18. August 2025
Nikolai Klimeniouk: «Das palästinensische Flüchtlingsproblem entstand durch den Versuch, Israel zu vernichten»
Das bittere Schicksal der Palästinenser treibt die Welt um, wobei für die anhaltende Misere gern Israel allein verantwortlich gemacht wird. Dabei haben die arabischen Nachbarn und die Palästinenser selbst das Flüchtlingsproblem massgeblich mit herbeigeführt.
Schlüsselaussagen
- 1948/49, Vertriebene auf beiden Seiten, aber Juden werden nicht erwähnt:
Auf Israels Staatsgründung reagierte eine Koalition arabischer Staaten sofort mit einem Angriffskrieg, um den jüdischen Staat zu vernichten. Infolge wurden bis zu 760’000 Araber zu Flüchtlingen. Zwischen 1948 und 1970 wurden bis zu 900’000 Juden aus arabischen Ländern vertrieben. Die meisten gingen nach Israel – ihre Nachkommen stellen heute mehr als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung. Zudem sind 21 % der israelischen Bevölkerung arabische Staatsbürger, die in Israel geblieben sind. Viele Israeli stammen also aus dem Nahen Osten – ein Fakt, der oft unterschlagen wird. (Dies wird von palästinensischer Seite als Nakba «Katastrophe bezeichnet. Die Wahrheit darüber, gut dokumentiert, kann hier nachgelesen werden: «Der Mythos Nakba», Anm. Red.) - Rückkehrrecht – Chiffre für Israels Vernichtung
Vertreter der Palästinenser und der arabischen Staaten blieben in der Frage des Rückkehrrechts der Palästinenser kompromisslos. Israel war nur zur Rückkehr einer begrenzten Zahl bereit, da eine vollständige Rückkehr die jüdische Bevölkerungsmehrheit aufgehoben hätte. Eine solche würde den jüdischen oder den demokratischen Charakter Israels zerstören (Ehud Barak). Die Rückkehrforderung wurde so zu einer Chiffre für Israels Vernichtung. - In arabischen Ländern diskriminiert, in Israel Bürger – aber Israel gilt als Apartheitsstaat
1949 wurden Millionen Vertriebene weltweit von Aufnahmestaaten integriert – etwa Deutsche aus Ostmitteleuropa oder Flüchtlinge zwischen Indien und Pakistan. Nur die Palästinenser wurden von den arabischen Staaten bewusst nicht eingebürgert und ihnen nur eingeschränkte Rechte gewährt (Ausnahme: Jordanien), um den Anspruch auf Rückkehr nicht zu verwässern und den moralischen Druck auf Israel nicht zu lockern. Im Libanon dürfen Palästinenser rund 70 Berufe nicht ausüben, darunter Mediziner, nicht im öffentlichen Dienst arbeiten, haben eingeschränkten Zugang zu Bildung, Eigentum und Bewegungsfreiheit. Dennoch wird seit den 1970ern Israel des «Apartheid-Systems» beschuldigt.
- Flüchtlingsproblem als politische Waffe
«Die Geburt des palästinensischen Flüchtlingsproblems», sei allen israelischen Führungspersönlichkeiten klar gewesen, so Historiker Benny Morris, dass die Flüchtlinge zu einer «politischen Waffe gegen die Juden» geworden seien. Eine israelische Weigerung, die Flüchtlinge zurückzunehmen, würde diese im Elend belassen und die Weltmeinung gegen Israel aufbringen. Eine Zustimmung hätte Israel destabilisiert und militärisch geschwächt. Beides würde zu seiner Auslöschung beitragen. - UNRWA-Sonderstatus:
Nur bei Palästinensern wird der Flüchtlingsstatus vererbt, selbst bei Einbürgerung in Drittstaaten. Deshalb stieg ihre Zahl künstlich auf rund 6 Millionen. Zum Vergleich: Würde man deutsche Vertriebene so behandeln, gäbe es heute 25 Millionen staatenlose Schlesier und Ostpreussen. (Lesenswert zu UNWRA und Flüchtlingszahlen hier und hier, Anm. Red.) - Friedensverhandlungen & Gewalt:
2000 scheiterten die Camp-David-Gespräche zwischen Barak und Arafat u. a. an der Rückkehrfrage. Statt Staatsgründung folgten viereinhalb Jahre Terror: In der zweiten Intifada (2000 bis 2005) starben rund 1’100 Israeli (80 % Zivilisten) und ca. 3’200 Palästinenser (35–53 % davon Mitglieder terroristischer Gruppen).
- Sowjet-Propaganda:
Die Wahrnehmung des Konflikts wurde stark von sowjetischer Propaganda geprägt, die Israel früh Kolonialismus und Genozid vorwarf – Narrative, die bis heute nachwirken.
*Nikolai Klimeniouk wurde 1970 in Sewastopol auf der Krim geboren und lebt heute als freier Autor in Berlin.
Vollständiger Beitrag der NZZ (Bezahlschranke)
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