24. September 2026
Wegen Auftritt von juden- und israelfeindlichem Hassredner: Zürcher Regierungsrat rüffelt Uni-Leitung
Dass der Regierungsrat des Kantons Zürich öffentlich eine ihm unterstellte Institution massregelt, ist eine Seltenheit. Doch jetzt hat er dies getan und die Leitung der Universität Zürich unter Rektor Michael Schaepman in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage zu mehr Sorgfalt aufgerufen. Grund dafür war die Bewilligung Schaepmans für den Auftritt eines als antisemitisch und antiisraelisch bekannten palästinensischen Hassredners in der Uni Zürich. Dieser nützte sein Gastreferat wie erwartet für haltlose Attacken auf den jüdischen Staat.
Von Sacha Wigdorovits
Mazin Qumsyieh ist Biologie-Professor im Westjordanland. Seine dortige Lehrtätigkeit missbraucht er, um unter dem Deckmantel angeblich wissenschaftlicher Themen palästinensische Hass-Propaganda gegen Israel zu betreiben.
Uni-Rektor Schaepman schlug Warnungen in den Wind
Genau dies tat er auch Anfang Mai 2026, als er von der Palestine Student Association zu einem Gastreferat mit dem pseudoakademischen Titel «Ecology under Occupation – Ökologie unter der Besetzung» eingeladen wurde. Die Uni-Leitung hatte die «Gastvorlesung» trotz mehrerer vorheriger Warnungen bewilligt. Man habe, so erklärte sie, die Veranstalter aufgefordert, sich an den «Code of Conduct» der Universität Zürich zu halten. «Diskriminierung jeglicher Art, Hassreden, Mobbing, sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch, Manipulation, Gewalt und Bedrohung haben an der UZH keinen Platz.»
16 Fälle von Dämonisierung Israels, 10 erwiesene Unwahrheiten
Doch genau dies war dann erwartungsgemäss der Fall. Basierend auf dem wörtlichen Transkript der «Vorlesung» zählte FokusIsrael.ch 16 Fälle von Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israel durch Mazin Qumsyieh und 10 Fälle von klar erwiesenen Unwahrheiten. Damit konfrontiert, erklärte Strafrechtsprofessor Marcel Niggli von der Universität Fribourg, «dass das wahrscheinlich Artikel 261bisdes Strafgesetzbuches erfüllt», die sogenannte Antirassismus-Strafnorm, die öffentliche Hassreden und Aufrufe zur Diskriminierung unter Strafe stellt.
Schriftliche Anfrage aus dem Kantonsrat
Auf den entsprechenden Beitrag von FokusIsrael.ch hin reichte FDP-Kantonsrätin Linda Camenisch zusammen mit den zwei Mitunterzeichnern Tobias Infortuna (SVP) und Markus Schaaf (EVP) im Kantonsparlament eine schriftliche Anfrage an den Regierungsrat ein. Gemeinsam mit weiteren 18 Ratsmitgliedern hatte Camenisch bereits im Vorfeld der Veranstaltung die Universitätsleitung gewarnt und dazu aufgerufen, den Auftritt des palästinensischen Aktivisten abzusagen, weil dieser mit den Werten der Universität Zürich nicht vereinbar sei.
In ihrer schriftlichen Anfrage an die Kantonsregierung forderten die drei Parlamentarier Auskunft über das Verhalten von Uni-Rektor Michael Schaepman im Zusammenhang mit dessen Bewilligung von Qumsyiehs Auftritt. In ihrer jetzt veröffentlichten Antwort weist die Zürcher Kantonsregierung ausdrücklich darauf hin, dass die ersten fünf Antworten «gemäss den Angaben der Universität Zürich (UZH) erfolgen».
Uni-Leitung schiebt Verantwortung auf Studierenden-Verband ab
Dies erklärt, weshalb die Fragen der drei Kantonsräte nur ausweichend mit Hinweisen auf das universitätsinterne Organisationsreglement und die für den Anlass mit Qumsyieh vereinbarten Rahmenbedingungen beantwortet wurden. Die Verantwortung dafür, dass diese Rahmenbedingungen schliesslich nicht eingehalten wurden, schiebt die Universitätsleitung auf den Verband der Studierenden der Universität Zürich ab. Denn dieser habe das Patronat über den Auftritt Qumsyiehs übernommen und somit auch die inhaltliche Verantwortung.
Regierungsrat wirft Universitätsleitung ungenügende Prüfung vor
Diese Erklärung befriedigte den Regierungsrat offensichtlich nicht. Denn am Schluss seiner vierseitigen Antwort rüffelt er Rektor Michael Schaepman und die Leitung der Universität Zürich mit den Worten: «Der Regierungsrat verurteilt jede Form von Antisemitismus. Es ist ihm ein zentrales Anliegen, dass alles unternommen wird, um die Sicherheit religiöser und anderer Minderheiten zu gewährleisten. Dementsprechend ist der Prüfung Referierender im Vorfeld von Veranstaltungen ein grösseres Augenmerk zu schenken.»
Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten.
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