzigen Traum zu Ende träumen, denn an meinem Bett hatte ich einen Direktanschluss zum Hauptquartier der Armee. Wir befanden uns in einem Abnützungskrieg. Begann ich zu träumen, erhielt ich einen Anruf…
Golda Meirs berühmtestes Zitat – das keines war
Die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir hat während ihrer langen politischen Karriere viele druckreife und prägnante Aussagen gemacht. Die berühmteste war: «Frieden wird dann kommen, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.»
Dieser Satz wurde während Jahrzehnten immer wieder zitiert. Doch 2015 ergaben aufwändige Recherchen des bekannten amerikanischen Autors Harvey Rachlin, dass es keinen Beweis gibt, wonach Golda Meir den Satz tatsächlich gesagt hat. Dennoch ist er auch heute noch berühmt und wird weiterhin oft wiederholt. Dies hat wohl damit zu tun, dass er – wie zahlreiche echte Aussagen Golda Meirs belegen – zu ihren Überzeugungen passte. Die Italiener sagen in solchen Fällen: «Si non è vero, è ben trovato – Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.»
Sie sprechen vom Jom-Kippur-Krieg 1973, den Israel fast verloren hat. Rund 2600 israelische Soldaten sind gefallen. Sie stimmten der Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission zu. Weshalb?
Golda Meir: 1973 haben wir die Agranat-Kommission eingesetzt, weil das Volk, die Reservisten, die Familien der Gefallenen und die schiere Notwendigkeit es verlangten. Die «Konzeptzia» – unsere Überzeugung, dass der Feind genau das tun würde, was wir erwarteten – hatte uns fast das Genick gebrochen. Tausende unserer Söhne waren tot. Das Land war im Schockzustand. Als Premierministerin wusste ich: Wenn Israel überleben will, muss es sich selbst in die Augen schauen.
Die Untersuchungsresultate lösten eine öffentliche Kritik aus. Sie mussten zurücktreten.
Golda Meir: Die Kommission hat vor allem die militärische und nachrichtendienstliche Ebene kritisiert – und das war auch richtig so. Dennoch habe ich die politische Verantwortung übernommen und bin zurückgetreten. Nicht weil die Kommission mich persönlich verurteilt hat, sondern weil eine Leaderfigur, die ihr Land in den Krieg schickt und dann vor der Wahrheit davonläuft, kein Leader ist.
Müsste die heutige israelische Regierung den Massenmord vom 7. Oktober 2023 ebenfalls durch eine solche «State Commission» untersuchen lassen?
Golda Meir: Ja, die israelische Regierung müsste eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission einsetzen – genau wie wir es nach dem Jom-Kippur-Krieg getan haben. Das Massaker vom 7. Oktober war ein noch schlimmeres und in mancher Hinsicht sogar erschreckenderes Versagen als 1973. Wieder gab es Warnsignale, die ignoriert wurden. Wieder eine fatale Fehleinschätzung des Feindes. Wieder Tote, Entführte, zerstörte Gemeinden. Das israelische Volk hat das Recht – und die Pflicht –, die volle Wahrheit zu erfahren.
Welche Fragen stehen für Sie im Vordergrund?
Golda Meir: Wer hat was wann gewusst? Warum wurde nicht mobilisiert? Warum wurden die Grenzgemeinden so schlecht geschützt? Welche politischen und militärischen Entscheidungen haben dazu geführt? Das sind keine Frage von links oder rechts. Das sind Fragen von Verantwortung gegenüber den Toten, den Überlebenden und den kommenden Generationen. Ich habe Israel nie mit Samthandschuhen regiert. Ich habe mein Land mit der harten Wahrheit geführt. Und genau das erwarte ich auch von denen, die heute die Verantwortung tragen.
Hinweis: Dieses Interview ist fiktiv. Es entstand mit Hilfe von ChatGPT und beruht auf Golda Meirs eigenen Äusserungen und Schriften sowie Berichten über sie und historischen Filmaufnahmen. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur -, die für das Judentum und Israel wichtig waren, fiktive Gespräche führen, um ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Das erste Interview fand mit Theodor Herzl statt, dem Begründer des modernen Zionismus, das zweite Interview mit Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten und das dritte mit David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels.
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