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Die Stadt Zürich steht vor wichtigen Wahlen – auch für die jüdische Gemeinschaft

Von Sacha Wigdorovits

Am 8. März haben nicht nur die eidgenössischen Stimmberechtigten über wichtige Vorlagen zu befinden, sondern auch die Wählerinnen und Wähler in der Stadt Zürich. Sie entscheiden darüber, wer sie in den nächsten vier Jahren in der Stadtregierung (Stadtrat) und im Gemeindeparlament (Gemeinderat) vertreten wird.

Die Mehrheitsverhältnisse sind dabei klar: Die sozialdemokratische Partei stellt in der grössten Schweizer Stadt vier von neun Stadträten, darunter die amtierende Stadtpräsidentin Corine Mauch. Zusammen mit den verbündeten Grünen, die mit zwei Mitgliedern im Stadtrat vertreten sind, kommt Rot-Grün somit in der Exekutive auf eine deutliche Mehrheit. 

Auch im Gemeinderat ist die SP mit 37 Vertreterinnen und Vertretern die mit Abstand stärkste Partei, gefolgt von der Freisinnig-Demokratischen Partei FDP mit 23 Sitzen. Zusammen mit den Grünen (18) und der Alternativen Liste (8) dominieren die Sozialdemokraten auch das 125-köpfige Stadtparlament. Die SP kontrolliert somit in der Stadt Zürich Exekutive und Legislative.

Die Folgen dieser Politik sind ein stetig wachsender Schuldenberg und ein immer wirtschaftsfeindlicheres Umfeld. Beides zusammen verheisst für die Zukunft der grössten Schweizer Wirtschaftsmetropole nichts Gutes. Und dennoch ist es fraglich, ob die bevorstehenden Wahlen daran etwas ändern werden.

Im Gegenteil, in der Stadtregierung droht die FDP einen ihrer zwei Sitze zu verlieren, weil ihr populärer Vertreter Filippo Leutenegger nicht mehr antritt. Die Hoffnungen ruhen nun auf Përparim Avdili, der sowohl als Stadtrat als auch als Stadtpräsident kandidiert.

Der 38-jährige Avdili stammt aus einer albanischen Familie aus Nordmazedonien, ist Präsident der FDP-Stadtpartei sowie Gemeinderat und hat eine Laufbahn hinter sich, die – früher – gut zur SP gepasst hätte. Sie reicht vom Lastwagenfahrer und Paket-Transporteuer über Kundendienstmitarbeiter bis zu einem Bankenjob und schliesslich der Anstellung als Finanzchef in einem mittelständischen Berufsbildungsunternehmen, das über 1’000 Lehrlinge betreut. Zudem straft er mit seiner bodenständigen, unkomplizierten und nahbaren Art alle Vorurteile Lügen, denen zufolge die Zürcher FDP immer noch die Partei der Hochfinanz sei. 

Ob es Përparim Avdili gelingen wird, der SP das Stadtpräsidium abzuringen, ist fraglich. Aber er hat gute Chancen, als Nachfolger von Filippo Leutenegger in den Stadtrat gewählt zu werden. Die letzten Umfragen sehen ihn in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um den neunten und letzten Platz in der Stadtregierung.

Avdilis Wahl wäre nicht nur ein positives Signal, dass die städtischen Wählerinnen und Wähler die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich eine neue, verantwortungsbewusstere Politik wünschen. Sie wäre auch gut für die jüdische Gemeinschaft. Denn sein Vorgänger Filippo Leutenegger hat sich stets für die Jüdinnen und Juden in der Stadt Zürich eingesetzt. Zum Beispiel, als er den Fortbestand der Jüdischen Mädchenschule Zürich sicherte, indem er ihr ermöglichte, auf städtischem Land eine Schulhausprovisorium zu errichten. 

Wenn Përparim Avdili in den Stadtrat gewählt wird, ist diese Unterstützung weiterhin gewährleistet. Denn auch er hat ein offenes Ohr für die Sorgen und Ängste der Juden in der Stadt Zürich, die von einem in den letzten Jahren stark gestiegenen antisemitischen Klima geprägt ist. Dasselbe gilt für seine Gemeinderats- und Parteikollegin Marita Verbali, die ebenfalls für den Stadtrat kandidiert, aber dort schlechtere Wahlchancen hat als Avdili.

Dass es zwei FDP-Vertreter sind, die sich für jüdische Anliegen stark gemacht haben und weiterhin stark machen wollen, ist kein Zufall. Zwar kann die jüdische Gemeinschaft in der Stadt Zürich auch in anderen Parteien auf Unterstützung zählen. In der Gemeinderatsfraktion der Grün-Liberalen Partei GLP verfügt sie mit Ronny Siev über eine starke Stimme. Obschon dies gewissen seiner Parteikollegen und der städtischen Parteileitung missfällt, hat die GLP mit Lyia Brumann und Micha Schächter zwei weitere Kandidaten nominiert, die sich für die Juden in Zürich engagieren. In der SVP gilt dasselbe für die Gemeinderäte Stefan Urech und Samuel Balsiger. In der Partei Die Mitte hat sich Gemeinderätin Karin Weyermann, die auch für die Stadtregierung kandidiert, in der zu Ende gehenden Legislatur für jüdische Anliegen eingesetzt. Und Markus Knauss (GP) hat als einziger Vertreter von Links-Grün im Gemeinderat gegen die finanzielle Unterstützung der Stadt für die von der Hamas unterwanderte UNO-Hilfsorganisation UNRWA gestimmt.

Aber in keiner städtischen Partei ist die jüdische Gemeinschaft so stark verankert wie in der FDP. Mit Jehuda Spielmann und Anthony Goldstein sitzen zwei Juden für die FDP im Gemeinderat, und mit Alex Guggenheim, Jonathan Morgenbesser und Elias Pernet kandidieren drei weitere erstmals für einen Sitz im Stadtparlament. Doch die Unterstützung der FDP geht über deren jüdische Parteimitglieder hinaus. Dies zeigte sich in der laufenden Legislatur vor allem am Beispiel von Fraktionschef Michael Schmid, der sich in den Gemeinderatsdebatten, bei denen es um Antisemitismus oder Israel ging, oft vor seine jüdischen Fraktionskollegen stellte und an ihrer Stelle das Wort ergriff. 

Bei den jetzigen Wahlen tritt Schmid nicht mehr an. Aber mit Ivette Djonova bewirbt sich eine andere FDP-Vertreterin mit grosser Affinität für jüdische Anliegen und jüdische Sorgen für das Stadtparlament. Die 1988 geborene Juristin ist Geschäftsführerin des schweizerischen Kinodachverbandes ProCinema und kandidiert für den Gemeinderat im Stadtkreis 2, in dem viele Juden leben. Dies ist nicht der einzige Grund, dass sie über jüdische Anliegen – insbesondere die Sorge um Sicherheit – gut Bescheid weiss. Denn Djonova hatte diesbezüglich auch das bestmögliche Vorbild: Sie war die Lebenspartnerin des letztes Jahr überraschend verstorbenen SVP-Nationalrates Alfred Heer. Dieser war einer der treuesten und einflussreichsten Politikerfreunde der Schweizer Juden. Dabei vertrat er die Anliegen der jüdischen Gemeinschaft und Israels nicht nur auf schweizerischer Ebene, sondern lautstark und vehement auch im Europarat. Von Ivette Djonova dürfen die Juden in der Stadt Zürich Gleiches erwarten.

Für die städtischen Wählerinnen und Wähler insgesamt sind die bevorstehenden Gemeindewahlen wichtig, um ein Zeichen gegen die verhängnisvolle derzeitige links-grüne Politik zu setzen. Aber für die jüdische Gemeinschaft in der Stadt Zürich kommt noch ein weiteres hinzu: Seit dem Massaker der palästinensischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 hat der Antisemitismus in der Stadt Zürich massiv zugenommen. Mitverantwortlich dafür sind die links-grüne Stadtregierung und das von den beiden gleichen Parteien dominierte städtische Parlament.

Dieser Entwicklung können die Juden und Jüdinnen in der Stadt Zürich nur entgegentreten, wenn sie sich aktiv an den Wahlen vom 8. März beteiligen. Und wenn sie dabei ihre Stimme sowohl auf Stadtrats- als auch Gemeinderatsebene geschlossen den Kandidatinnen und Kandidaten der bürgerlichen Parteien geben. Insbesondere der FDP, von der sie traditionell am meisten Unterstützung erwarten dürfen. 

Sie stehen für die jüdische Gemeinschaft in Zürich ein:

Përparim Avdili (FDP)

Samuel Balsiger (SVP)

Lyia Brumann (GLP)

Ivette Djonova (FDP)

Anthony Goldstein (FDP)

Alex Guggenheim (FDP)

Markus Knauss (GP)

Jonathan Morgenbesser (FDP)

Elias Pernet (FDP)

Micha Schächter (GLP)

Ronny Siev (GLP)

Jehuda Spielman (FDP)

Stefan Urech (SVP)

Marita Verbali (FDP)

Karin Weyermann (Die Mitte)


Sacha Wigdorovits ist Präsident des Vereins Fokus Israel und Nahost, der die Webseite fokusisrael.ch betreibt. Er studierte an der Universität Zürich Geschichte, Germanistik und Sozialpsychologie und arbeitete unter anderem als USA-Korrespondent für die SonntagsZeitung, war Chefredaktor des BLICK und Mitbegründer der Pendlerzeitung 20minuten. 

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