22. Juni 2026
Der schwächste Präsident seit 1776: Donald Trump kapituliert. Iran gewinnt.
Von Markus Somm
Wer «Roger gegen Markus» kennt, die wöchentliche Kampfsendung, die ich mit Roger Schawinski auf Radio 1 bestreite, weiss, dass ich seit Jahren sage, ich fände die Politik von Donald Trump, dem US-Präsidenten, inhaltlich zu 82 Prozent gut.
- Wenn Roger dann nach Luft schnappt und reklamiert, setze ich nach: OK, also 83 Prozent.
- Roger darf sich freuen. Neu liegt dieser Wert für mich bei 47 Prozent.
Was Trump diese Woche auf Schloss Versailles unterzeichnet hat, ist eine der peinlichsten Kapitulationsurkunden, die Amerika je unterzeichnet hat.
Ich finde sogar den Abschluss des Vietnam-Krieges weniger schlimm, wenn er auch verheerend war, und die nordvietnamesischen Kommunisten kurz darauf so gut wie nichts davon einhielten, was sie schriftlich und hinterhältigversprochen hatten. Amerika warf ihnen Südvietnam zum Frass vor. Immerhin war das jedoch ein Rückzug, nachdem man acht Jahre lang selber Krieg geführt und dabei rund 58’000 Soldaten verloren hatte.
- Im jüngsten Krieg der USA gegen Iran sind nach Angaben des Pentagons bisher 13 US-Soldaten gefallen.
- Und Donald Trump verliert die Nerven.
Überstürzt, hektisch, wenn nicht verzweifelt hat er zu nächtlicher Stunde ein Abkommen unterschrieben, dessen unmittelbar bevorstehende Fertigstellung er in den vergangenen Wochen etwa 40-mal angekündigt hatte. So kann man sich als mächtigster Mann der Welt natürlich auch zum schwächsten Affen des Planeten machen.
- Selbstverständlich sind die 13 Toten nicht der Grund, warum Trump den Konflikt mit dem Iran loswerden will.
Genaueres ist nicht bekannt.
- Was er sagt, zählt ohnehin wenig, denn Trump sagt auch, es handle sich um den besten Deal aller Zeiten.
Für einmal, wenn man an Trumps übliche Verlautbarungen denkt, ist das ein wenig übertrieben. Achtung, Ironie.
Art of the Deal? Was da der selbsternannte Chefunterhändler der Weltgeschichte einem der brutalsten und unrechtmässigsten Regimes der Gegenwart zugestanden hat, macht sprachlos, sofern man sich die Mühe nimmt, die kriecherische Sprache des Vertrags über sich ergehen zu lassen: Iran muss kaum eine Konzession gewähren – im Wesentlichen besteht diese darin, die widerrechtliche Sperrung der Strasse von Hormus zu beenden –
- und der Iran erhält dafür als amerikanische Gegenleistung, dass die Blockade der iranischen Häfen und nahezu alle übrigen Sanktionen aufgehoben werden.
- Sofort fliesst wieder viel Geld in den Iran, der sich somit wieder aufrüsten und seine verbündeten Terroristen, unter anderem die Hisbollah im Libanon, mit Waffen versorgen kann.
- Überdies soll ein Fonds von 300 Milliarden Dollar geschaffen werden, um den Wiederaufbau des Irans zu finanzieren – und wer soll dafür aufkommen? Selbstredend die Golfstaaten, die Iran aus heiterem Himmel bombardiert hat.
Der Teufel wird dafür bezahlt, dass er die Hölle ordentlich aufgeheizt hat.
Ob in den kommenden 60 Tagen, wie vereinbart, Iran wenigstens in Sachen Atomprogramm nachgeben wird, steht in den Sternen, doch in Trumps Universum bleibt Iran eine potenzielle Atommacht – und es ist ihm neuerdings einerlei.
Noch vor wenigen Wochen hat Trump trotzig daran festgehalten, dass Iran nie im Leben eine Atombombe besitzen dürfe.
- Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?
- Ohne ein ausgebildeter Psychologe zu sein: Dieser Mann leidet unter aussenpolitischem ADHS.
Sprachlos: Der israelische Publizist Amit Segal, den ich schon des Öfteren herangezogen habe, vergleicht diesen «Deal» mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs:
- «Es wäre, wie wenn man seinerzeit mit den Nazis einen Frieden abgeschlossen hätte, obwohl sie noch an der Macht waren, und ihnen versprochen hätte, Frankreich und Grossbritannien finanzierten den Wiederaufbau Deutschlands.»
Donald Trump ist angetreten, um in die Geschichte einzugehen. Das dürfte ihm gelingen. Wenn er sich nicht vorsieht, wird er als schwächster Präsident seit 1776 in den Geschichtsbüchern verewigt werden.
Die Linke hasst ihn schon lange, die Rechte hat eben begonnen, ihn zu verachten. Ich gehöre dazu.
Oder um es mit Benjamin Franklin, einem der grossen Gründungsväter Amerikas zu sagen: «Es braucht viele gute Taten, um einen guten Ruf aufzubauen, und nur eine schlechte, um ihn zu verlieren.»
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Markus Somm ist Herausgeber von Nebelspalter.ch, wo dieser Kommentar publiziert wurde.
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