28. April 2026
Hallo SRF, die Hisbollah ist kein Sozialverein, sondern eine Terrororganisation
Zusammenfassung
- Ein SRF-Reel will nach eigenen Angaben erklären, «was die Hisbollah ist». Doch statt Klarheit zu schaffen über den terroristischen Charakter der Organisation wird diese schöngeredet.
- Die Hisbollah erscheint im Beitrag vor allem als religiöse, politische und soziale Kraft im Libanon. Ihre Rolle als Terrororganisation wird in den Hintergrund verschoben.
- Dass die Hisbollah im Libanon massgeblich zur Flucht von Christen beigetragen hat, ist ebenfalls kein Thema.
- Schuld an der Existenz der Hisbollah ist gemäss SRF Israel beziehungsweise die israelische Armee, die seinerzeit im Libanon einmarschiert sei.
- Dass dieser Einmarsch sowohl 1978 als auch 1982 die Reaktion auf Terrorangriffe aus dem Libanon war (und der PLO galt), wird geflissentlich verschwiegen.
- Im Gegenteil: Es ist im SRF-Reel mehrmals von «israelischen Angriffen» die Rede – statt klarzustellen, dass die Hisbollah zuvor Israel jeweils massiv mit Raketen attackiert hatte.
- Der Beitrag bleibt dem Erzählmuster des schweizerischen öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehens treu: Israel ist eine aggressive militante Macht.
- Dass Israels Gegner den jüdischen Staat vernichten wollen, ist für SRF nicht der Rede wert.
Von David Spuler
Es beginnt mit Bildern aus dem Libanon: Zerstörte Häuser, Zahlen über beschädigte Wohnungen, eine Waffenruhe. Dann die Frage: «Was genau ist die Hisbollah und wie gross ist ihr Einfluss im Libanon?»
So weit, so legitim. Wer den Krieg im Norden Israels und im Libanon verstehen will, muss die Hisbollah verstehen. Doch genau hier beginnt das Problem: SRF erklärt die Hisbollah nicht falsch, SRF erklärt sie weich. Im Reel heisst es: Bei uns kenne man die Hisbollah vor allem als Terrororganisation, die Israel immer wieder angreife und selbst von Israel angegriffen werde. Aber sie sei auch eine religiöse und politische Organisation.
Das klingt ausgewogen, ist es aber nicht. Denn schon diese Darstellung verschiebt den Blick. Die Hisbollah als Terrororganisation wird zur westlichen Wahrnehmung, die politische und soziale Rolle der Hisbollah im Libanon zur eigentlich viel wichtigeren Realität. Es stimmt zwar: Die Hisbollah ist im Libanon mehr als eine bewaffnete Gruppe. Sie sitzt im Parlament, betreibt soziale Einrichtungen und kontrolliert ganze Gebiete. SRF beschreibt sie selbst als «Staat im Staat». Im SRF-Reel erscheint dieser Umstand eher als Erklärung denn als Problem. Denn der libanesische Staat selbst sei gar nicht in der Lage, die sozialen Funktionen der Hisbollah zu übernehmen.
«Israel und der Iran haben es nicht gut zusammen»
Nicht erklärt wird der wahre Grund für die «Staat im Staat»-Realität: die Überlegenheit der schiitischen Terrororganisation über die libanesische Armee. Und verniedlicht wird im Reel auch, weshalb der Iran die Hisbollah im Libanon militärisch derart massiv aufgerüstet hat. «Israel und der Iran haben es nicht gut zusammen», heisst es dazu im Originalton. Auf diese – irreführende – Weise umschreibt das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen der Schweiz die Tatsache, dass das islamistische Mullah-Regime in Teheran die Vernichtung des jüdischen Staates zur Staatsräson erklärt hat. Und dass die Hisbollah ein wichtiges Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen.
Auch die aktuelle Eskalation im Libanon wird von SRF «schief» erzählt. Der Beitrag beginnt mit israelischen Angriffen und libanesischer Zerstörung. Das Leid im Libanon ist real. Aber der Kontext fehlt: Wie schon nach dem Massaker vom 7. Oktober begann die Hisbollah auch jetzt wieder während der jüngsten Eskalation mit Iran den Norden Israels massiv mit Raketen zu beschiessen. Der israelische Gegenangriff war lediglich eine Reaktion auf diesen Raketenbeschuss, der über eine halbe Million Israelis dazu zwang, während Wochen die grösste Zeit in Schutzräumen zu verbringen oder aus ihren Häusern und Wohnungen zu flüchten.
Zur israelischen Gegenreaktion meint die SRF-Erzählerin lapidar, man könne die Hisbollah nicht einfach aus dem Libanon «wegbomben». Das ist ein bequemer Satz, weil er jede harte Kritik an der Hisbollah sofort als naiv oder brutal erscheinen lässt. Doch die eigentliche Frage lautet anders: Warum darf eine von Iran gesteuerte Miliz überhaupt stärker sein als der libanesische Staat?
Bezeichnenderweise verschweigt der Beitrag denn auch, dass die Hisbollah im Libanon selbst massiv kritisiert wird. So verurteilte Staatspräsident Joseph Aoun, der derzeit mit Israel Friedensgespräche führt, dieser Tage die Hisbollah mit den Worten: «Als ihr (gegen Israel, Red.) den Krieg begonnen habt, habt ihr da zuerst gefragt, ob unser Staat damit einverstanden ist?» Und Peter Germanos, der frühere Präsident des libanesischen Militärgerichts, schrieb auf X (ehemals Twitter): «Die Hisbollah arbeitet daran, den libanesischen Staat abzuschaffen.»
Für SRF ist Israel der ewige Aggressor
Aber solche Worte passen natürlich nicht ins SRF-Framing von Israel, das dem immergleichen Muster folgt: Israel bombardiert, Israel ist der Aggressor. Die Gegner Israels, auch Terrororganisationen wie die Hisbollah, werden hingegen als soziale Organisationen schöngeredet.
SRF hat in seiner Nahost-Berichterstattung bereits mehrfach offizielle Kritik einstecken müssen. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI kam beispielsweise 2025 zum Schluss, dass SRF bei der Berichterstattung über Gaza-Proteste an Universitäten das Vielfaltsgebot verletzt habe, weil wichtige Fakten und Hintergrundinformationen fehlten. Auch die Ombudsstelle SRG kritisierte einen SRF-Kids-Beitrag zum Nahostkonflikt als nicht sachgerecht, unter anderem wegen der unzureichenden Einordnung von Hamas und Hisbollah.
Am Ende des «Erklärvideos» fragt die jugendliche Erzählerin des Hisbollah-Reels: «Verstehst du jetzt?». Ja, wir haben verstanden: Die Israelfeindlichkeit im schweizerischen Radio und Fernsehen ist verbreitet wie eh und je.
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