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Israel-Berichterstattung bei SRF: Einseitigkeit ist Programm

«Einzig auf Gewalt gesetzt!» – so fasst SRF-Radioredaktorin Anna Trechsel Israels Strategie seit 2023 in einem neuen Beitrag des öffentlich-rechtlichen Senders zusammen. Eine Analyse der Vorgänge im Nahen Osten in den letzten zweieinhalb Jahren zeigt: Diese Behauptung ist falsch. BEL

Die Berichterstattung von SRF zu Israel ist umstritten und auf FokusIsrael.ch ebenfalls ein Dauerthema. Aus gutem Grund: Sie bewegt sich konstant zwischen lückenhafter Darstellung, Ungenauigkeiten und Fake News. Das kommt nicht von ungefähr: In mehreren Beiträgen der vergangenen Monate stützt sich SRF auf Angaben der Hamas-Behörden in Gaza, ohne deren propagandistischen Charakter transparent zu machen. Eine systematische Gegenprüfung mit unabhängigen Quellen bleibt aus. Dafür gibt es bloss zwei Erklärungen: Entweder die SRF-Korrespondenten machen dies absichtlich, um Israel in ein schlechtes Licht zu stellen. Oder es fehlt ihnen an fundierter Kenntnis der Vorgänge im Nahen Osten. Tertium non datur.

Trotz wiederholter Beanstandungen und fundierter Kritik hat SRF die Qualität seiner Nahost-Berichterstattung bislang nicht substanziell verbessert.

Ein aktuelles Beispiel in der langen Liste problematischer Beiträge: Am 1. März 2026, einen Tag nach den US-israelischen Militärschlägen gegen den Iran, die Teile der iranischen Führung einschliesslich Chamenei eliminierten, publiziert SRF-Auslandredaktorin Anna Trechsel eine so genannte «Analyse». Allein schon diese Bezeichnung ist irreführend, denn eine seriöse Analyse beleuchtet Hintergründe, erklärt Ursachen, stellt Zusammenhänge her und ordnet Entwicklungen faktenbasiert ein. Genau das fehlt hier weitgehend.

Besonders auffällig ist die Behauptung: «Israel hat in den letzten zweieinhalb Jahren einzig auf Gewalt gesetzt. Die Regierung Netanjahu hat keinerlei Versuche unternommen, die militärischen Erfolge in politische umzumünzen.»

Die Formulierung ‹einzig auf Gewalt› ist eine Totalbehauptung. Sie impliziert das vollständige Fehlen diplomatischer oder politischer Aktivitäten Israels. Diese Behauptung hält einer Überprüfung nicht stand.

Trechsel unterschlägt eine ganze Reihe dokumentierter diplomatischer Initiativen und Verhandlungen des jüdischen Staates, die parallel zu den militärischen Operationen liefen. Ob diese Initiativen strategisch kohärent oder politisch erfolgreich waren, ist umstritten. Ihr blosser Umstand widerlegt jedoch Trechsels Behauptung eines ausschliesslich militärischen Ansatzes. Im Übrigen kann die Auslandredaktorin gar nicht wissen, was hinter den Kulissen verhandelt wird.

Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hat Israel in den darauffolgenden Kriegen in Gaza gegen die Hamas und im Libanon gegen die Terrororganisation Hisbollah zwar erhebliche militärische Erfolge erzielt und sämtliche Führer dieser beiden gefährlichsten Terrororganisationen ausgeschaltet. Aber es gab in dieser Zeit auch auf dem diplomatischen Parkett zahlreiche Aktivitäten.

1. Geiselverhandlungen und Waffenruhen

Israel war an mehreren Verhandlungsrunden über Geiseln und Waffenruhen beteiligt, vermittelt durch Katar, Ägypten und die USA. Bis Oktober 2025 wurden von den 251 israelischen Geiseln 168 lebend freigelassen sowie die Leichname der getöteten Geiseln repatriiert – oft im Austausch gegen palästinensische Gefangene. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte wiederholt, dass nur militärischer Druck diese Fortschritte ermöglichte. Dennoch verhandelte die Regierung aktiv – z. B. über einen US-unterstützten Plan im Februar 2024.

2. Trump-Friedensplan für Gaza (20-Punkte-Plan, 2025)

Im Herbst 2025 präsentierte US-Präsident Trump einen umfassenden 20-Punkte-Friedensplan für Gaza, der Geiselfreilassungen, Entwaffnung der Hamas, Amnestie für kooperierende Kämpfer und eine politische Neustrukturierung Gazas umfasste. Netanjahu traf sich mehrfach mit US-Gesandten wie Steve Witkoff, um den Plan zu besprechen. Israel akzeptierte schliesslich den Plan. Seine erste Phase wurde bereits umgesetzt. Die zweite Phase ist inzwischen angelaufen und stockt wegen der Weigerung der Hamas, ihre Waffen abzugeben. Israel ist seinen im Plan festgeschriebenen Verpflichtungen bisher vollumfänglich nachgekommen.

3. Regionale Normalisierung und Abraham Accords

a. Trotz des Konflikts versuchte Netanjahu, militärische Erfolge in breitere diplomatische Gewinne umzuwandeln, z. B. durch die Erweiterung der Abraham Accords. Verhandlungen mit Saudi-Arabien wurden fortgesetzt, auch wenn der Gaza-Krieg sie behinderte (Saudi-Arabien pausierte Talks im Oktober 2023, nahm sie aber später wieder auf). Netanjahu argumentierte, dass Normalisierung mit arabischen Staaten den palästinensischen Anliegen schaden und Israel stärken würde.


b. Treffen mit US-Offiziellen, darunter Präsident Trump und Senatoren, zielten auf eine «neue Sicherheitsarchitektur» ab, die israelische und golfarabische Ressourcen kombiniert, um Extremismus zu bekämpfen und den Iran einzudämmen.

4. Pläne für den «Day After» in Gaza

a. Ministerpräsident Netanjahu veröffentlichte bereits vor zwei Jahren, im Februar 2024, ein Dokument «The Day After Hamas». Es sah eine Demilitarisierung Gazas, Entnazifizierung und eine zivile Verwaltung durch lokale Clans vor und war also ein Versuch, militärische Kontrolle in eine politische Struktur umzuwandeln. Später akzeptierte Netanjahu Präsident Donald Trumps 20-Punkte-Friedensplan und die UN-Resolution (2803), die diesen legitimierte.


b. In der israelischen Regierung wurde über Alternativen für Gaza wie eine IDF-Verwaltung oder Kooperation mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) diskutiert. Netanjahu lehnte letztere ab, um seine Koalition zu erhalten

5. Internationale und regionale Mediation

a. Israel war in Vermittlungsversuchen gegen die Hisbollah involviert, z. B. durch US- und französische Initiativen, um einen umfassenden Krieg im Libanon zu vermeiden. Netanjahu bevorzugte diplomatische Lösungen für den Nordgrenze-Konflikt, während er militärisch Druck ausübte.


b. Der Gaza-Krieg führte zu diplomatischen Krisen (z. B. mit Brasilien, der EU und der UN), aber Israel engagierte sich in UN-Debatten und bilateralen Talks, um seine Position zu verteidigen.

Die «Analyse» von SRF-Auslandredaktorin Anna Trechsel ignoriert alle diese dokumentierten diplomatischen Prozesse komplett und zeichnet ein verzerrtes Bild der israelischen Politik. Dies widerspricht grundlegenden journalistischen Standards: Vollständigkeit, Ausgewogenheit, Faktentreue.
Das Kernproblem von SRF liegt jedoch tiefer: bei der SRF-Führung. Diese verfügt offensichtlich nicht über wirksame Check-and-Balance-Mechanismen und eine richtige Qualitätskontrolle. Lückenhafte und fehlerhafte sowie nachweislich einseitige Berichterstattung haben für die Verantwortlichen keine spürbaren Konsequenzen.

Oder aber beim schweizerischen öffentlich-rechtlichen Sender SRF ist alles erlaubt, solange es gegen Israel geht. Dies ist der wahrscheinlichere Grund für die gegen Israel gerichtete Einseitigkeit der Berichterstattung. Denn die Leiterin der Auslandredaktion von Radio SRF – und damit Chefin von Anna Trechsel – ist Susanne Brunner. Diese wurde wegen ihrer einseitig anti-israelischen Radiobeiträge auch schon von der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz kritisiert.

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