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Umfrage unter Israelis: Wenig Vertrauen in Netanjahu

Eine aktuelle landesweite Umfrage des israelischen Sicherheitsinstituts INSS zeigt: Eine klare Mehrheit der Israelis ist tief besorgt über innere Spannungen und politische Eingriffe in staatliche Institutionen.

Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind der Ansicht, dass die israelischen Streitkräfte in unterschiedlichem Ausmass politischem Druck ausgesetzt sind und politische Akteure versuchen, die IDF im innenpolitischen Machtkampf zu instrumentalisieren. Diese Einschätzung zieht sich quer durch alle politischen Lager.

Gleichzeitig ist das Vertrauen in die politische Führung niedrig und stark polarisiert: Nur 23 Prozent äussern hohes Vertrauen, während 76 Prozent geringes Vertrauen angeben. Gegenüber Premierminister Benjamin Netanjahu äussern gerade mal 32 Prozent der Bevölkerung hohes Vertrauen, während 68 Prozent geringes oder gar kein Vertrauen äussern. Auch das Vertrauen in Verteidigungsminister Israel Katz ist niedrig: Nur 23 Prozent berichten von hohem Vertrauen. 71 Prozent der Bevölkerung (71 %) haben geringes oder kein Vertrauen in den Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir.

IDF bleibt stabiler Anker

Das Vertrauen in die IDF bleibt hingegen hoch. Eine Mehrheit der israelischen Bevölkerung (75 %) äussert grosses Vertrauen in die IDF (33 % in sehr grossem, 41 % in ziemlich grossem Ausmass), während etwa 24 Prozent geringes Vertrauen angeben. Dabei ist das Vertrauen unter jüdischen Befragten sehr hoch (85 %), während unter arabischen Befragten nur 32 Prozent hohes Vertrauen äussern und 63 Prozent geringes Vertrauen.

58 Prozent der Bevölkerung haben grosses Vertrauen in den Generalstabschef, Generalleutnant Eyal Zamir, was einen leichten Rückgang gegenüber November darstellt.

Das Vertrauen in die internen Untersuchungen der IDF zu den Ereignissen vom 7. Oktober ist weiter gestiegen: 51 Prozent geben hohes Vertrauen an – der höchste Wert seit Beginn dieser Erhebung im Juli 2024.

Innere Spannungen als grösste Sicherheitsbedrohung

Die grösste Sorge der Israelis gilt nicht äusseren Feinden, sondern innergesellschaftlichen Konflikten: 83 Prozent äussern starke Besorgnis über soziale Spannungen. Externe Bedrohungen wie Iran, Gaza oder der Libanon werden zwar ernst genommen, rangieren jedoch hinter den inneren Herausforderungen. Gleichzeitig ist das persönliche Sicherheitsgefühl niedrig und stark polarisiert, insbesondere zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels.

Eine knappe Mehrheit (54 %) unterstützt den Übergang zu Phase B des Waffenstillstands in Gaza, allerdings verläuft die Zustimmung deutlich entlang politischer und ethnischer Linien.

Vorsichtiger Blick nach vorn

Trotz der angespannten Gegenwart blickt mehr als ein Drittel der Israelis mit vorsichtigem Optimismus auf die kommenden fünf Jahre und erwartet eine Verbesserung der nationalen Sicherheitslage. Dieser Optimismus ist jedoch ungleich verteilt und spiegelt die tiefe politische und gesellschaftliche Fragmentierung des Landes wider.

Umfrage: INSS – Findings of the National Security Survey: December 2025

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