Gebäude des Europarats in Strassburg
Alfred Heer, Europaparlament: «Juden sind in unseren Ländern nicht mehr sicher»
30. Januar 2025
Flaggen von Israel und Palästina
Hamas lässt weitere Geiseln frei – bittere Heimkehr für Yarden Bibas
1. Februar 2025
Gebäude des Europarats in Strassburg
Alfred Heer, Europaparlament: «Juden sind in unseren Ländern nicht mehr sicher»
30. Januar 2025
Flaggen von Israel und Palästina
Hamas lässt weitere Geiseln frei – bittere Heimkehr für Yarden Bibas
1. Februar 2025

Die andere «Rattenlinie» – wie Nazi-Kriegsverbrecher im Nahen Osten Zuflucht fanden

«Im Zweiten Weltkrieg führten die Nationalsozialisten und die Araber denselben Kampf: die Ausrottung der Juden. Die arabisch-deutsche Zusammenarbeit hielt nach dem Krieg an», schreibt die NZZ. Zentrale Aussagen:

  1. Zusammenarbeit im Krieg: Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem, und Hitler trafen sich 1941 in Berlin und fanden durch ihren gemeinsamen Feind, die Juden und die Briten, zueinander. Hitler versprach dem Mufti, die Juden auch in Palästina zu vernichten, was Teil eines grösseren Plans war, der schliesslich die Vernichtung aller Juden im arabischen Raum einbeziehen sollte. Der Mufti bot seine Hilfe an, unter anderem durch die Bildung muslimischer SS-Einheiten.
  2. Fluchtwege für Kriegsverbrecher: Nach dem Krieg nutzten viele Nazis Fluchtrouten, um der Verfolgung zu entkommen. Die bekannteste war die «Rattenlinie», die über den Vatikan nach Südamerika führte, während eine weniger bekannte Route im Nahen Osten mündete. Zwei berüchtigte Massenmörder, Walter Rauff und Alois Brunner, flüchteten über diese Route. Rauff, der mobile Gaskammern entwickelte, und Brunner, ein enger Mitarbeiter von Adolf Eichmann, begaben sich mit Hilfe des Mufti und anderer Nazi-Verbindungen nach Syrien und Ägypten.
  3. Brunners Leben im Nahen Osten: Brunner verbrachte viele Jahre in Syrien und Damaskus, wo er sich einen Lebensunterhalt als Geschäftsmann und Waffenhändler aufbaute. Er profitierte von der Unterstützung des syrischen Geheimdiensts und der Tatsache, dass die Behörden wenig Interesse an seiner Vergangenheit hatten. Er versuchte sogar, Eichmann zu befreien, indem er plante, jüdische Persönlichkeiten zu entführen und zu erpressen.
  4. Die Rolle von Gehlen und dem BND: Reinhard Gehlen, ehemaliger Nazi-Spionagechef und später Präsident des BND, spielte eine zentrale Rolle bei der Rekrutierung von Kriegsverbrechern für den westdeutschen Geheimdienst. Gehlen und seine Verbindungen unterstützten die Flucht von Nazis, darunter auch Rauff, nach Syrien. Brunner profitierte vermutlich auch von dieser Netzwerkarbeit.
  5. Brunners Tod und das Erbe: Alois Brunner lebte bis zu seinem Tod 2001 in Syrien, wo er trotz wiederholter Versuche, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, nie gefasst wurde. Einzig durch zwei fehlgeschlagene Anschläge, bei denen er verletzt wurde, geriet er international in den Fokus. Es gibt Spekulationen, dass die deutsche Regierung seine Auslieferung absichtlich verzögerte, da er möglicherweise auch für die Arbeit des BND von Interesse war.

Als Hauptquellen für den Artikel verweist die NZZ auf: Danny Orbach, «Fugitives – A History of Nazi Mercenaries during the Cold War», Pegasus Books, 2022; diverse Beiträge in «Einsicht»/Fritz-Bauer-Institut; «Die geheimen Akten über Alois Brunner» auf fragdenstaat.de; Georg M. Hafner / Esther Schapira, «Die Akte Alois Brunner», Campus-Verlag, 2000; «Die Asads und ihr Nazi» in «Reportagen» #33/2017.

Redaktion
Die andere «Rattenlinie» – wie Nazi-Kriegsverbrecher im Nahen Osten Zuflucht fanden
Diese Seite verwendet Cookies für die Entwicklung der Seite. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.