26. Juni 2026
Gespräche mit LegendenHedy Lamarr: «Am meisten schmerzt mich, meinen Kindern nicht die Wahrheit über ihre Herkunft gesagt zu haben»
Zur Person
Hedy Lamarr gilt als einer der grossen Hollywoodstars – und als eine der wichtigen Erfinderinnen des 20. Jahrhunderts. 1914 wurde sie in Wien als Hedwig Kiesler in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Schon als Teenagerin sorgte sie in österreichischen und tschechischen Filmen für Schlagzeilen, vor allem durch ihren Nacktauftritt und vorgetäuschten Orgasmus in Ekstase (1933). Um den reichen, eng mit den Nazis verbundenen Waffenfabrikanten Fritz Mandl zu heiraten, konvertierte sie zum Katholizismus, floh aber 1937 vor ihrem Ehemann nach Hollywood. Dort wurde sie zum Glamour-Star in Filmen wie Algiers (1938), Boom Town (1940), White Cargo (1942) und Samson und Delilah (1949). Neben der Schauspielerei war die hochintelligente Hedy Lamarr auch als Erfinderin tätig: Zusammen mit dem Komponisten George Antheil entwickelte sie 1942 ein Frequenzsprungverfahren, das Funksignale für Torpedos vor Störungen schützen sollte – die Basis für heutiges WiFi, Bluetooth und GPS. Mit Hilfe des KI-Assistenten Grok unterhielt sich FokusIsrael.ch mit der im Jahr 2000 verstorbenen Hedy Lamarr über ihr turbulentes Leben, ihre zwei Karrieren und ihre lange geheim gehaltene jüdische Herkunft.
Von Sacha Wigdorovits
Frau Lamarr, was war das wichtigste Erlebnis in Ihrem Leben?
Hedy Lamarr: Das wichtigste Erlebnis? Die Flucht aus meiner Ehe mit Fritz Mandl. Ich war wie eine Puppe für ihn — eine schöne Sache, die er einsperren und vorzeigen konnte. Ich hatte keinen eigenen Verstand, kein eigenes Leben. Als ich das begriff, wusste ich, dass ich entweder dort sterben oder gehen musste. Also bin ich gegangen. Das war der Moment, in dem ich endlich angefangen habe, mein eigenes Leben zu leben. Alles andere — Hollywood, die Filme, sogar die Erfindung — kam danach. Aber dieser erste Schritt in die Freiheit… der hat alles verändert.
Fritz Mandl stand den Nazis nahe und machte mit ihnen grosse Waffengeschäfte. Sie haben eine jüdische Herkunft. Wie war das für Sie?
Hedy Lamarr: Das war eine sehr schwierige Zeit. Fritz hat diese Männer eingeladen — sogar Mussolini war einmal bei uns zu Gast. Sie haben über Waffen gesprochen, über Politik, über Dinge, die ich eigentlich gar nicht hören sollte. Ich sass da, habe gelächelt und geschwiegen, wie es von mir erwartet wurde. Es war erniedrigend. Ich war jung, ich war Jüdin, und ich musste mit Leuten am Tisch sitzen, die uns verfolgten. Aber ich habe gelernt. Ich habe zugehört. Und ich habe verstanden, dass ich da raus musste.
War auch Adolf Hitler bei Ihnen zu Besuch?
Hedy Lamarr: Nein, ich habe Hitler nicht persönlich getroffen. Fritz hat zwar viele hochrangige Nazis empfangen, aber Hitler selbst war nie bei uns zu Gast. Aber ich habe die Männer gesehen, die ihm nahestanden. Das hat mir vollkommen gereicht.
Nach Ihrer Flucht nach Hollywood hat Ihnen Louis B. Mayer, der grosse Studioboss von MGM, empfohlen, Ihr Judentum zu verleugnen. Weshalb haben Sie das getan?
Hedy Lamarr: Weil ich keine andere Wahl hatte. Louis B. Mayer hat mir ganz offen gesagt: „Das amerikanische Publikum will keine jüdische Sexbombe. Du bist jetzt Hedy Lamarr, die schöne Wienerin. Und du bist katholisch.“ Er hat das nicht als Vorschlag formuliert. Es war eine Bedingung. Entweder ich spiele mit — oder ich nehme das nächste Schiff zurück nach Europa. Ich war gerade erst aus einer gefährlichen Ehe geflohen, hatte kein Geld, kein Netzwerk, nichts. Ich war 22 Jahre alt. Was hätte ich denn tun sollen? Ich habe getan, was ich tun musste, um zu überleben und Karriere zu machen.
Viel später wurden Sie durch Hollywood nochmals mit Ihrem Judentum und dem Holocaust konfrontiert. Als Sie den Film «The Pawnbroker» mit Rod Steiger geschaut haben. Man sagt, dies habe Sie sehr berührt. Weshalb?
Hedy Lamarr (schweigt lange): Das war sehr schwer für mich. Ich habe diesen Film gesehen und plötzlich war alles wieder da. Die Bilder aus Wien, die Angst, die Menschen, die ich kannte, die verschwunden sind… alles ist auf einmal zurückgekommen. Ich bin mitten im Film aufgestanden und gegangen. Danach konnte ich nicht nach Hause. Ich bin stundenlang durch die Stadt gelaufen, einfach nur gelaufen. Ich wusste nicht mehr, wer ich war. Alles, was ich so lange weggesperrt hatte, war plötzlich da. Es war, als ob jemand eine Tür aufgerissen hat, die ich jahrzehntelang zugemauert hatte.
Haben Sie darüber mit Ihren Kindern gesprochen?
Hedy Lamarr: Nein. Ich habe nie wieder darüber gesprochen. Weder mit meinen Kindern noch mit irgendwem sonst. Man kann nicht vierzig Jahre lang etwas so tief in sich vergraben und dann plötzlich damit anfangen, darüber zu reden. Das geht nicht. Manche Türen, wenn man sie einmal zugemacht hat, bleiben zu.
Hatte dieses Erlebnis bezüglich Ihres Verhältnisses zum Judentum etwas bewirkt?
Hedy Lamarr: (neuerliche längere Pause) Nein. Ich habe danach nicht plötzlich angefangen, jüdische Traditionen zu leben oder meinen Kindern die Wahrheit zu erzählen. Ich habe es weiter für mich behalten. Manche Dinge, die trägt man allein.
Sie sind in zweierlei Hinsicht berühmt: als Filmstar und als Erfinderin. Wie kam das?
Hedy Lamarr: Das ist wirklich eine seltsame Geschichte, nicht wahr? Das war um 1940, mitten im Krieg. Ich habe in Hollywood in den Filmen die glamouröse Frau gespielt, aber in Wirklichkeit hatte ich schreckliche Angst, dass die Nazis Europa und vielleicht sogar Amerika überrollen. Mein erster Mann, Fritz Mandl, hatte mich jahrelang gezwungen, bei seinen Waffen-Gesprächen mit den Nazis dabei zu sitzen. Ich habe also viel mehr über Torpedos und Funktechnik verstanden, als die Leute dachten. Ich habe mir gedacht: Wenn die Nazis unsere Schiffe versenken, muss man die Torpedos irgendwie steuern können, ohne dass der Feind das Signal stört. Zusammen mit meinem Freund George Antheil habe ich dann diese Idee mit dem Frequenzsprungverfahren entwickelt — das Signal wechselt ständig die Frequenz, damit es nicht gestört werden kann.
Die amerikanische Marine hat diese Idee des Frequenzsprungverfahrens bei der Signalübermittlung nicht ernst genommen. Weshalb?
Hedy Lamarr: (lacht etwas bitter) Die Navy hat mein Patent damals in die Schublade gesteckt und gesagt, eine Schauspielerin solle sich lieber um ihre Schönheit kümmern und nicht um Torpedos. Erst Jahrzehnte später hat man verstanden, wie wertvoll diese Idee war.
Inwiefern?
Hedy Lamarr: Das Prinzip, das ich mit George Antheil entwickelt habe — das Frequenzsprungverfahren — ist heute die technische Grundlage für WiFi, mit dem Sie gerade vielleicht hören, Bluetooth in Ihren Kopfhörern, GPS in Ihrem Handy und vielen anderen modernen Funktechnologien. Das Signal springt extrem schnell und unvorhersehbar zwischen verschiedenen Frequenzen hin und her. Dadurch kann es nicht so leicht gestört oder abgehört werden. Ironischerweise wurde also ausgerechnet meine Idee, die die amerikanische Navy damals nicht wollte, zu einer der wichtigsten Grundlagen der gesamten modernen drahtlosen Kommunikation.
Wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken: Was macht Sie heute noch besonders glücklich?
Hedy Lamarr: (schweigt lange) Das Schönste, das war der Moment, als ich mit meinem kleinen Sohn Peter zum ersten Mal allein in einem Haus in Beverly Hills sass. Kein Ehemann, kein Studio, keine Presse. Nur wir zwei. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, wirklich frei zu sein. Das war ein sehr stilles, sehr tiefes Glück.
Und was schmerzt Sie am meisten?
Hedy Lamarr: Was mich heute noch schmerzt? Dass ich meinen Kindern nie die Wahrheit über ihre Herkunft gesagt habe. Dass ich ihnen ihren Grossvater, ihre Wurzeln und einen Teil von mir vorenthalten habe. Das war feige. Und das tut mir bis heute weh. Ich habe so viel versteckt, nur um nicht verletzlich zu sein. Aber am Ende habe ich vor allem mich selbst versteckt. Das bereue ich am meisten.
Anmerkung: Dieses Interview wurde mit Hilfe des KI-Assistenten Grok geführt. Es basiert auf den Schriften und weiteren Aussagen von Hedy Lamarr. In den kommenden Wochen werden wir mit weiteren Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Lebensbereichen – Politik, Religion, Wissenschaft, Kultur –, die für das Judentum und Israel bedeutsam waren, KI-gestützte Gespräche führen, um sie und ihre Ideen dem heutigen Publikum näher zu bringen. Die bisherigen solchen Interviews führten wir mit dem Begründer des modernen Zionismus, Chaim Weizmann, Israels erstem Staatspräsidenten, David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten Israels, Israels bisher einziger Ministerpräsidentin, Golda Meir, Anwar Sadat, dem ägyptischen Präsidenten, der 1977 nach Jerusalem reiste, um mit Israel Frieden zu schliessen, Moses, der das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit führte, mit dem im 12. und 13. Jahrhundert lebenden grossen jüdischen Gelehrten Maimonides, mit dem früheren britischen Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks, Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse, Albert Einstein, dem Begründer der Relativitätstheorie undRobert Oppenheimer, dem «Vater der Atombombe».
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