4. August 2025
NZZ-Gastkommentar Michael Wolffsohn: Palästina anerkennen reicht nicht. Wer entwaffnet die Hamas? Frankreich? Grossbritannien?
In seinem Kommentar kritisiert der renommierte Historiker Michael Wolffsohn die jüngste internationale Debatte um die Anerkennung Palästinas als Staat als realitätsfremd und selbsttäuschend – mit dramatischen Konsequenzen. Während sich die Welt zu Recht über die Hungersnot in Gaza empört, profitiert die Hamas davon. Sie kämpft nur noch um das eigene Überleben und «opfert weiter die Zivilbevölkerung», so Wolffsohn. Ihre Strategie sei «satanisch»: Die Hamas missbrauche ihre eigene Bevölkerung als Schutzschild und Propagandamittel, um durch Bilder des Leids internationale Schuldzuweisungen gegen Israel zu provozieren.
Wolffsohn betont: «Die Palästinenser sind für die Hamas nur Kanonenfutter.» Die Organisation plündere Hilfsgüter, verkaufe sie zu Höchstpreisen, verhindere gezielt deren gerechte Verteilung und verschärfe dadurch das Chaos, um es für propagandistische Zwecke zu nutzen. Ihr Ziel: «Fakten und Bilder vom Leid zu schaffen», die dann weltweit als Beweis gegen Israel gewertet werden.
Sapere aude
Diese Bilder jedoch «verbergen oft die Wahrheit». Viele Menschen seien unfähig oder unwillig, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Sie hätten nicht den Mut, «sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen» – Wolffsohn zitiert dazu Kant und Horaz: «Sapere aude.» Wer ohne Analyse allein auf Bilder reagiere, mache sich zum Werkzeug der Hamas-Strategie.
Mit Blick auf die von Frankreich und Großbritannien unterstützte UNO-Initiative zur Anerkennung Palästinas als Staat spricht Wolffsohn von einer «Realsatire» und fragt sarkastisch: «Wer entwaffnet die Hamas? Frankreich? Großbritannien?» Der Verweis Macrons auf Mahmud Abbas sei naiv, denn weder Abbas noch Frankreich könnten Hamas entwaffnen. Die Idee, dass der 2007 von der Hamas aus Gaza vertriebene Abbas nun deren Waffen einsammeln könne, sei «absurd».
«Was nicht ist, ist nicht und kann folglich nicht anerkannt werden»
Wolffsohn stellt grundsätzlich infrage, ob es den Staat Palästina überhaupt gibt – «Was nicht ist, ist nicht und kann folglich nicht anerkannt werden.» Ein entmilitarisiertes Palästina könne definitionsgemäss kein souveräner Staat sein.
Der Historiker fordert stattdessen eine nüchterne Analyse der Ursachen der humanitären Katastrophe. Die Schuldzuweisung an Israel sei zu einfach. Denn: «Liesse die Hamas die Geiseln frei, würde Israels Regierung den Krieg sofort beenden.» Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung sei «kriegsmüde, total erschöpft». Auch wirtschaftlich sei der Preis längst hoch.
Sein bitteres Fazit: Die Hamas habe militärisch längst verloren, setze aber auf «Menschlichkeit und Dummheit» der Weltöffentlichkeit. Wer sich nicht an Kant halte, sondern auf Emotion statt Analyse setze, mache sich mitschuldig. Wolffsohn ruft deshalb auf: «Es gilt, dass wir uns unseres Verstandes bedienen.»
Vollständiger Beitrag der NZZ (Bezahlschranke)
Haben Sie einen Fehler entdeckt?





