20. Februar 2026
Die arabische Welt löscht ihre Vielfalt aus – Israel schützt sie
Die «arabische Welt» ist zu grossen Teilen gar nicht arabisch. Berber, Kurden, Kopten, Assyrer, Nubier, Jesiden, Mandäer – die Region beherbergt einige der ältesten Kulturen und Religionen der Menschheitsgeschichte. Doch arabische Staaten haben diese Vielfalt seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt, arabisiert und in Teilen ausradiert. Israel hingegen, das als Feind der arabischen Zivilisation porträtiert wird, ist der einzige Staat der Region, der Minderheiten schützt, sprachliche Vielfalt institutionell fördert und religiöse Diversität als Identitätsmerkmal pflegt.
Von Mohamed Diwan
Wer von der «arabischen Welt» spricht, verwendet einen Begriff, der selbst ein Instrument der Homogenisierung ist. Die Region, die sich von Mauretanien bis zum Irak erstreckt, wird als arabisch-islamischer Einheitsraum dargestellt – ein Narrativ, das die tatsächliche ethnische, sprachliche und religiöse Vielfalt dieser Gebiete systematisch verdeckt. Der Politikwissenschafter Bruce Maddy-Weitzman zeigt in seinem Standardwerk “The Berber Identity Movement and the Challenge to North African States”, wie postkoloniale Regime in Nordafrika offizielle Nationalnarrative schufen, die darauf abzielten, die Amazigh einer arabisch-nationalistischen und islamisch zentrierten Ordnung unterzuordnen.
Nordafrika war vor der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert die Heimat der Amazigh (Berber) – eines Volkes, dessen Präsenz in der Region Jahrtausende vor der Ankunft des Islam und der arabischen Sprache zurückreicht. Laut der Encyclopaedia Britannica stellen die Amazigh in Marokko über drei Fünftel der Bevölkerung, in Algerien rund ein Viertel. Ihre Sprache, Tamazight, wurde erst 2011 in Marokko und 2016 in Algerien verfassungsrechtlich als Amtssprache anerkannt – nach Jahrzehnten der Unterdrückung. Der kabylische Linguist Salem Chaker beschrieb, wie der arabische Nationalismus die Negation der Amazigh-Identität als Faktor politischer Legitimation betrieb und damit Amazigh-Geschichte aus Lehrplänen, öffentlichem Diskurs und offiziellem Gedächtnis verschwinden liess.
Ägypten war vor der arabisch-islamischen Eroberung im Jahr 640 ein christliches Land. Die Kopten – deren Name sich vom griechischen Aigyptos ableitet und die sich als direkte Nachfahren der Pharaonenbevölkerung verstehen – bildeten über Jahrhunderte die Mehrheit. Heute machen sie laut den meisten Schätzungen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus. Der Niedergang war das Ergebnis einer Jahrhunderte langen Dynamik aus Diskriminierung, islamischen Kopfsteuer (Dschizya), periodischen Zwangsbekehrungen und einem Bildungssystem, das die koptische Geschichte marginalisiert. Sogar Amnesty International spricht von «anhaltender Diskriminierung der koptischen Christen in Ägypten», sowohl durch Gesetze als auch in der Praxis».
Das Tahrir Institute for Middle East Policy dokumentiert, dass Kopten von Schlüsselpositionen in der ägyptischen Verwaltung, Justiz, Militär und Polizei weitgehend ausgeschlossen sind und im Parlament massiv unterrepräsentiert bleiben. Allein seit Dezember 2016 wurden bei einer Serie von Anschlägen auf koptische Kirchen und Pilgerbusse – darunter der Bombenanschlag auf die koptische Kathedrale in Kairo (Dezember 2016, 25 Tote), die Doppelanschläge am Palmsonntag 2017 (47 Tote) und der Angriff auf einen Pilgerbus bei Minja (Mai 2017, 28 Tote) – über 100 Christen getötet.
Der Irak, jene «Wiege der Zivilisation», in der Sumerer, Akkader, Assyrer und Babylonier ihre Spuren hinterliessen, bietet das vielleicht dramatischste Beispiel kultureller Auslöschung. Unter Saddam Hussein wurden assyrisch-aramäische Christen nur geduldet, wenn sie ihre ethnische Zugehörigkeit verleugneten und sich als Araber bezeichneten. Von den einst 1,5 Millionen irakischen Christen (Schätzung vor 2003) sind laut der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) heute weniger als 200.000 übrig. Kardinal Louis Raphaël Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, appellierte im September 2024 angesichts dieses katastrophalen Rückgangs an die internationale Gemeinschaft. Der Genozid des Islamischen Staates an den Jesiden im Sindschar im August 2014 wurde von den Vereinten Nationen als Völkermord anerkannt.
Im Sudan wurde die arabische Identität über Jahrhunderte den indigenen Bevölkerungen aufgezwungen. Die Nubier, deren Königreiche Kusch und Meroë zu den ältesten Hochkulturen Afrikas gehören, wurden sprachlich und kulturell arabisiert. Die nubischen Königreiche waren einst Bastionen des koptischen Christentums; unter dem Mahdistenstaat im 19. Jahrhundert wurden fast alle verbliebenen Christen gewaltsam zum Islam bekehrt. Der Politikwissenschaftler Alex de Waal dokumentiert, wie die Arabisierungspolitik Khartums zur systematischen Marginalisierung nicht-arabischer Bevölkerungen führte – eine Politik, die in den Kriegen in Darfur, Südkordofan und am Blauen Nil ihren blutigen Ausdruck fand. Heute bezeichnet sich der Sudan als arabisch und islamisch, obwohl seine ethnische und kulturelle Realität grundlegend anders ist.
Die Kurden – ein Volk von geschätzt 30 Millionen Menschen – sind das grösste Volk der Welt ohne eigenen Staat. In Syrien wurde ihre Sprache verboten, ihre Kultur unterdrückt, Hunderte ihrer Dörfer und Städte umbenannt, ein «arabischer Gürtel» von 350 Kilometer Länge entlang der Grenze geschaffen, indem kurdisches Land enteignet und an arabische Wehrbauern vergeben wurde. Human Rights Watch hat diese Politik als gezielte ethnische Säuberung dokumentiert.
Die Mechanik der Homogenisierung
Die Arabisierung der Region folgt einem wiederkehrenden Muster, das sich in drei Dimensionen entfaltet: sprachlich, religiös und identitätspolitisch.
Die sprachliche Dimension ist das wichtigste Instrument der identitätspolitischen Vereinheitlichung. Arabisch wurde in den postkolonialen Staaten zur alleinigen Amtssprache erklärt – auf Kosten aller anderen Sprachen der Region. Der Linguist Gilbert Grandguillaume hat in seiner Studie «Arabisation et politique linguistique au Maghreb» gezeigt, wie diese Sprachpolitik als politisches Instrument der Machtsicherung eingesetzt wurde.
Die aramäische Sprache, die Jesus als Muttersprache sprach und die im Irak und in Syrien als Liturgiesprache überlebte, verschwindet. Das Koptische, die Sprache der Pharaonen, ist als gesprochene Sprache bereits ausgestorben und existiert nur noch in der Liturgie der koptischen Kirche. Das Nubische wird verdrängt. Kurdisch war in Syrien bis zum Bürgerkrieg verboten, im Irak unter Saddam Hussein unterdrückt. Selbst das Tamazight der Amazigh wurde in Algerien und Marokko erst nach Jahrzehnten des Widerstands als Zweitsprache anerkannt. Der arabische Nationalist Sati al-Husri formulierte das Prinzip hinter dieser Politik unverhüllt: «Ein Araber ist, wer immer Arabisch spricht.» In der Praxis hiess das: Wer nicht Arabisch spricht, existiert nicht.
Die religiöse Dimension verstärkt die sprachliche. In nahezu allen arabischen Staaten ist der Islam Staatsreligion und Quelle der Gesetzgebung. Religionsfreiheit existiert formal, wird aber durch Blasphemiegesetze und das Verbot des Abfalls vom Islam (Apostasie) massiv eingeschränkt. Eine Analyse des Pew Research Center aus dem Jahr 2012 ergab, dass über die Hälfte der Länder im Nahen Osten und Nordafrika Apostasie gesetzlich unter Strafe stellen, in einigen Fällen mit der Todesstrafe. Christliche Gemeinden schrumpfen nicht nur durch erzwungene Emigration, sondern auch durch ein Umfeld, in dem Kirchenbau behördlich behindert, der Zugang zu höheren Ämtern verwehrt und interreligiöse Ehen de facto nur in eine Richtung – Konversion zum Islam – möglich sind.
Das multikulturelle Gegenmodell Israel
Israel ist der einzige Staat des Nahen Ostens, der das genaue Gegenteil dieser Homogenisierungspolitik verkörpert.
Bereits die Staatsgründung war ein Akt der sprachlichen Auferstehung: Die Wiederbelebung des Hebräischen als gesprochene Alltagssprache durch Eliezer Ben-Jehuda ist ein in der Menschheitsgeschichte einzigartiges Experiment. Während die arabische Welt alte Sprachen auslöschte, hat Israel eine tote Sprache zum Leben erweckt. Hebräisch, das über Jahrhunderte nur als Liturgie- und Gelehrtensprache existierte, wurde zur Staatssprache eines modernen Hochtechnologielandes.
Daneben hat Arabisch in Israel den Status einer Sprache mit «besonderem Status» – eine Formulierung, die im Gesetz über den Nationalstaat von 2018 festgeschrieben wurde und die bestehenden Rechte der arabischsprachigen Bevölkerung ausdrücklich schützt. Arabisch ist Unterrichtssprache in arabischen und drusischen Schulen, wird auf Strassenschildern und in offiziellen Dokumenten verwendet, und arabischsprachige Abgeordnete können in der Knesset auf Arabisch sprechen. Laut Ethnologue werden in Israel insgesamt 38 Sprachen gesprochen.
Die religiöse Vielfalt Israels ist ebenso bemerkenswert. Neben dem Judentum in all seinen Strömungen – von säkular über Reform und konservativ bis ultra-orthodox – leben in Israel Muslime (sunnitisch, schiitisch, ahmadiyya), Christen verschiedenster Konfessionen (griechisch-orthodox, römisch-katholisch, armenisch, maronitisch, koptisch, protestantisch), Drusen, Baha’i (deren Weltzentrum sich in Haifa befindet), Beduinen mit eigenen kulturellen Traditionen und Tscherkessen, die ihre kaukasische Identität bewahrt haben.
Die Drusen, obwohl arabischsprachig, werden als eigenständige religiöse Gemeinschaft anerkannt und verfügen über Autonomie innerhalb des Bildungssystems. Sie dienen in der israelischen Armee und besetzen hohe Positionen in Staat und Gesellschaft.
Dieser Kontrastbefund lässt sich auf einen Punkt verdichten: Während in weiten Teilen der arabischen Welt Minderheiten systematisch als Bedrohung behandelt, entrechtet oder gar physisch ausgelöscht werden, sind sie in Israel ein konstitutiver und rechtlich geschützter Bestandteil der Gesellschaft. Dass ausgerechnet jener Staat, der Vielfalt institutionell lebt, zum Ziel globaler Dämonisierung wird, offenbart eine bittere Heuchelei: Die lautstarke «Anti-Israel-Bewegung» schweigt beharrlich zu den Genoziden, Vertreibungen und der kulturellen Auslöschung von Millionen in den arabischen Nachbarstaaten. Es scheint das zynische Prinzip zu gelten: ‚No Jews, no news‘ – Leid ist für diese Aktivisten offenbar nur dann eine Schlagzeile wert, wenn man es dem jüdischen Staat anlasten kann, während das tatsächliche Verschwinden ganzer Zivilisationen im Schatten des arabischen Nationalismus ignoriert wird.
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Mohamed Diwan ist ein arabischer Politanalyst
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