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Folge des Irankriegs: Auch Katar scheint sich Israel anzunähern 

In Katar scheint sich, weitgehend unbemerkt vom Westen, derzeit ein Sinneswandel punkto Israel zu vollziehen. Als Folge des Irankriegs und der Raketen- und Drohnenangriffen der iranischen Revolutionsgarden auf US-Militäreinrichtungen und zivile Anlagen in den benachbarten Golfstaaten hat der katarische TV-Sender Al Jazeera Arabic seine Berichterstattung und sein Vokabular bezüglich des jüdischen Staates geändert.

Von Mohamed Diwan und Sacha Wigdorovits

Diese Wende kam nicht über Nacht. In den ersten Kriegswochen agierte Al Jazeera Arabic ausgesprochen apologetisch gegenüber Teheran: Der Sender bot iranischen Offiziellen eine weitgehend unwidersprochene Bühne, präsentierte das iranische Narrativ als Tatsache und blendete die Angriffe auf die Golfstaaten – und auf Katar selbst – weitgehend aus. Bis heute lädt der Sender regelmässig iranische Gäste ins Studio, welche die Angriffe verharmlosen, indem sie behaupten, es seien ausschliesslich amerikanische Stützpunkte getroffen worden. 

Doch spätestens seit dem Angriff auf die Erdgasanlagen von Ras Laffan scheint sich die Redaktionslinie zu bewegen. Iranische Raketen trafen am 18. März die Ras Laffan Industrial City, Katars wichtigste Gasanlage. Doha verurteilte den Angriff als gefährliche Eskalation und flagrante Verletzung seiner Souveränität und erklärte den Militär- und den Sicherheitsattaché der iranischen Botschaft zu unerwünschten Personen.

Nach Angaben von QatarEnergy-Chef Saad al-Kaabi wurden rund 17 Prozent der katarischen LNG-Exportkapazität vernichtet, mit geschätzten Einnahmeausfällen von 20 Milliarden Dollar jährlich; die Reparaturen dürften drei bis fünf Jahre dauern. 

Neues Narrativ bei Al Jazeera

Damit hatte Teheran jene Einnahmequelle getroffen, von der das Emirat existenziell abhängt – und die Grundlage der jahrzehntelangen katarisch-iranischen Sonderbeziehung beschädigt. So sagte dieser Tage Leqaa Makki, leitender Analyst bei Al Jazeera Arabic, in einer Live-Sendung, dass der Iran in der Region schwerwiegendere Verbrechen begangen habe als Israel, insbesondere im Irak und in Syrien. Er argumentierte, dass die Handlungen des Iran weit mehr Zerstörung und Leid verursacht hätten als jene Israels.

Nicht allein der Inhalt dieser Aussage ist bemerkenswert, sondern auch Makkis Wortwahl. Denn in der Vergangenheit wirkte Al Jazeera Arabic als Propagandakanal der Hamas. Der katarische Staat gehörte zusammen mit dem Iran zu den Hauptgeldgebern der palästinensischen Terrororganisation und gewährt deren politischen Führern Heimrecht. Die Hamas verneint das Existenzrecht Israels. Dementsprechend wurde der jüdische Staat von ihr und den ihr nahestehenden Kreisen wie Al Jazeera Arabic nicht als „Israel“ bezeichnet, sondern als „zionistische Entität“.

Dass Al Jazeera Arabic jetzt von „Israel“ spricht, ist deshalb nicht selbstverständlich. Zusammen mit der oben erwähnten massiven Kritik am Iran ist es vielmehr ein Fingerzeig, dass die Mullahs in Teheran mit ihrer Militärstrategie, welche nicht nur die Sicherheit der benachbarten Golfstaaten bedroht, sondern auch deren Wirtschaft schadet, sich zunehmend weiter isolieren. Zum Nutzen von Israel.

Zweck-, nicht Wertegemeinschaft

Allerdings ist in Zusammenhang mit Katar Vorsicht geboten. Die dortigen Herrscher waren in der Vergangenheit sehr geschickt darin, sich mit ihrem Reichtum, ihrem Propaganda-Kanal Al Jazeera, der auf Englisch ein viel moderateres Programm ausstrahlt als auf Arabisch, und mit diplomatischen Initiativen Einfluss und ein gutes Image zu erkaufen.  Nicht nur in Europa und den USA, sondern mutmasslich sogar in Israel. 

Dort werden Mitarbeiter von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verdächtigt, Gelder von Katar genommen zu haben, um dessen Bemühungen als Vermittler im Gaza-Krieg möglichst positiv darzustellen. Ob dies tatsächlich der Fall war, wird derzeit von den Strafverfolgungsbehörden untersucht. 

Getreu dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, könnte es dennoch sein, dass der gemeinsame Gegner Iran den traditionell-muslimischen und den jüdischen Staat näher zusammenbringt. Wie beständig und zuverlässig solche Zweckgemeinschaften sind, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. 

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