15. Mai 2026
Antisemitismus: Rektor der Uni Zürich unter Strafrecht-Verdacht
Zusammenfassung
- Auf Einladung der Palestine Student Association konnte der palästinensische Aktivist Mazin Qumsyieh an der Universität Zürich einen Vortrag halten.
- Das Patronat über die Veranstaltung hatte der Verband der Studierenden der Universität Zürich, Uni-Rektor Michael Schaepman hatte sein Einverständnis für die Vorlesung gegeben.
- Qumsyieh ist bekannt für seine israelfeindlichen und antisemitischen Aussagen und Fehlinformationen.
- Auch sein Auftritt an der Uni Zürich war durchsetzt davon.
- FokusIsrael.ch und 19 Mitglieder des Zürcher Kantonsrates hatten Uni-Rektor Michael Schaepman davor gewarnt, Qumsyieh Raum für seine diffamierende Hass-Propaganda zur Verfügung zu stellen.
- Schaepman verweigerte sowohl vor als auch nach dem Auftritt eine persönliche Stellungnahme.
- Jetzt steht Schaepman unter Verdacht, sich durch sein Verhalten eines Verstosses gegen Artikel 261bis des Strafgesetzbuches (Antirassismus-Strafnorm) schuldig gemacht zu haben.
- Dies sagt Marcel Niggli, Professor für Strafrecht an der Universität Fribourg und Fachmann für Fragen rund um Diskriminierung und Antisemitismus.
- Auch politisch wird das Ganze für Uni-Rektor Schaepman ein Nachspiel haben.
Von Sacha Wigdorovits[i]
Mazin Qumsyieh ist Biologie-Professor an zwei Universitäten im von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwalteten Westjordanland. Seinen Titel nutzt er aus, um unter dem Deckmantel angeblich wissenschaftlicher Themen palästinensische Hass-Propaganda gegen den jüdischen Staat Israel zu betreiben.
Genau dies war am Montag, 4. Mai auch an der Universität Zürich der Fall. Dort durfte Qumsyieh auf Einladung der Palestine Student Association mit dem Segen von Uni-Rektor Michael Schaepman einen Vortrag mit dem bezeichnenden Titel «Ecology under Occupation – Ökologie unter der Besetzung» halten.
Das Thema Ökologie spielte bei dem Vortrag Qumsyiehs und der anschliessenden Diskussionsrunde allerdings bloss eine untergeordnete Rolle. Stattdessen nutzte der palästinensische Aktivist, der per Videolink zugeschaltet war, die ihm an der Uni Zürich gebotene Plattform für seine gegen Israel gerichteten Hass-Botschaften.
Dabei nahm es Qumsyieh mit der Wahrheit nicht zu genau.
- So bezichtigte er Israel der «ethnischen Säuberungen» im Unabhängigkeitskrieg von 1948. Dieser war von den arabischen Staaten entfacht worden, und Mohammed Amin al-Husseini, der Grossmufti von Jerusalem, hatte zu Beginn des Krieges die arabische Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen.
- Dann bezichtigte er Israel des Genozids im von der Hamas verschuldeten Krieg in Gaza. Auch dieser Vorwurf ist rein politisch-propagandistischer Natur, namhafte Militär- und Völkerrechtsexperten haben ihn als ungerechtfertigt zurückgewiesen.
- Um den Anspruch auf das Gebiet von Israel, das Westjordanland und Gaza zu rechtfertigen, behauptete Qumsyieh, diese Gegend sei schon vor «Tausenden von Jahren» von Palästinensern bevölkert gewesen. Das stimmt geschichtlich erwiesenermassen nicht.
- Er bezichtigte Israel im Gaza-Krieg Bombenteppiche («carpet bombing») gelegt zu haben. Und er sagte, Israels Luftwaffe habe in dem zweijährigen Krieg über 1,5 Millionen Einsätze geflogen. Beides ist ebenfalls beweisbar gelogen: Es gab kein «carpet bombing» gegen die Zivilbevölkerung in Gaza, und die israelische Luftwaffe flog nicht einmal ein Zehntel der von Qumsyieh behaupteten Einsätze.
- Den Krieg im Libanon, der auf die ständigen Raketenangriffe der dortigen Terrororganisation Hisbollah auf Israel zurückzuführen ist, verglich der palästinensische Biologieprofessor mit dem Vietnamkrieg. Er behauptete, der – völkerrechtlich erlaubte – Einsatz Israels von Weissem Phospor zur Markierung militärischer Ziele sei das Gleiche wie die Entlaubung des vietnamesischen Urwalds durch das von den Amerikanern eingesetzte Agent Orange. Ein völlig deplatzierter Vergleich.
- Weiter sagte Qumsyieh, Israel habe 50 Prozent des Libanon besetzt. Fakt ist: Die von der israelischen Armee zum Schutz vor Raketenangriffen der Hisbollah errichtete Schutzzone im Süden des Landes umfasst lediglich 10% des libanesischen Staatsgebiets.
- Ausserdem fälschte der palästinensische Professor die von der Weltgesundheitsorganisation WHO verwendeten Zahlen für den täglichen Mindestkonsum an Wasser, um Israel vorwerfen zu können, es lasse der Bevölkerung im Westjordanland nicht genügend Wasser zukommen. Eine Behauptung, die aufgrund der korrekten WHO-Zahlen ebenfalls nicht zutrifft.
- Und zu guter Letzt warf er Israel vor, die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland einem Apartheidregime zu unterwerfen und in Ghettos und Konzentrationslagern zu halten.
Insgesamt mindestens 16 unwahre und irreführende Behauptungen von Qumsyieh hatten ein einziges Ziel: den jüdischen Staat Israel zu diffamieren und zu dämonisieren. Mit einem Biologie-Vortrag hatte dies nichts zu tun.
Uni-Rektor Michael Schaepman schweigt
Darauf angesprochen verweigert Uni-Rektor Michael Schaepman, der die Einwilligung zu der «Vorlesung» mit Mazin Qumsyieh erteilt hatte, eine Antwort. Stattdessen meldet sich eine Dienststelle mit dem Namen «CampusKultur» in einem anonymen Antwortmail in fehlerhaftem Deutsch zu Wort. Darin heisst es: «Wir bitten um Verständnis, dass die UZH im Nachgang nicht auf einzelne via Transkript überlieferten Aussagen im Detail eingehen kann. Ihre Hinweise fliessen jedoch in unsere interne Reflexion darüber ein, wie kontroverse Veranstaltungen an der UZH noch besser vorbereitet, begleitet und gerahmt werden können.»
Ähnlich nichtssagend und ebenfalls anonym hatte «Campuskultur» schon vor der Veranstaltung in zwei Mails an FokusIsrael.ch und 19 Mitglieder des Zürcher Kantonsparlaments geantwortet. FokusIsrael.ch hatte Rektor Schaepman in einem Email einen detaillierten Einblick in den aktivistischen Hintergrund und die israelfeindlichen und antisemitischen Äusserungen von Qumsyieh gegeben. Die 19 Kantonsräte aus den verschiedensten politischen Parteien hatten den Rektor in einem Mail ebenfalls gebeten, die Veranstaltung der Palestine Student Association abzusagen.
«Wie kann es sein, dass Sie bzw. die UZH vor diesem Hintergrund den Auftritt von Mazin Qumsiyeh in ihrem Hörsaal zulässt? Aus unserer Sicht ist das mit den Werten der UZH nicht vereinbar», schrieben die Parlamentarier in ihrem Mail. «Gerade in Zeiten, da antijüdische Übergriffe mutmasslich zugenommen haben und sich Jüdinnen und Juden nicht mehr sicher fühlen, erwarten wir von Ihnen bzw. der UZH eine grössere Sensibilität. Wir ersuchen Sie höflich, auf Ihren Entscheid zurückzukommen. Das sind wir unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern schuldig.»
In beiden Fällen hüllte sich der Rektor in Schweigen und liess an seiner Stelle «CampusKultur» antworten. Im betreffenden anonymen Email hiess es, man habe die Veranstalter aufgefordert, sich an den «Code of Conduct» der Universität Zürich zu halten. «Diskriminierung jeglicher Art, Hassreden, Mobbing, sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch, Manipulation, Gewalt und Bedrohung haben an der UZH keinen Platz.»
«Artikel 261bis Strafgesetzbuch wahrscheinlich erfüllt»
Fraglich ist, ob sich Uni-Rektor Schaepman, der intern wegen seiner gegenüber Mitarbeitenden oft aufbrausenden und unflätigen Art unbeliebt ist, auch in Zukunft um Antworten herumdrücken kann. Marcel Niggli, Professor für Strafrecht an der Uni Fribourg und Spezialist für Diskriminierungs- und Antisemitismusfragen, urteilt nämlich nach Durchsicht des wörtlichen Transkripts der Veranstaltung mit Mazin Qumsyieh: «Ich bin der Meinung, dass das wahrscheinlich Art. 261bis StGB erfüllt.». Damit ist die sogenannte «Antirassismus-Strafnorm» gemeint, die Diskriminierung und Aufruf zu Hass unter Strafe stellt.
Genau dies ist gemäss Professor Niggli bei der Veranstaltung an der Uni Zürich geschehen. «Der ganze Tenor des Vortrags ist gegen Juden und Israel gerichtet, was übrigens bereits im Titel sichtbar wird: Ecology under occupation.» Israel werde – wie dies im aktuellen Antisemitismus häufig vorkomme – fälschlicherweise als Kolonialisator bezeichnet, kritisiert Niggli.
Hinzu komme, so der Fribourger Strafrechtsprofessor, die Verwendung von reisserischen Begriffen wie «Ecocide» (Ökozid in Analogie zu Genozid). Auch dies sei reine Hetze. Ebenso wie es reine Hetze sei, das israelische Militär als grössten Produzenten von Treibhausgasen zu bezeichnen. «Kurz: Der Vortrag erscheint mir nicht als wissenschaftlich, sondern als politische Propaganda. Strafrechtlich ist diese Propaganda wohl als Aufruf zu Hass (Art. 261bis, Abs. 1 StGB) zu qualifizieren.»
Diese Beurteilung betrifft nicht nur Mazin Qumsyieh, der die entsprechenden Aussagen gemacht hat. Sie ist auch relevant für die Palestine Student Association und den Verband Studierender an der Universität Zürich, welche die Veranstaltung organisiert haben, sowie für Uni-Rektor Michael Schaepman, der sie bewilligt hat.
«Wenn ich anschaue, was der Referent schon vorher geäussert hatte, und bedenke, dass das Rektorat informiert war, hätte es wohl jedenfalls präsent sein müssen an der Veranstaltung und diese gegebenenfalls für Richtigstellungen unterbrechen oder dann abbrechen müssen», schreibt Strafrechtsprofessor Niggli in seiner Beurteilung.
Abschliessend hält Niggli fest: «Das Wissen um den Inhalt des Vortrages – ein Titel wie “Ecology Under Occupation” zeigt jedem Denkenden an, was passieren wird – lässt eine Qualifikation als Propagandaaktion im Sinne von Art. 261bis Abs. 3 StGB als zumindest möglich, wenn nicht naheliegend erscheinen. Danach ist nicht nur die Organisation, sondern sind auch Förderung und Teilnahme an solchen Aktionen strafbar.» Also auch Rektor Michael Schaepman.
Auch politisches Nachspiel
Das Verhalten des Uni-Rektors wird für diesen auch auf politischer Ebene ein Nachspiel haben. Die Art und Weise, wie er sich im Zusammenhang mit dem Vortrag von Mazin Qumsyieh verhalten hat, will FDP-Kantonsrätin Linda Camenisch nicht durchgehen lassen. Sie wird deshalb im Kantonsparlament eine Anfrage zu dem Thema einreichen.
Camenisch ist bekannt dafür, dass sie nicht lockerlässt, sondern den Sachen auf den Grund geht. Ihr ist es zum grossen Teil zu verdanken, dass der Skandal an der Herzklinik am Zürcher Unispital nicht unter den Tisch gekehrt, sondern politisch aufgearbeitet wurde.
[i] [i]Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite www.fokusisrael.chbetreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten.
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