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6. Januar 2025
Ein Waffenstillstand ohne Sieger: Was die Feuerpause im Gazastreifen für Israel und die Hamas bedeutet
16. Januar 2025Gaza-Abkommen soll kurz vor Abschluss stehen
Bei den indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas über eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln in Gaza sollen erhebliche Fortschritte erzielt worden sein. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend.
Reuters berichtet etwa, es solle heute in der katarischen Hauptstadt Doha ein Treffen zur Klärung der letzten Einzelheiten geben. Das Abkommen sehe unter anderem vor, dass zunächst 33 Geiseln aus der Gewalt der Hamas freikommen sollen: Kinder, Frauen - einschliesslich Soldatinnen - sowie Männer über 50 Jahre, Verwundete und Kranke.
Der Abzug der israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen solle stufenweise erfolgen. Laut israelischen Angaben hält die Hamas noch 94 Geiseln in ihrer Gewalt, von denen 34 aber nicht mehr leben sollen.
Seit Monaten versuchen die USA, Katar und Ägypten, eine Vereinbarung zwischen der Hamas und Israel zu erreichen. US-Präsident Joe Biden sagte, man stehe «am Rande» einer Einigung. Medienberichten zufolge will US-Aussenminister Antony Blinken noch heute einen Plan für den Wiederaufbau und die Verwaltung von Gaza nach Kriegsende vorlegen. Im Vorfeld hatte auch der designierte US-Präsident Donald Trump Druck gemacht, um einen Deal noch vor seiner Amtseinführung am 20. Januar 2025 zustande zu bringen.
33 israelische Geiseln gegen 1000 palästinensische Häftlinge
Laut israelischen Medien wurde in Doha ein Drei-Stufen-Plan für eine Waffenruhe ausgearbeitet. Gemäss dem israelischen TV-Sender Channel 13 sieht der Plan in einer ersten Phase eine Kampfpause von 42 Tagen vor. In der Zeit sollen 33 Geiseln freigelassen sowie Leichen toter Geiseln übergeben werden, hiess es.
Im Gegenzug sollten 1000 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freigelassen werden. Israels Armee werde sich ausserdem nach und nach aus bewohnten Gebieten Gazas und schliesslich auch aus dem Philadelphi-Korridor entlang der Grenze zu Ägypten zurückziehen.
Ferner sollen demnach die in den Süden Gazas geflohenen Einwohner unter internationaler Aufsicht in ihre Wohngebiete im Norden zurückkehren dürfen. Laut US-Medienberichten wird Israel zunächst Pufferzonen entlang seiner östlichen und nördlichen Grenze zum Gazastreifen aufrechterhalten.
Bruder von Yahya al-Sinwar soll Hamas bereits wieder aufbauen
Die jüngsten Berichte haben bei den Angehörigen der Geiseln grosse Hoffnungen ausgelöst. «Die Berichte seien ein Hoffnungsschimmer, aber wir bleiben vorsichtig», erklärte das Forum der Geiselfamilien.
Die US-Vermittler bestätigten ebenfalls, dass es zu früh für Euphorie sei: «Ich mache keine Versprechungen oder Vorhersagen, aber es ist zum Greifen nahe, und wir werden daran arbeiten, dass es klappt», so Sullivan. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will örtlichen Medien zufolge heute Angehörige der Geiseln treffen.
Nach Informationen des «Wall Street Journal» soll Mohammed al-Sinwar bereits dabei sein, die Hamas in Gaza wieder aufzubauen. Er ist der jüngere Bruder von Yahya al-Sinwar, dem Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023. Die israelische Armee hatte Yahya al-Sinwar 16. Oktober 2024 in Gaza getötet.

Flaggen Israels und Palästinas als Symbol der Diplomatie. © designer491 / Alamy Stock Photo