17. Juli 2026
Krieg gegen die Mullahs: Hat US-Präsident Trump diesmal einen längeren Atem?
US-Präsident Donald Trump will sich von den Mullahs in Teheran nicht mehr länger vorführen lassen und hat erneut zu den Waffen gegriffen. Dies ist nicht nur eine Chance für die unterdrückte iranische Bevölkerung, sondern für den ganzen Nahen Osten – und für den Rest der Welt. Sofern Trump diesmal einen längeren Atem hat und den Krieg durchzieht.
Seit rund einer Woche scheint auch US-Präsident Donald Trump das zu kapieren, was eigentlich von Beginn weg klar war: Die Mullahs in Teheran führen ihn an der Nase herum. Denn, wie es der israelische Staatspräsident Yitzhak Herzog soeben in einem Interview mit dem saudi-arabischen TV-Sender Al Arabiya sagte: «Mit den Iranern kann man keine Deals machen. Sie verletzen sie immer.»
Deshalb lässt Trump jetzt wieder die Waffen sprechen und bombardiert militärische und Infrastrukturziele im Iran. Die iranischen Revolutionsgarden ihrerseits antworten mit Raketen- und Drohnenangriffen auf die Golfstaaten. Israel greifen sie bisher wohlweislich nicht an. Denn sie wissen, dass es das ist, worauf Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sehnlichst wartet.
Trump und Netanyahu mögen zwar in letzter Zeit das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne gehabt haben, aber sie sitzen im selben Boot. Nach seinen kläglich gescheiterten diplomatischen Avancen gegenüber den Islamisten in Teheran braucht Trump jetzt wenigstens einen (kleinen) militärischen Erfolg. Sonst wird seine republikanische Partei bei den Zwischenwahlen für den US-Kongress im November nicht nur schlecht, sondern miserabel abschneiden. Für Netanyahu wäre ein erfolgreicher israelischer Militärschlag gegen die Mullahs ebenfalls willkommen. Denn seine Chancen stehen schlecht, nach den israelischen Parlamentswahlen vom 27. Oktober an der Macht zu bleiben.
Immerhin kann der israelische Ministerpräsident für sich verbuchen, dass aufgrund seiner harten Haltung gegenüber der libanesischen Terrororganisation Hisbollah – und in dieser Frage auch gegenüber den USA – die Friedensgespräche mit der libanesischen Regierung weitergehen. Diese Woche fanden sie in Rom statt, nicht in Washington. Ein effektiver Friedensschluss ist zwar noch in weiter Ferne, aber beide Regierungen bezeichnen die Verhandlungen als konstruktiv.
Israel sieht den Konflikt zwischen den USA und Iran, der vor allem auch die Golfstaaten wirtschaftlich und militärisch hart trifft, zudem als Chance, die nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 unterbrochenen Gespräche mit Saudi-Arabien wieder aufzunehmen. Diese Kontakte zu einer Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen waren wegen des Gaza-Kriegs eingefroren worden.
Jetzt scheint man in Jerusalem zu hoffen, dass die Zeit für eine Fortsetzung reif ist. Dafür spricht nicht nur der Umstand, dass Israels Staatspräsident Herzog dem saudischen Sender Al Arabiya ein Interview gab, sondern auch das, was er in dem Gespräch sagte. So lobte Herzog den saudischen Machthaber Mohammed Bin Slaman in den höchsten Tönen: «Es ist mein Traum, Frieden zwischen Israel und Saudi-Arabien zu sehen. Ich habe großen Respekt vor Kronprinz Mohammed Bin Salman. Das, was wir uns in Israel am meisten wünschen, ist eine Annäherung zwischen unseren Nationen.»
In einer offensichtlichen Anspielung auf den früheren ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat, der sich 1977 praktisch selbst nach Jerusalem eingeladen hatte, um Frieden mit Israel zu schliessen, sagte Herzog weiter: «Ich schätze, ich kann nicht einfach als gewöhnlicher Bürger nach Riad kommen. Aber ich hoffe, diesen Traum zu verwirklichen und die saudische Führung zu gegebener Zeit offiziell treffen zu können.»
Für die iranische Regierung könnte es sich deshalb in doppelter Hinsicht als Fehler erweisen, dass sie Donald Trump so lange provoziert hat, bis er nicht mehr anders konnte, als zur Gesichtswahrung wieder zu den Waffen zu greifen.
- Zum einen könnten die gravierenden wirtschaftlichen Folgen im eigenen Land schliesslich doch noch zum Sturz des bei der Bevölkerung verhassten Mullah-Regimes führen.
- Zum anderen ebnet die Auseinandersetzung mit jedem Tag, den die Nachbarstaaten am Golf wirtschaftlich und militärisch unter dem Konflikt leiden, den Weg für eine Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien.
Zu offen ist deshalb, dass US-Präsident Trump der Atem im Kampf gegen das islamistische Regime in Teheran diesmal nicht aus falschem politischem Kalkül vorzeitig ausgeht.
[i] Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten.
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