16. Dezember 2025
«Den Preis zahlen Juden überall in der Welt»
In einer umfassenden Analyse mit dem Titel «Judenhass, überall» nach dem Terroranschlag mit 15 Toten auf eine Hanukka-Feier in Sydney, befasst sich Redaktorin Christina Neuhaus in der Neuen Zürcher Zeitung mit dem immer offener und aggressiver auftretenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Wenn Antisemitismus leben koste, sei das Entsetzen überall gross. Gleichzeitig werde Judenhass breit toleriert.
In Sydney beginne eine Hanukka-Party am Strand – und ende im Blutbad. Fünfzehn Tote, rund vierzig Verletzte, Schüsse fallen, noch bevor die erste Kerze überhaupt brennen könne. Die Täter: Vater und Sohn, offenbar mit islamistischem Motiv, „im Namen des IS“. Fast zeitgleich, so Neuhaus, aber in einer völlig anderen Liga der Eskalation, spiele sich in der Schweiz ein Kulturkampf in rosa Glitzerverpackung ab: Nemo gebe den ESC-Pokal zurück. Als Protest dagegen, dass Israel beim nächsten Eurovision Song Contest teilnehmen dürfe. In ihrem Beitrag nennt die NZZ-Redaktorin noch ein drittes Element: Ein Franzose mit nordafrikanischen Wurzeln soll ein Attentat auf den ESC in Basel geplant haben – gezielt gegen Jüdinnen und Juden. Er wird festgenommen, später nach Frankreich ausgeschafft und ist dort wieder auf freiem Fuss.
Diese drei Geschichten, betont Neuhaus, seien nicht gleichzusetzen: «Menschen zu töten ist ein Kapitalverbrechen, die Rückgabe eines Pokals anderthalb Jahre nach einem Sieg ist höchstens etwas feige. Doch tief im Sediment der Geschichte findet sich ein Faden, der die Geschehnisse verbindet: Antisemitismus.» Nicht als Randphänomen, nicht als Relikt, sondern als etwas, das gerade wieder aufstehe, sich neu einkleide und dabei erschreckend normal wirke. Und sie zitiert den Schriftsteller Charels Lewinsky der in der NZZ gesagt hatte: «Heute grassiert der antizionistische und antikolonialistische Antisemitismus. Aber letztlich ist es oft der immergleiche Judenhass. Und er ist wieder salonfähig, oder besser demonstrationsfähig.»
Seit Beginn des Gaza-Kriegs, schreibt Christina Neuhaus, sei Antisemitismus überall. Die klassischen Rechtsradikalen hätten dabei Verstärkung bekommen durch Judenhass aus islamistischen Milieus und durch eine linksradikalisierte Protestkultur, die sich moralisch im Recht wähne. Die Sozialdemokratin, die Israel vorwerfe, in Gaza einen Holocaust zu begehen, der Beinahe-Star, der seinen Pokal zurückgebe, seien überzeugt, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, stellt Neuhaus fest und schliesst ihre Analyse mit den Worten: «Den Preis zahlen Juden überall auf der Welt.»
Zum Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung: Neue Zürcher Zeitung – E-Paper
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