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Die Antisemiten übernehmen die Linke. Teil 1. Ein Bericht aus Amerika.

Von Markus Somm

Die Fakten: In New York und New Jersey gewinnen «Anti-Zionisten» die demokratischen Vorwahlen.

Warum das wichtig ist: Die neue Linke ist antisemitisch. Nicht alle, aber immer mehr. Woher kommt das?

Es war ein bemerkenswerter und bedrückender Vorgang, der sich vor kurzem in Amerika abspielte:

Ebenso zeigen Umfragen, dass die meisten Demokraten (eingeschriebene Mitglieder und Unabhängige, die nach links neigen) sich von Israel abgewendet haben.

Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert und bedrückend:

  1. Seit der Gründung von Israel im Jahr 1948 bestand in Amerika ein Konsens unter den beiden grossen Parteien: Israel wurde durch dick und dünn unterstützt. 

Heute hat sich das geändert: Ganz im Gegensatz zu den Demokraten, die dem Judenstaat neuerdings skeptisch gegenüberstehen, bleiben die Republikaner loyal.

Mit anderen Worten, die Polarisierung, die Amerika durchzieht, hat jetzt das Thema Israel erreicht. Die eine Partei lehnt den Judenstaat ab, die andere vergöttert es. Für die einzige Demokratie im Nahen Osten, aber auch für die vielen amerikanischen Juden ist das eine schlechte Nachricht. Zumal es gerade für die Letzteren eine Art Vertreibung aus der eigenen Partei bedeutet – und das ist der bedrückende Aspekt:

  1. Die Demokraten galten seit dem legendären Präsidenten Franklin D. Roosevelt als die bevorzugte Partei der amerikanischen Juden. Kaum eine Minderheit wählte so geschlossen und loyal die Demokraten.

Nun scheinen sie in dieser Partei nicht mehr sehr willkommen zu sein – sofern sie sich nicht selber verleugnen und Israel ablehnen, was für jeden Juden eine Zumutung ist. (Wie es auch eine Zumutung für die amerikanischen Iren darstellte, wenn man von ihnen verlangen würde, sich im Nordirland-Konflikt auf die Seite der Briten zu stellen).

Selbst wer die überaus erfolgreiche, ja glückliche Geschichte der Juden in Amerika kennt, kann nur ansatzweise ermessen, wie herzzerreissend, ja verstörend es den Juden vorkommen muss, dass sie nun ausgerechnet hier erneut zum Paria werden – die Gefühle des Verlustes mögen durchaus jenen gleichen, die die deutschen Juden 1933 verfolgten: Waren sie nicht auch überzeugt gewesen, es nirgendwo besser zu haben als in «ihrem» geliebten Deutschland?

Wie übel es den Juden inzwischen in den USA ergeht, mag ein Video verdeutlichen, das neulich auf X erschienen ist. 

Scott Wiener, ein linker, schwuler State Senator in Kalifornien, der sich insbesondere für allerlei Anliegen der LGBTQ+-Gemeinschaft stark gemacht hat, erlebt sein persönliches Sodom und Gomorrha, als er eine queere Veranstaltung besucht: Er wird angepöbelt, ausgeschimpft und bedrängt. Und warum? Weil er Jude ist und Israel verteidigt hat.

Die Szene, man kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren, erinnert an die Zustände in Nazi-Deutschland.

Armes Amerika, arme Juden.

Warum nur? Thema für ein nächstes Memo. Inzwischen gilt, wovor der spanisch-amerikanische Philosoph George Santayana seinerzeit gewarnt hat: 

«Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen

Markus Somm ist Herausgeber von Nebelspalter.ch wo dieser Kommentar zuerst veröffentlicht wurde.

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