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Ein unvermeidbarer und notwendiger Krieg und seine Chancen

Auf Apple TV läuft derzeit die dritte Staffel von «Tehran», einer Spionageserie, in deren Mittelpunkt eine Mossad-Agentin in Teheran steht. Vor Beginn jeder neuen Folge wird jeweils darauf hingewiesen, dass sämtliche Charaktere fiktiv sind. 

Das mag stimmen. Sicher ist aber, dass einiges, was in der Serie zu sehen ist, genau mit dem übereinstimmt, was im jetzigen Krieg Israels und der USA gegen das islamofaschistische Mullah-Regime in Teheran und seine Schergen geschieht. Dazu gehört, dass der Mossad das System zur Verkehrsüberwachung und das Mobilfunknetz in Teheran gehackt hat, um sich ein genaues und jederzeit aktuelles Bild über die Aufenthaltsorte der wichtigen gegnerischen Akteure zu verschaffen. 

Dies berichtete die britische «Financial Times» unter Berufung auf einen israelischen Geheimdienstmitarbeiter. Dieser sagte: «Wir kennen Teheran, wie wir Jerusalem kennen.» Dank dem Zugriff auf die überall in Teheran stationierten Verkehrskameras konnte der Mossad während Jahren die Bewegungen der Leibwächter und Vertrauten von Ayatollah Ali Khamenei sowie von hochrangigen Vertreter des Mullah-Regimes beobachten und wusste genau, wann diese wo zu sein pflegten. 

Auch am letzten Samstagmorgen war dies der Fall, als sie sich mit Ayatollah Khamenei in dessen Palast – und nicht in einem seiner Bunker – zum Frühstück trafen. Diese Informationen ermöglichten es der israelischen Luftwaffe im richtigen Moment anzugreifen und dabei nicht bloss den Palast dem Boden gleichzumachen, sondern gleichzeitig auch den obersten Führer des Iran und verschiedene wichtige Personen aus dessen engstem Umfeld zu eliminieren. Damit sie nicht gewarnt werden konnten, störte der Mossad gleichzeitig das Mobilfunknetz rund um Khameneis Residenz.

Zusammen mit anderen Luftschlägen gelang es Israel und den USA so, in den ersten Stunden des jetzigen Krieges gegen 40 führende Köpfe und hochrangige Vertreter von Regierung, Revolutionsgarden und iranischer Armee auszuschalten. 

Erstaunlich ist, dass dies schon wieder gelungen ist. Denn bereits zu Beginn des 12-Tage-Kriegs im Juni letzten Jahres hatte Israel dank einer Überwachung des iranischen Mobilfunkverkehrs gleich zu Beginn eine ganze Reihe wichtiger Führungspersonen des Irans bei einer gemeinsamen Besprechung ausschalten können. Offenbar hatten die Mullahs und ihr militärisches Personal daraus nichts gelernt.

Ebenfalls wie damals fand der Angriff auf die iranische Führungsspitze zu einem Zeitpunkt statt, als diplomatische Gespräche zwischen Vertretern der USA und des Irans noch zu verhandeln schienen. Dass diese Verhandlungen eine Farce und zum Scheitern verurteilt waren, war von Beginn weg klargewesen. Denn die Positionen der beiden Seiten lagen diametral auseinander. 

«Das Regime wusste, dass es zum Krieg kommt und es diesen verliert»

Die Forderung der USA nach Einstellung des iranischen Atomprogramms, das auf die Herstellung einer Atombombe ausgerichtet ist, war für das islamofaschistische Regime in Teheran unannehmbar. Ebenso die Forderung, es solle auf seine ballistischen Raketen verzichten. Denn beides ist für die Mullahs notwendig, um ihre zwei zentralen politischen Ziele zu erreichen: die Vernichtung des jüdischen Staates Israel und die islamistisch motivierte Dominanz über die arabischen Staaten und den Westen.

«Den amerikanischen Forderungen nachzukommen, wäre für das Regime in Teheran die totale Kapitulation gewesen», sagt Professor Meir Litvak, Direktor des Alliance Center for Iranian Studies der Tel Aviv University TAU. Angesichts der weitverbreiteten Unzufriedenheit im iranischen Volk, habe man dieses Risiko grösser eingeschätzt als einen Krieg. «Dem Regime war klar, dass eine Ablehnung der Forderungen von Präsident Trump Krieg bedeutet, und dass der Iran diesen Krieg verlieren wird», meint Litvak. «Aber es glaubt, dass es diesen Krieg überleben kann und deshalb auf lange Sicht sein Ziel trotzdem erreichen wird: der unbestrittene Führer der islamischen Welt zu sein.»

Ob diese Rechnung der Mullahs aufgeht, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Die massiven Proteste der letzten Monate der unter Unterdrückung und einer schlechten Wirtschaft leidenden Bevölkerung konnte das Regime zwar blutig niederschlagen. Aber ob dies ein zweites Mal gelingen wird, ist unsicher. In den ersten Kriegstagen waren neben der Führungsspitze vor allem die Raketenabschussanlagen und -produktionsstätten sowie Atomanlagen das Ziel der israelischen und amerikanischen Luftangriffe. Doch jetzt gelten die Angriffe in immer grösserem Rahmen den Zentren der Revolutionsgarden und der regulären Armee. Damit sollen diese im Hinblick auf einen möglichen, allenfalls mit Hilfe der USA oder Israels bewaffneten Aufstand geschwächt werden. 

Hinzu kommt, dass die im irakisch-iranischen Grenzgebiet stationierten bewaffneten kurdischen Gruppierungen ein Eingreifen in den Krieg in Erwägung ziehen. Die israelische Luftwaffe hat deshalb begonnen, dort gelegene iranische Stellungen zu bombardieren, um den Kurden bessere Voraussetzungen für ein solches Eingreifen zu verschaffen. 

Auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass es mit Fortdauer des Krieges innerhalb des iranischen Machtapparats zu Meinungsverschiedenheiten und internen Kämpfen kommt. Dies würde wiederum einen Volksaufstand gegen die derzeitige Regierung begünstigen.

USA und Israel: Partner mit teils unterschiedlichen Zielen

Dass alles versucht werden muss, um einen Sturz der Mullahs und die Vernichtung des iranischen Atomprogramms herbeizuführen, darin sind sich die USA und Israel einig. Wenngleich aus teilweise unterschiedlichen Motiven. «Für Israel ist das iranische Atomprogramm eine existenzielle Bedrohung», sagt Chelsie Mueller vom Moshe Dayan Center for Middle Eastern and African Studies. Das sehe zwar auch die amerikanische Regierung so, erklärt Mueller. Aber für die USA stehe im Vordergrund, dass der Iran wegen seiner heutigen engen Beziehungen zu China, das einen Grossteil seines Erdöls von den Mullahs bezieht, «ein Hindernis für die amerikanische Vormachtstellung in der Welt bedeutet.» 

Die jetzige kriegerische Aktion der USA im Iran sei deshalb in einer Linie zu sehen mit dem Anspruch der USA auf Grönland und dem Vorgehen in Venezuela, argumentiert Mueller. In allen drei Fällen gehe es darum, die Dominanz der USA gegenüber China und Russland zu sichern. «Deshalb ist der Krieg, den US-Präsident Trump jetzt gegen den Iran führt, durchaus auch im Sinne seiner America-First-Strategie.» 

Da Trump ohnehin nicht für eine weitere Amtsperiode kandidieren könne, werde es ihm auch ziemlich egal sein, wenn Meinungsumfragen zeigen sollten, dass ein Grossteil der der amerikanischen Bevölkerung dies anders sehe, ist Mueller überzeugt. Derzeit zeigen die Umfragen, dass der Grossteil der demokratischen Wähler in den USA gegen den Krieg mit Iran ist, während die überwiegende Mehrheit von Trumps republikanischer Wählerbasis ihn gutheisst.

In Israel existiert eine solche Spaltung nicht. Gemäss Umfragen heissen nahezu 90% der israelischen Bevölkerung der Krieg gegen den Iran gut. Und auch im israelischen Parlament, der Knesset, herrscht diesbezüglich parteiübergreifend Einigkeit. Ob es gelingen wird, damit das Mullah-Regime zu stürzen, das ist indessen auch in Israel eine offene Frage.

Einmalige Chance, Hisbollah endgültig zu entwaffnen

Bei einem anderen Gefahrenherd, der im jetzigen Konflikt eher ein «Nebenkriegsschauplatz» ist, sehen die Experten in Israel aber gute Chancen auf eine definitive Beseitigung: der Hisbollah im Libanon. Die vom Iran finanzierte und bewaffnete schiitische Terrororganisation hatte bereits kurz nach Beginn des jetzigen Krieges gegen den Iran damit begonnen, den Norden Israels mit Raketen zu beschiessen.

«Der Angriff der USA und Israels auf den Iran, der ihr Hauptsponsor ist, bedeutete für die Hisbollah eine Stunde der Wahrheit», sagt Professor Eyal Zisser von der Tel Aviv University, «sie musste sich an diesem Krieg beteiligen, auch wenn sie wusste, dass dies eine Selbstmordmission ist.» Selbstmordmission deshalb, weil Israel damit die neuerliche Gelegenheit erhalten hat, die Hisbollah als militärische Macht endgültig auszuschalten. 

Damit begonnen hatte Israel bereits während des Gaza-Kriegs, an dem sich die Hisbollah nach anfänglicher Zurückhaltung ebenfalls beteiligte. Doch auf europäischen und amerikanischen Druck hin schloss Israel mit der im südlichen Libanon stationierten Terrororganisation im November 2024 einen Waffenstillstand. Dies, bevor die Hisbollah endgültig überwältigt und zerschlagen worden war. «Das war eine herbe Enttäuschung für den Grossteil des libanesischen Polit-Eauch im establishments», sagt Zisser. Denn dieses hatte auf die Hilfe des jüdischen Staates bei der Beseitigung der auch im eigenen Land gefürchteten Terrororganisation gehofft.

Zwar wurde im Waffenstillstand vom November 2024 vereinbart, dass die Hisbollah entwaffnet werden müsse. Doch ebenso klar war, dass die libanesische Armee dazu nicht in der Lage sein würde. Nur die israelische Armee ist dazu imstande – und nachdem Hisbollah in den Krieg gegen den Iran eingegriffen hat, bietet sich ihr dazu jetzt die nächste Möglichkeit. «Israel sollte diese Gelegenheit, Hisbollah zu entwaffnen, nicht verstreichen lassen», stellt Zisser klar. «Denn damit könnte im Norden des Landes endlich der Frieden gesichert werden.»

Rund um den Krieg gegen die Mullahs in Teheran sind derzeit noch viele Fragen offen. Eines aber ist sicher: Der Krieg zum Sturz dieses islamofaschistischen Regimes war unvermeidbar, und er ist richtig. Dies gilt vor allem für Israel und für die unterdrückte Bevölkerung des Iran. Es gilt aber auch für uns in Europa und dem Rest der Welt, die in den letzten über 45 Jahren ebenfalls unter dem iranischen Terror gelitten haben. 


Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten. 

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