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Gastbeitrag: Über unser Leiden schweigen die Medien

von Vera Lachmanovich i

Ich habe stets mit Interesse die Berichterstattung der Schweizer Medien über Israel verfolgt. Seit einem Jahr tue ich das noch viel intensiver. Ganz besonders, seit der Krieg im Norden des Landes viel extremer wurde und ich dadurch als Bewohnerin von Haifa auch persönlich sehr davon betroffen bin.

Die diversen Analysen der Situation in den verschiedenen Medien, besonders in der NZZ, sind immer sehr lesenswert und relevant. Aber was mich seit langem sehr stört, ist die Tatsache, dass die Medien den bis zum jetzigen Waffenstillstand permanenten Raketenbeschuss Israels durch Hisbollah und dessen verheerende Folgen kaum erwähnten.

Man hat zwar vor einem Jahr, als Hisbollah am Tag nach dem 7. Oktober begann Israel mit Raketen zu attackieren, darüber berichtet, dass der Norden des Landes evakuiert werden musste. Aber seither war in den Schweizer Medien praktisch kein Wort mehr zu lesen, und noch weniger wurden Bilder gezeigt, was die ununterbrochenen Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon für uns bedeuteten.

In der Woche vom 19. bis 26. November hat beispielsweise die NZZ 11 Mal über Luftangriffe der IDF im Libanon berichtet, aber nur 5 Mal über Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah auf Israel. Beim Tages-Anzeiger war das Verhältnis 4:11, bei 20minuten und srf.ch 3:10 und beim BLICK 2:11.

Die Schweizer Medien zeigen zwar regelmässig Bilder von zerstörten Häusern in Beirut sowie in anderen libanesischen Städten oder Gaza. Aber Bilder von den völlig zerstörten israelischen Orten wie Metulla, Kiryat Shmona, Menara, Shlomi etc. werden nicht gezeigt.

Auch über das Leiden und Leben der Anwohner jener israelischen Städte, welche nicht evakuiert, aber ständig bombardiert wurden, wird nicht berichtet. Zum Beispiel Naharija mit seinen 68’000 Einwohnern oder Karmiel, wo 49’000 Menschen leben.

Weshalb wird nirgends geschrieben, dass die dortigen Kinder seit einem Jahr die Schule oft nicht mehr besuchen, ja nicht einmal mehr auf einem Spielplatz spielen und ihre Eltern nicht mehr arbeiten können? 

In den letzten Monaten war dies auch in Haifa der Fall, wo ich mit meinem Mann lebe, und in der Region südlich von uns bis hin nach Tel Aviv, wo meine Töchter und Enkel leben. Weshalb wurde auch nicht darüber berichtet, was dies für uns bedeutete?

Wie ist es möglich, dass in der Schweiz kein Wort darüber zu lesen ist, was es heisst, wenn man täglich zwei- bis dreimal genau 10 Sekunden Zeit hat, um in einen Luftschutzkeller oder Sicherheitsraum zu flüchten? (Wir in Haifa sind diesbezüglich privilegiert: Wir haben immerhin eine Minute Zeit.)

Die Schweizer Medien zeigen immer wieder die Bilder flüchtender libanesischer Familien. Aber sie erwähnen nicht, dass diese Familien bis vor kurzem noch zuhause leben konnten. Im Gegensatz zu den gegen 100'000 Israelis, die schon vor einem Jahr von zuhause vertrieben wurden, weil ihre Städte und Dörfer von der Hisbollah beschossen wurden.

Diese einseitige Berichterstattung in den Schweizer Medien ist verhängnisvoll. Sie führt nicht bloss dazu, dass die Schweizer Bevölkerung keine Ahnung hat, was sich bei uns wirklich abspielt. Sie bewirkt vor allem, dass in der Schweiz immer mehr der Eindruck entsteht, wir Israeli seien die unbarmherzigen Angreifer, die keine Rücksicht auf das Leben von Zivilisten nehmen.

Dabei ist es in Tat und Wahrheit genau umgekehrt: Wir wurden angegriffen und wurden gezwungen, uns zu verteidigen. Unsere Zivilisten waren und sind seit über einem Jahr das Ziel von Terrorangriffen aus dem Libanon und Gaza. Aber offenbar ist israelisches Leid für die Schweizer Medien nicht erwähnenswert – unabhängig davon, ob es unsere jüdische, arabische oder drusische Bevölkerung betrifft.                                              

Vera Lachmanovich ist schweizerisch-israelische Doppelbürgerin und lebt in Haifa. Bis zu ihrer Pensionierung war sie am weltbekannten Leo Baeck Education Center Englischlehrerin und stellvertretende Rektorin und engagierte sich Zeit ihres Lebens für gemeinsame Projekte mit arabischen Schulen um die friedliche Koexistenz von Juden, Christen und Muslimen zu fördern.

Redaktion
Gastbeitrag: Über unser Leiden schweigen die Medien
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