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Im ETH-Architekturdepartement werden Israelfeindlichkeit und Anti-Zionismus gefördert

Wer im Stockwerk F des ETH-Hauptgebäudes an der Rämistrasse 101 in Zürich ein Sitzungszimmer aufsucht, gerät unvermittelt in eine eigentümliche Szenerie. Vor einem unscheinbaren Spind verharrt eine dicht gedrängte Gruppe von asiatischen Besuchern, die Handy-Kameras im Anschlag.

In dem schmalen Schrankfach bewahrte Albert Einstein seine Kleider auf, wenn er an der ETH Physik unterrichtete. Heute beherbergt der Spind auf kleinstem Raum Relikte seines einstigen Besitzers – und zieht täglich Neugierige an.

Einstein steht exemplarisch für eine Institution, die über mehr als ein Jahrhundert hinweg aussergewöhnliche Geister angezogen hat. Elf Nobelpreisträger wirkten und wirken hier als Professoren. Im globalen Hochschulvergleich rangiert die ETH auf Platz sieben und ist damit die einzige kontinentaleuropäische Universität unter den Top Ten.

Die derzeitige Leitung der ETH ist sich der Verantwortung bewusst, die mit dieser Vergangenheit und heutigen Bedeutung einher geht. Deshalb hat sie – anders als die Leitungen der Hochschulen in Genf und Lausanne, sowie jene in Deutschland oder in den USA – hinsichtlich israelfeindlicher und antisemitischer Kundgebungen auf ihrem Gelände eine klare Devise: Nulltoleranz.

So hat die ETH-Führung nicht gezögert, als es im Mai 2024 in der Folge des Gaza-Kriegs zu unbewilligten Demonstrationen pro-palästinensischer Aktivisten kam: Sie wurden mittels Polizeieinsatzes umgehend aufgelöst und gegen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich geweigert hatten, die ETH freiwillig zu verlassen, wurde Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch eingereicht. «Die ETH Zürich ist keine Plattform für politischen Aktivismus», sagte dazu Professor Ulrich Weidmann, Mitglied der ETH-Schulleitung und dort verantwortlich für die Sicherheit, damals in einem Interview auf der eigenen Webseite.

Bereits kurz zuvor hatte die ETH-Schulleitung einen geplanten Auftritt des französischen Anti-Israel-Aktivisten Léopold Lambert untersagt. Grund: Dieser hatte sich nicht klar von Terror und Gewalt gegen Israel und die Juden distanziert. Lambert war von Studierenden des Departements für Architektur zu einem Vortrag mit dem Titel «Weaponized Architecture: Settler Colonialism and the Built Environment in Palestine» («Architektur als Waffe: Siedlerkolonialismus und die gebaute Umwelt in Palästina») eingeladen worden.

Departement für Architektur: Israelhass in vielfältiger Gestalt

Damit sind wir beim Kern des Problems: Im Departement für Architektur der ETH werden die auf politische Neutralität ausgelegten Richtlinien der eigenen Schulleitung konsequent und bewusst missachtet. Mit einem einzigen Ziel: den jüdischen Staat Israel zu diffamieren und zu delegitimieren.

Einen erklärten Israelhasser wie Léopold Lambert einzuladen, hat bei den Architekturstudenten der ETH – oder mindestens dem aktivistischen Teil davon – keinen fachlichen, sondern einen politischen Hintergrund. Dies illustrieren auch die seit 10 Jahren durchgeführten sogenannten «Parity Talks». Bei diesen periodisch stattfindenden «Schulungen» ging es ursprünglich um Geschlechtergleichheit (auch innerhalb des Architekturdepartements). Doch inzwischen werden dort auch der Krieg in Gaza, der «Kolonialstaat Israel» und der Zionismus thematisiert. Wo die Organisatoren diesbezüglich stehen, zeigt schon der Titel der betreffenden «Parity Talks»: «Learning Palestine – Until Liberation (Palästina kennenlernen – bis zur Befreiung)». Was mit «Palästina» gemeint ist, zeigt die Landkarte im Einladungsposting: Der Staat Israel existiert darauf nicht.

Der Israelhass im Architekturdepartement der ETH wird auch vom Lehrkörper gefördert. Am 6./7. Dezember vergangenen Jahres veranstaltete das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH zusammen mit der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK als Co-Organisatorin das Symposium «Der Grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD».

Welchen Bezug dieses Thema zu «Geschichte und Theorie der Architektur» hat, über die in jenem ETH-Institut geforscht wird, das bei dem Event als Co-Organisator auftrat, ist nicht ersichtlich. Aber, um Architektur ging es bei der Veranstaltung auch gar nicht. Dies verdeutlicht der Tagungsbericht der Neuen Zürcher Zeitung. Unter dem Titel «Linke Verschwörungstheorien, wissenschaftlich verbrämt» schrieb die NZZ am 8. Dezember 2025: «Die ETH und die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) kündigten ein wissenschaftliches Symposium zu Deutschland an. Tatsächlich war es ein Freundschaftstreffen propalästinensischer Aktivisten.»

Dass «propalästinensische Aktivisten» im Departement für Architektur der ETH willkommen sind, veranschaulicht auch das am 19. und 20. Februar 2026 durchgeführte Symposium «Unarchiving Architecture» (Die De-Archivierung der Architektur»). Zu den Gastreferenten dieser Veranstaltung gehörte Faiq Mari. Der Palästinenser lehrt und forscht derzeit an der Birzeit Universität in Ramallah. Zuvor hat er während Jahren in der ETH Architektur studiert und schliesslich auch doktoriert.

Zu reden gab dabei Maris Forschungsprojekt einer Online-Datenbank mit dem Namen «Maktabat Sabil». Dieses lief zuerst auf einer Domain des Departements für Architektur der ETH. Auf internen und öffentlichen Druck hin wurde «Maktabat Sabil» dann von dort entfernt und auf eine externe URL ausgelagert. Aus gutem Grund: Die von Faiq Mari lancierte Datenbank war kein wissenschaftliches Architektur-Projekt, sondern ein aktivistisches Tool für den palästinensischen Kampf gegen Israel, mit Nähe zur Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas PFLP.

Dies zeigt bereits der erste Klick auf die Webseite «Maktabat Sabil». Den Nutzer erwarten auf dieser an der ETH entwickelten Online-Datenbank folgende Beiträge: «Gaza – eine Geschichte des Widerstands», «Gaza: eine Geschichte der Kolonialisierung», «Testamente von Märtyrern». Und, prominent platziert: der Link zum «Al Hadaf»-Magazin, wo unzählige Artikel für die Terrororganisation PFLP werben. Bloss ein Thema fehlt auf der im Departement für Architektur der ETH entwickelten Webseite: Architektur.

Dass es Faiq Mari weniger um wissenschaftliche Forschung, als vor allem um politischen Aktivismus für den palästinensischen Kampf gegen Israel geht, zeigt auch seine an der ETH verfasste Dissertation. Ihr Titel lautet «Masha’ of the Periphery: Collective Labor and Property in Palestinian Liberation Struggle – Masha‘ der Peripherie: Kollektive Arbeit und Eigentum im palästinensischen Befreiungskampf». Fraglos ein typisches Architektur-Thema.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass sich Mari in seiner Doktorarbeit beim Palästina Komitee Zürich wortreich dafür bedankt, dass es ihm geholfen habe, «sich zuhause zu fühlen.» Gemeint ist damit wohl die Seelenverwandtschaft. Denn das anti-zionistische Kampfkomitee verneint das Existenzrecht Israels («from the river to the sea») und bezichtigte die israelische Armee des Genozids in Gaza. Genauso, wie dies Mari in seiner (Architektur-)Dissertation tut, in der er von der «ongoing Zionist genocidal aggression – fortlaufenden zionistischen Völkermord-Aggression» schreibt, und den von Israel gegen palästinensische Terroristen errichteten Schutzzaun bzw. die Schutzmauer als «Apartheid Wall» bezeichnet.

Im Brennpunkt: Professor Philip Ursprung

Auf Fragen von FokusIsrael.ch zu den diversen politisch problematischen Passagen in Faiq Maris Dissertation antwortet Professor Philip Ursprung, der Passus «fortgesetzte zionistische Völkermord-Aggression» habe sich «explizit auf die Klagen von Südafrika, Nicaragua, Spanien und anderen Staaten (gegen Israel, Red.) beim Internationalen Gerichtshof bezogen.» Abgesehen davon, dass diese Klagen rein politische Gründe hatten und rechtlich haltlos sind, stellt sich auch hier die Frage: Was hat das mit Architektur zu tun?

Professor Ursprung ist Vorsteher des ETH-Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und einer der Doktorväter von Faiq Mari. Er verteidigt seinen ehemaligen Schützling auch bezüglich des Begriffs «Apartheid Wall». Dies sei eine in den Palestine Studies gebräuchliche Formulierung, sagt Ursprung. «Persönlich würde ich weder den Begriff „Apartheid Wall“ noch den Begriff „Sicherheitsmauer“ verwenden, weil beide Begriffe ideologisch geprägt sind. Ich würde die völkerrechtswidrige Absperrung als „Sperranlage“ bezeichnen.» Es liege aber «im Ermessen und der Verantwortung der Forschenden, diese Begriffe zu verwenden.»

Dasselbe gelte, so Ursprung, auch bezüglich Maris an anderer Stelle erfolgten Behauptung, Israel sei ein «colonial state – Kolonialstaat». Auch dies sei in den Palestine Studies eine «gebräuchliche Definition», verteidigt der ETH-Professor seinen ehemaligen Doktoranden. Er selbst verwende sie zwar nicht, weil sie ideologisch geprägt sei und die historische Komplexität reduziere. Doch, wiederholt Ursprung, «es liegt im Ermessen und der Verantwortung der Forschenden, ihn zu verwenden.»

Professor Ursprung war seitens der ETH auch für die Durchführung der unrühmlichen Veranstaltung «Der Grosse Kanton: Aufstieg und Fall der BRD» verantwortlich. Den von der NZZ erhobenen Vorwurf, es habe sich dabei um ein «Freundschaftstreffen propalästinensischer Aktivisten» gehandelt, weist er entschieden zurück. Ebenso den Vorwurf, er nehme aus politischen Gründen Dissertationen mit klar anti-israelischer Stossrichtung ab.

«Dies ist eine Unterstellung», antwortet Ursprung. «Als Professor und Institutsvorsteher (verantwortlich für Geschichte und Theorie der Architektur, Red.) erachte ich es als meine Verantwortung, Forschung wie diejenige von Faiq Mari zur landwirtschaftlichen Struktur in der West Bank und eine Tagung wie „Der grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD“ zu ermöglichen.»

Forschung könne und solle auch kontrovers sein, erklärt Architektur-Professor Ursprung, und er wolle auch dann zu einem Erkenntnisgewinn und einem Dialog beitragen, «wenn eine Dissertation oder Veranstaltung nicht in allen Punkten meiner persönlichen Haltung entspricht.» Die ETH Zürich ermögliche und schütze als Institution Forschungsfreiheit. «Der Forschungsfreiheit fühle ich mich verpflichtet.»

Hinter dem Totschlagargument der «Forschungsfreiheit» und der persönlichen Freiheit, die ihre Professoren geniessen, verschanzt sich auch die ETH-Schulleitung. Angesprochen auf die vom Institut für Geschichte und Theorie der Architektur mitorganisierte Veranstaltung «Der Grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD» lässt sie ihre Medienstelle ausrichten: «Bei Symposien liegt die inhaltliche Verantwortung bei den organisierenden Professorinnen und Professoren (in diesem Fall: Philip Ursprung, Red.). Wir gehen davon aus, dass die wissenschaftlichen Prinzipien eingehalten werden.» Darauf hätte Lenin der ETH-Schulleitung geantwortet: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.»

Ganz «explizit» wehrt sich die ETH Zürich bzw. deren Medienstelle auch gegen den Vorwurf, ihr Architektur-Departement würde antisemitische Tendenzen unterstützen. «Diese unbelegte Behauptung entspricht nicht der gelebten Realität im Departement Architektur.»

Diese Aussage ist angesichts der Fakten nicht nachvollziehbar. Die Parity Talks, in denen Israels Existenzrecht verneint wird, die Einladungen von Terroristen-nahen Gastreferenten wie Léopold Lambert und Faiq Mari, die Veranstaltungen wie «Der Grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD» und die Social-Media-Posts von Mitgliedern des Architektur-Departements zeigen alle: Im Architektur-Departement der ETH wird sehr wohl eine anti-zionistische Haltung «gelebt». Und dass der Begriff «anti-zionistisch» in der heutigen politischen Debatte mit «antisemitisch» gleichzusetzen ist, sollte auch die ETH-Schulleitung wissen.

Interpellation im Nationalrat eingereicht

Mit ihrer Realitätsverweigerung gegenüber den Vorgängen im Architektur-Departement erweist sich die ETH-Schulleitung keinen Gefallen. Das Verhalten von namhaften Exponenten dieses Departements hat international für negative Schlagzeilen gesorgt und auch in akademischen Kreisen die Reputation der ETH geschädigt. Zudem muss die Schulleitung jetzt im Nationalrat noch Stellung beziehen. Nicole Barandun (Die Mitte, Zürich) bittet den Bundesrat nämlich mit einer eben eingereichten Interpellation um Auskunft darüber, wie viel die Durchführung von «Der Grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD» die ETH gekostet habe.

Diese Frage dürfte den ETH-Verantwortlichen zwar kein Kopfzerbrechen bereiten: Gemäss Auskunft der Schulleitung bezahlte die ETH nichts an die Durchführung der Veranstaltung, sondern stellte lediglich einen Hörsaal kostenlos zur Verfügung.

Aber unangenehm ist für die Leitung der ETH und insbesondere für die Co-Organisatoren von «Der Grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD» ein anderer Punkt in Nicole Baranduns Interpellation. So weist die Zürcher Nationalrätin darauf hin, dass eine den Holocaust relativierende Aussage des israelischen Architekten Eyal Weizman (ein in Fachkreisen bekannter Anti-Israel-Aktivist, Red.), nachträglich aus der Videoaufzeichnung herausgeschnitten wurde, die auf YouTube verfügbar ist. Und, schreibt Barandun im Weiteren: «Gemäss der von der Schweiz anerkannten Arbeitsdefinition (von Antisemitismus, Red.) der IHRA gilt die Leugnung, Verharmlosung oder Relativierung der Shoah als Form des Antisemitismus.»

Wurde Artikel 261bis StGB verletzt?

Nicole Baranduns Feststellungen sind aus dem folgenden Grund bedeutsam. Die öffentliche Leugnung, Verharmlosung oder Relativierung der Shoah verletzt Artikel 261bis des schweizerischen Strafgesetzbuches (Diskriminierung und Aufruf zu Hass). Bestraft wird dafür nicht nur, wer die betreffende Aussage gemacht hat. Bestraft werden auch jene, die durch ihr Organisieren dazu beigetragen haben, dass dies geschehen konnte. Im Falle von «Der Grosse Kanton: Aufstieg & Fall der BRD» wären dies die Verantwortlichen des ETH-Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK.


Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten.

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