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NZZ: Israel droht die Propagandaschlacht zu verlieren

«Die Lage in Gaza ist unübersichtlich. Das hilft der Hamas. In einer zunehmend polarisierten Welt fällt es Israel zunehmend schwer, sich als angegriffenes Land zu positionieren», schreibt Richard C. Schneider in der NZZ.

Was macht Israel nur in Gaza? Diese Frage stellen sich weltweit viele – doch klare Antworten bleiben aus. Die Lage ist chaotisch, von Propaganda, widersprüchlichen Berichten und KI-generierten Bildern überlagert. Doch eines ist sicher: Die Zivilbevölkerung in Gaza leidet massiv.

Internationale Hilfswerke sprechen von flächendeckendem Hunger, fehlendem Trinkwasser und einem kollabierten Gesundheitssystem. Kinder sterben an vermeidbaren Krankheiten. Auch israelische Quellen bestreiten nicht, dass die humanitäre Situation katastrophal ist. Ob bereits eine Hungersnot vorliegt, lässt sich kaum unabhängig prüfen. Nach UNO-Kriterien gilt sie, wenn mindestens 20 % der Haushalte extremen Nahrungsmangel haben, 30 % der Kinder unterernährt sind und täglich 2 von 10’000 Menschen an Hunger sterben.

Während die Hamas gezielt mit erschütternden Bildern arbeitet, argumentiert Israel rational – und verliert dabei den PR-Krieg. «Bilder gewinnen heute gegen Erklärungen», so Schneider. Besonders heikel sind Berichte über israelische Soldaten, die angeblich auf Menschen schiessßen, die bei Hilfsausgaben anstehen. Viele dieser Vorwürfe beruhen auf Amateurvideos, ohne verifizierbare Kontexte. Wer hat zuerst geschossen? Wurde die Szene manipuliert? Die Hamas liefert Zahlen über Tote, die sich oft nicht unabhängig bestätigen lassen. 

Vier Faktoren schwächen Israels öffentliche Position: Die Asymmetrie des Konflikts, Emotionalisierung durch Bilder (wer leidet, gewinnt Empathie – unabhängig von Verantwortung), schwache strategische Kommunikation (Israel erklärt, die Hamas inszeniert – im Zeitalter der sozialen Medien entscheidend), der Zeitgeist der Polarisierung (in vielen westlichen Gesellschaften gilt Israel zunehmend als Aggressor – unabhängig von Kontext oder Auslösern).

«Die Frage, wie ein demokratischer Staat in einem asymmetrischen Konflikt agiert, wird zur Bewährungsprobe – für Israels Sicherheit, aber auch für sein Selbstverständnis als Teil der westlichen Wertegemeinschaft. Gerade deshalb wird die nun eingeführte Waffenpause als militärische oder humanitäre Massnahme, aber auch als politisches Einlenken gewertet. Sie ist ein Schritt, der zeigt, dass der Kampf um Gaza inzwischen auch ein Kampf um Israels Platz in der Welt geworden ist», schliesst Schneider.

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