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«Wir brauchen Waffen»: Eine Exil-Iranerin in der Schweiz äussert sich zum Krieg

Von Sacha Wigdorovits i

Auf Ersuchen der Regierung in Teheran warte er mit der Zerstörung der iranischen Energieerzeugungsanlagen noch zu, längstens zehn Tage, bis am 6. April, liess US-Präsident Donald Trump auf seiner Social-Media-Plattform «Truth Social» verlauten. Worauf das «Wall Street Journal» unter Berufung auf nicht namentlich genannte Vermittler schrieb, ein solches Ersuchen des Mullah-Regimes habe es nicht gegeben. Zudem fordere Teheran, die USA sollten von ihren Maximalforderungen Abstand nehmen, sonst sei ein Waffenstillstand unmöglich.

Seine Forderungen an den Iran hatte Präsident Trump zu Beginn dieser Woche im Rahmen eines 15-Punkte-Plans dargelegt. Kernpunkte sind der völlige Verzicht des Irans auf sein Atomwaffenprogramm, inklusive der Urananreicherung und der Schliessung verschiedener Atomanlagen. Ausserdem dürfte der Iran inskünftig auch keine Langstreckenraketen mehr herstellen oder besitzen, und er dürfte die von ihm aufgebauten, bewaffneten und finanzierten Terrororganisationen Hisbollah (Libanon), Hamas (Gaza) und Huthi (Jemen) nicht mehr unterstützen. Des Weiteren müsste der für die Erdölversorgung des Westens wichtige Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus sichergestellt sein. Im Gegenzug würde der Iran von der Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen profitieren, und die USA würden ihn beim Aufbau eines Atomprogramms für zivile Zwecke unterstützen. 

Für Israel wäre eine derartige Vereinbarung grundsätzlich akzeptabel. Aber im jüdischen Staat ist man skeptisch, wie der US-Präsident sie erreichen will. Der aus israelischer Sicht ungünstigste Fall wäre ein Vorgehen wie in Gaza oder im Libanon: Zunächst wird ein Waffenstillstand beschlossen und erst dann ein konkreter Vertrag ausgehandelt. Denn die Israelis trauen dem Regime in Teheran nicht über den Weg und befürchten, dass dieses in einem solchen Fall nur auf Zeit spielen würde, um seine politische und militärische Position wieder zu festigen. 

Die israelische Armee IDF führt ihren Luftkrieg gegen die iranischen Militäranlagen wie die Stützpunkte für Langstreckenraketen deshalb mit unverminderter Intensität weiter. Auch Trump macht – wie schon während des letzten Irankriegs im Juni 2025 – trotz der Verhandlungen keine Anstalten, die Kampfhandlungen einzustellen. Er hat im Gegenteil 5’000 zusätzliche Marines in den Mittleren Osten beordert. Diese würden zum Einsatz kommen, um die Insel Kharg einzunehmen. Von dort aus exportiert der Iran den grössten Teil seines Erdöls und bedroht die Schiffe, die den Westen mit Erdöl versorgen. 

Unterstützung im Krieg gegen den Iran erhalten die USA und Israel jetzt aus Saudi-Arabien. Gemäss der New York Times hat der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den amerikanischen Präsidenten dazu aufgefordert, den Krieg bis zum Sturz des Regimes in Teheran weiterzuführen. 

«90 Prozent der Bevölkerung stehen hinter den USA und Israel»

Diese Hoffnung teilen auch «90 Prozent der Bevölkerung im Iran», sagt Nasrin Rahimi (Name aus Sicherheitsgründen geändert). Sie musste wenige Jahre nach der islamischen Revolution von 1979 als Kind mit ihren Eltern den Iran verlassen und lebt in der Schweiz. Von hier aus steht sie täglich in Kontakt mit ihren Verwandten und Freunden im Iran. «Ich bin froh, dass es zu diesem Krieg gekommen ist», sagt Rahimi, «denn es geht dabei um die Freiheit unseres Landes.» Auch die grosse Mehrheit der Bevölkerung wünsche sich eine Befreiung vom derzeitigen Regime, denn es gehe ihr miserabel. 

«Wir Perser stehen nicht hinter der Regierung, wir stehen hinter den USA und Israel», stellt Rahimi klar. Ähnlich wie in Israel, verfügt die Bevölkerung im Iran über eine App, die sie vor bevorstehenden Luftangriffen warnt. Würden Stützpunkte des Regimes oder der Revolutionsgarden angegriffen, dann freue man sich in der Bevölkerung darüber, sagt Nasrin Rahimi. In privaten Chats würde das dann als «Koteletten-Party» bezeichnet. 

Rahimi ist sich «zu 100 Prozent sicher, dass es zu einem Regimewechsel kommen wird». Aber zuvor müssten die iranischen Revolutionsgarden weiter geschwächt werden. «Und das Volk muss bewaffnet werden. Jeder, der eine Waffe erhält, wird kämpfen.» Auch diesbezüglich hofft sie auf die USA und Israel.

Auf die Frage, wer nach einem Sturz des Mullah-Regimes die Macht im Iran übernehmen soll, antwortet Nasrin Rahimi: «Der Sohn des Schahs.» Damit meint sie den in den USA lebenden 65-jährigen Reza Pahlavi. Dessen Unterstützung in seiner früheren Heimat werde hier im Westen unterschätzt. «Wenn er dem iranischen Volk sagt ‘Steht auf!’, dann wird es aufstehen.» 

Die in der Schweiz lebende Exil-Iranerin sieht Reza Pahlavi allerdings nur als eine Übergangslösung, bis der Iran über demokratische Strukturen verfüge. «Das wird Zeit brauchen», macht sich Nasrin Rahimi keine Illusionen. In einem Land mit einer über 3’000-jährigen Geschichte ist man sich dies gewohnt.  


Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten. 

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